Dead Cross - Dead Cross

Dead Cross- Dead Cross

Ipecac / [PIAS] UK / Rough Trade
VÖ: 04.08.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Knüppel aus dem Sack

Wieder mal eine neue Band mit Mike Patton. Dabei ist der Faith-No-More-Kopf eigentlich nur ein Nachzügler im Kollaborationsprojekt Dead Cross. Slayer-Drummer Dave Lombardo tat sich hierfür gemeinsam mit Justin Pearson und Michael Crain von The Locust und Retox zusammen, deren Bandkollege Gabe Serbian ursprünglich fürs Mikrofon-Malträtieren zuständig sein sollte. Das Debütalbum wurde bereits fertig aufgenommen, doch scheinbar waren die Beteiligten mit dem Ergebnis nicht wirklich zufrieden. Serbian schied deshalb aus dem Projekt aus, und eben kein geringerer als Patton steuerte neue Lyrics und Vocals zur bereits aufgenommenen Musik bei. Diese wird von Lombardo selbst mehr dem Punk als dem Metal zugeordnet, ist aber durchaus mit Slayers Hochtempo-Geknüppel vergleichbar, garniert mit den halsbrecherischen Wendungen, die The Locust auf ihren Platten gerne fahren und "Songs" nennen.

Zehn Songs in 27 Minuten lässt das selbstbetitelte Album gerade mal durchlaufen. Wir erinnern uns allerdings: Vor gut drei Jahrzehnten brauchte ein gewisses "Reign in blood" auch nicht viel länger, um seinen Standpunkt klarzumachen. Nur dass dieses Mal ein anderer Irrer die Rolle des Frontrambos übernimmt. Es ist fast schon überraschend, wie nah "Dead Cross" an der Beschreibung "Slayer mit Patton als Vokalist" über weite Strecken bleibt, wenn man bedenkt, wie sehr alle Beteiligten unerwarteten Stilbrüchen zuneigt sind. Ein Traum für Liebhaber harter und verquerer Musik ist das Projekt dennoch. Was Songtitel wie "The future has been cancelled" und "Church of the motherfuckers" versprechen, halten Textzeilen wie "I took a pee and it came out red / I took a dump and it came out dead" samt Blastbeat-Attacken und schneidenden Riffs.

Die Details surren im Verlauf der Platte kreuz und quer durch die Ohren, sodass es ein wenig Gewöhnungszeit braucht, um sich einen Reim auf diesen Trip zu machen. Mag sein, dass der Opener "Seizure and desist" oder "Obedience school" irgendwo mittendrin tatsächlich etwas Ähnliches wie eine Hook auffahren, aber dann nur, um bei nächster Gelegenheit daran den sauberen Genickbruch zu üben. Andere Stücke wie "Grave slave" oder das herrliche "Shillelagh" – über Pattons Erfahrungen mit aggressiven irischen Pub-Besuchern – gehen gleich all in mit aggressivem Lärm und schrillen Vocals. Überhaupt Patton: Der verrenkt sich mal wieder zwischen Gebrüll, Gekrächze und brummigen Growls die Stimmbänder, dass es eine Freude ist. Und wirft sich in schwarze Schale, wenn schon mal der Bauhaus-Klassiker "Bela Lugosi's dead" auf links gedreht wird, indem Dead Cross deren präzise Postpunk-Ästhetik durch aggressive, verschmierte Zähigkeit ersetzen.

Erst in den letzten beiden Tracks wird die Drei-Minuten-Grenze überhaupt einmal von der rechten Seite betrachtet. "Gag reflex" weist in der Tat die größte dynamische Spannweite aller Songs auf, steigert sich vom Sludge-Groove in Highspeed-Rage und fällt schließlich auf nicht mehr als ein Flüstern zurück. Man möchte es im Kontext beinahe schon Epos nennen, unter all den schlagfertigen Ohrfeigen drumherum. "Dead Cross" ist so morbid, humorig und an Ekelhaftigem erfreut, wie man es sich anhand der Personenkonstellation erhoffen konnte. Lombardo deutete indes schon an, dass es nicht bei diesem hier versammelten Material bleiben solle. Mit irgendwas müsse man ja die 45 Minuten Setlist-Zeit füllen. Als ob einen nicht schon diese knappe halbe Stunde fertig machen würde.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Seizure and desist
  • Shillelagh
  • Gag reflex

Tracklist

  1. Seizure and desist
  2. Idiopathic
  3. Obedience school
  4. Shillelagh
  5. Bela Lugosi's dead
  6. Divine filth
  7. Grave slave
  8. The future has been cancelled
  9. Gag reflex
  10. Church of the motherfuckers

Gesamtspielzeit: 27:40 min.

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User Beitrag

MrStrangiato

Postings: 7

Registriert seit 03.04.2020

2020-04-03 11:41:15 Uhr
Live ist das sicher toll zum Ausrasten aber auch für mich funktioniert das Ding auf Platte einfach nicht. Das grösste Problem ist dabei wirklich die Produktion, die den Songs jegliche Power nimmt. Das Songwriting an sich ist auch nicht wirklich spektakulär und so wäre das Album ohne Mitwirkung Pattons (der eine gute Leistung liefert, aber auch schon deutlich motivierter klang) total belanglos. Lombardo spielt auch nichts wirklich intressantes. Dann doch lieber Fantomas, das ist wenigstens RICHTIG bekloppt:)

VelvetCell

Postings: 2087

Registriert seit 14.06.2013

2020-04-02 23:52:39 Uhr
Ja, komisch. Eigentlich mag ich deren Stil. Aber die Platte kann man sich nicht anhören.

fuzzmyass

Postings: 1327

Registriert seit 21.08.2019

2020-04-02 23:44:06 Uhr
Muss ich nochmal hören, aberbstörend schlecht fand ich die nie... diebmachen ja gerade ein zweites album fertig, mal sehen wie das wird

VelvetCell

Postings: 2087

Registriert seit 14.06.2013

2020-04-02 23:14:20 Uhr
Auch die Produktion?

fuzzmyass

Postings: 1327

Registriert seit 21.08.2019

2020-04-02 23:04:48 Uhr
Finds fantastisch
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