Accept - The rise of chaos

Accept- The rise of chaos

Nuclear Blast / Warner
VÖ: 04.08.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 10/10

Keine Kompromisse

Wenn man erst einmal den so genannten Legendenstatus erreicht hat, gestaltet sich vieles einfacher. Accept sind unbestritten zu den absoluten Größen des Metal zu zählen. Und so kostete es die Urgesteine und unbestrittenen Führungskräfte Wolf Hoffmann und Peter Baltes kaum mehr als eine trockene Pressemitteilung, als die langjährigen Mitstreiter Herman Frank und Stefan Schwarzmann die Band verließen, um von den großen Bühnen der Welt abzutreten und fortan als The German Panzer wieder durch die Clubs zu tingeln. Ebenso gönnerhaft zeigen sich die beiden schon seit geraumer Zeit, seit der immer noch dezent zürnende Gründer Udo Dirkschneider unter eigenem Namen die größten Songs seiner Ära als Frontmann auf die Bühne bringt. Klassiker bleiben eben Klassiker. Alben veröffentlichen müssen die Herrschaften jedoch immer noch selbst, Legendenstatus hin oder her.

Und das tun die in den USA lebenden Solinger bekanntermaßen mit beträchtlichem Erfolg, allen Nörgeleien über das vermeintlich fehlende Charisma des immer noch irgendwie neuen Sängers Mark Tornillo zum Trotz. Doch mit dem 15. Studioalbum "The rise of chaos" gilt es, mit einer neuen Bürde klarzukommen, konnte sich doch mit dem Vorgänger "Blind rage" das erste Mal eine Accept-Platte die heimischen Charts von oben ansehen. Insofern tun Accept gut daran, mit dem Opener "Die by the sword" zunächst einmal auf Nummer Sicher zu gehen, was die Markenzeichen der Band angeht. Stampfende Riffs ohne großartige Spielereien, ein Refrain, der sofort zu gereckten Fäusten animiert, Hohoho-Chöre – viel mehr braucht es nicht, um den Ruf als Speerspitze des so genannten Teutonen-Metals mit Wucht festzurammen. Und ganz nebenbei wächst das Unverständnis darüber, warum sich eine solche Institution Anfang des Jahres dazu herabließ, als Vorband der Kirmes-Metaller Sabaton aufzutreten – einen solchen Song müssen Joakim Brodén und Kollegen erst noch schreiben.

Aber wir schweifen ab. Was vor allem an der kurzen Atempause namens "Hole in the head" liegt, die dieses Niveau nicht ganz halten kann. Ab dem Titeltrack allerdings marschiert die Platte derart unweigerlich voran, als seien Hoffmann und Baltes keine wohlsitutierten Spätfünfziger, sondern wieder die Teenager, die in einem Solinger Proberaum vor sich hin wüten, sucht doch insbesondere die Gitarrenarbeit ihresgleichen. "Koolaid" könnte man mit ein wenig Phantasie auch einer gewissen, ebenfalls nicht ganz erfolglosen australischen Rockband mit vier Buchstaben zuordnen, während "Analog man" herrlich altmodisch daher kommt – musikalisch wie textlich. Okay, Zeilen wie "Don't need no Wi-Fi / Just need my Hi-Fi" mögen in der heutigen Zeit durchaus altersstarrsinnig daherkommen, aber ein wenig Technik-Romantik darf an dieser Stelle gestattet sein.

Nur um es noch einmal klar festzuhalten: Natürlich brennen Accept kein Feuerwerk der Innovationen ab. Und um ehrlich zu sein, will das schon seit 1989, seit "Eat the heat" nach dem erstmaligen Ausstieg Udo Dirkschneiders mit seinem Ausflug in den Hair Metal bravourös scheiterte, niemand mehr haben. Aber ebenso natürlich sind "What's done is done" oder "Worlds colliding" nicht nur grundsolide Metal-Stampfer, die auch im Hochpromille-Bereich noch mitgrölbar sind, sondern schlicht das Maximum dessen, was das Genre in seinem engen stilistischen Rahmen halt so bieten kann. Accept müssen sich weiß Gott nicht mehr neu erfinden. Aber auch mit einem derartigen Bekanntheitsgrad, einer derart über die Jahrzehnte gewachsenen Fan-Basis muss eine Band zeigen, dass sie zu souveränen Alben imstande sind, ohne Dutzendware zu liefern, die live lediglich als Füllmaterial zwischen den Klassikern dient. Unter diesen Gesichtspunkten ist "The rise of chaos" zu den stärksten Veröffentlichungen seit der Reunion 2010 zu zählen. Accept haben geliefert.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Die by the sword
  • The rise of chaos
  • Analog man

Tracklist

  1. Die by the sword
  2. Hole in the head
  3. The rise of chaos
  4. Koolaid
  5. No regrets
  6. Analog man
  7. What's done is done
  8. Worlds colliding
  9. Carry the weight
  10. Race to extinction

Gesamtspielzeit: 46:25 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-07-26 23:17:42 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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