Lana Del Rey - Lust for life

Lana Del Rey- Lust for life

Vertigo / Universal
VÖ: 21.07.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Gold dust woman

"If you're going to San Francisco / Be sure to wear some flowers in your hair." Bis heute ist Scott McKenzies Dresscode für Hippies aus den 1960er-Jahren unmittelbar mit Woodstock, dem Festival der freien Liebe, verbunden. Und weil in Lana Del Rey neben glamouröser Diva, Heroin chic, Trailerpark-Queen, All American Girl, Bonnie – mal mit, mal ohne Clyde – und Lolita auch ein paar Prozent Blumenmädchen stecken, sind auf dem Cover ihrer vierten Platte "Lust for life" Margeriten-ähnliche Blüten in ihr Haar geflochten. Zumal sie auf jenem Werk das ebenso in Kalifornien ansässige Coachella-Festival nach einem Konzertbesuch bei Father John Misty mit Woodstock vergleicht – allerdings auch just ins Grübeln geriet. Weil für sie ungetrübter Musikgenuss während der zeitgleich wachsenden Spannungen zwischen den USA und Nordkorea nur schwer in Einklang zu bringen war.

Im Mai 2017 wirkte "Coachella – Woodstock in my mind" wie eine Ad-hoc-Botschaft Lana Del Reys ohne Bezug zum angekündigten Album, ein paar Wochen später gehört der Song zum festen Bestandteil der mit 72 Minuten etwas überdimensionierten Platte. Und das vielleicht, weil die 32-Jährige auf "Lust for life" vielfach Spannungsfelder kreiert und den retrospektiven Schleier für offene Fragen lüftet. Allein der Titel "When the world was at war we kept dancing" steht im Geiste des "Coachella"-Tracks. Darin fragt die als Elizabeth Grant geborene Künstlerin: "Is it the end of America?" An anderer Stelle singt sie "God bless America" als intoniere sie die Nationalhymne, nur um, eingeleitet von Schüssen, umgehend mit "and all the beautiful women in it" ein zartes, feministisches Ausrufezeichen nachzuschieben. Dass sich Lana Del Rey mehr Gedanken über gesellschaftspolitische Themen macht und diese ein additives Element ihrer Bad-boy- und Westcoast-Geschichten sein könnten, verriet ein im Februar 2017 veröffentlichter Tweet der Musikerin. Darin unterstützte sie den okkulten Versuch, Donald Trump mit Zauberkraft und Hexerei zu entthronen. Oberflächlich ein Ausritt in die Fantasterei, dabei ging es ihr wohl nebst Inhalt, nicht ganz unhippieesk, um die Kraft einer Gemeinschaft. So liest sich jedenfalls "Change": "I've been thinking it's just someone else's job to care / Who am I to wanna try / But change is a powerful thing and people are powerful beings."

Über Lana Del Rey mit Kutte und Kerze hätte sich niemand gewundert, über ein Lächeln auf ihrem Gesicht verrückterweise schon. Irgendwo muss sich ja auch visuell die "Lust for life" widerspiegeln, wenn die aufzehrende Hingabe in "Cherry" schmerzt und der Lover mit dem "White Mustang" keine 180-Grad-Verhaltensdrehung für sie hinlegt. Gut, der "Summer bummer" darf als Urlaubs-Fick ran, ansonsten versteckt sich Leidenschaft gerne in morbider Romantik. Im Titeltrack klettern Lana Del Rey und The Weeknd sodenn zum Tanzen auf den Buchstaben "H" des Hollywood-Schriftzugs. Den Blick über die Stadt, das Schicksal in der Hand, Endorphin in den Adern – und Bewegung bis zum Exodus: "Gotta dance til we die." 1932 stürzte sich die Schauspielern Peg Entwistle tatsächlich von jenem "H" in den Tod. Für Lana Del Rey, die Flair und Facetten von Los Angeles genussvoll aufsaugt, sind solche Rückgriffe auf Mythos bildende Geschichten ein gefundendes Fressen.

Neben Abel Tesfaye, für den Lana Del Rey bereits mehrfach als Duettpartnerin aktiv war und der ihren musikalischen Habitus am besten versteht, sind auch Sean Lennon im feinen Folk-Song "Tomorrow never came", Fleetwood-Mac-Frau Stevie Nicks sowie die Rapper A$AP Rocky und Playboy Carti an Bord. Letzteres macht Sinn, weil "Lust for life" im Kontext ihrer Diskographie, grob gesagt, die Single-Tauglichkeit und die HipHop-Beats von "Born to die" mit der intensiven, filmischen und schwülen Atmosphäre von "Honeymoon" kombiniert. Und so fließt mehrfach Trap durch den sanft orchestralen Vintage-Sound Lana Del Reys. Aber die Highlights setzt die Künstlerin selbst, ohne die Hilfe ihrer Gastmusiker. Noch nie hat sie so gut gesungen: beim warmen Pauken-Entree von "Love", "Cherry", "In my feelings" und dem fantastischen "13 beaches", das mit einem Film-Snippet aus "Tanz der toten Seelen" die Suche nach dem einen einsamen Strand vor sinistrer Kulisse einläutet. Im Finale kreisen die Möwen, ziehen "out of the black into the blue" und Lana Del Rey nach 72 Minuten gleich mit. Punktsieg: Lebenslust.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Love
  • 13 beaches
  • In my feelings
  • Heroin

Tracklist

  1. Love
  2. Lust for life (feat. The Weeknd)
  3. 13 beaches
  4. Cherry
  5. White Mustang
  6. Summer bummer (feat. A$AP Rocky & Playboy Carti)
  7. Groupie love (feat. A$AP Rocky)
  8. In my feelings
  9. Coachella - Woodstock in my mind
  10. God bless America - and all the beautiful women in it
  11. When the world was at war we kept dancing
  12. Beautiful people beautiful problems (feat. Stevie Nicks)
  13. Tomorrow never came (feat. Sean Ono Lennon)
  14. Heroin
  15. Change
  16. Get free

Gesamtspielzeit: 71:21 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
istso
2018-01-08 09:55:05 Uhr
eine lana verklagt man einfach nicht!

nörtz

Postings: 4844

Registriert seit 13.06.2013

2018-01-07 23:17:37 Uhr
Der jammert ja. Wenn Radiohead rechtlich Recht haben, dann ist es in Ordnung.
joker
2018-01-07 23:15:41 Uhr
der engültige beweis, dass radiohead geildgeile arschlöcher sind.
geht auch schon los:

https://twitter.com/major7flat5
Vertretung
2018-01-07 23:12:00 Uhr
Entschuldigung, ich muss das kurz aufklären:
Achim ist nicht nur frauenfeindlich (siehe seine Schadenfreude), sondern auch auch ahnunglos. Darüber hinaus liest er die von ihm verlinkten Artikel nicht richtig und hat den betreffenden Song von Lana Del Rey natürlich nicht gehört.

MopedTobias

Postings: 10523

Registriert seit 10.09.2013

2018-01-07 22:48:05 Uhr
Eben und genau deshalb finde ich es eher dreist von RH, sich noch nicht mal mit den angebotenen 40% zufrieden zu geben, obwohl sie den Song selbst abgekupfert haben. Naja was soll's, sonderlich sympatisch waren sie mir bei aller Genialität eh noch nie.
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