The Telescopes - As light return

The Telescopes- As light return

Tapete / Indigo
VÖ: 07.07.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Qualmen und malmen

Der Shoegazer an sich hat es nicht eilig. Andernfalls würde das Ganze womöglich in Stress ausarten, zumal es nicht ganz ungefährlich wäre, beim Laufen nur auf seine Treter zu starren. Eingangs erwähnte Erkenntnis lässt sich allerdings auch ohne weiteres auf den Veröffentlichungsrhythmus namhafter Bands des Genres anwenden. My Bloody Valentine, The Jesus And Mary Chain, Slowdive – im Schnitt 20 Jahre sind ein Album. So gesehen muss man The Telescopes für die Tatsache, dass mit "As light return" bereits ihr siebter Longplayer seit 2002 erscheint, beinahe schon gratulieren. Und auch "Hidden fields" verdiente zuletzt ein langsames, aber stetiges Schulterklopfen dank im Zeitraffer schwelenden Songs, wiewohl es lediglich fünf waren. Ob es diesmal etwas mehr sein darf? Aber nicht doch. Und das ist nicht das Einzige, das beim Alten bleibt.

Denn als Backing-Band fungieren erneut die Schotten St Deluxe, während Stephen Lawrie die Regler allmählich nach links schiebt und die Distortion hochfährt, sodass "You can't reach what you hunger" nach Kreischsägen-Ouvertüre in dickflüssigem Gemalme versinkt. Augenblicklich ist der Albumtitel graue Theorie: Nach diesem Opener erscheint es ausgeschlossen, dass das Licht jemals wiederkehren wird. Und bitte nicht an der kleinen grammatikalischen Unebenheit aufhängen – bei dem dicken Qualm im Studio kann man solche Details schon mal übersehen. Glasklar ist jedoch, dass selbst die Reid-Brüder den bleiern-ausdruckslosen Gesang nicht besser hinbekommen hätten und sich auch The Velvet Undergrounds Moe Tucker noch eine Scheibe vom monotonen Drumming abschneiden könnte. Und mal ehrlich: Gibt es etwas Langweiligeres als Abwechslung?

Für Lawrie und seine Mitstreiter offenbar kaum, und so müssen es vom Einstieg abgesehen schon mindestens sieben Minuten pro Stück sein, damit sich der vermutlich intendierte Hypnose-Effekt einstellt. Da ist selbst eine körperlose Akustikgitarre kaum in der Lage, dem brutzelnden Feedback-Brocken "Down on me" so etwas wie einen Songcharakter zu verleihen und bleiben die Outros oft wie erstarrte Lärmsäulen im Raum stehen. Grobkörnige Geräuschwelten, zu denen man feststellen muss: Klang The Magnetic Fields' "Distortion" laut Plattentests.de-Forum wie The Jesus And Mary Chain in Zuckerwatte gewickelt, so versenken The Telescopes die Kollegen in einem Bottich voll blubberndem Spannbeton, der Spuren von Harmonie und gar Melodie enthalten kann. Aber nicht zu viel davon – sonst wird es am Ende noch hell.

Apropos: Ein dickes Ende im doppelten Sinne hat "As light return" natürlich auch zu bieten. "Handful of ashes" erweist sich nämlich nicht nur hinsichtlich einer schlappen Viertelstunde Spielzeit als massiv, sondern verströmt mit wühlenden Drones ein derart unheilvolles Rauschen, als stünden Fuck Buttons mit ihrem Debüt "Street horrrsing" im Anschlag schon vor der Tür. Das fast gleichnamige "Hand full of ashes" hingegen hat rein gar nichts mit dieser atonalen Soundwalze zu tun und legt stattdessen noch eine Schippe verzerrte Rockmusik drauf, bis das rau explodierende "Something in my brain" die Schädeldecke komplett wegfräst und für das tosende Finale mit Reißzwecken füllt. Und besser könnten The Telescopes dieses mächtige Album gar nicht beschließen. Aber Shoegaze? Dafür müsste man erst einmal die Hand vor Augen erkennen können.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • You can't reach what you hunger
  • Handful of ashes

Tracklist

  1. You can't reach what you hunger
  2. Down on me
  3. Hand full of ashes
  4. Something in my brain
  5. Handful of ashes

Gesamtspielzeit: 40:52 min.

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Armin

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2017-07-19 21:49:02 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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