Abram Shook - Love at low speed

Abram Shook- Love at low speed

Western Vinyl / Cargo
VÖ: 16.06.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Morning phase

Es hat sich im ganzen vergangenen Jahrzehnt schon angedeutet, aber mittlerweile sind wir mittendrin angekommen: im Zeitalter der neuen Cheesyness. Waren schmieriges Saxofon und glossy Achtziger-MOR-Politur lange Zeit ein absolutes No-Go, feiert die Gemeinde seit einigen Jahren Bands wie The War On Drugs oder Haim. Die fischen ganz ungeniert so tief in diesen Gewässern, es wäre innerhalb der Gegenreaktions-Bewegung des Alternative Rock der Neunziger kaum denkbar gewesen. Hier sind wir aber nun mit Abram Shook, einem aus Austin, Texas stammenden Musiker und Feingeist, der eine ähnliche Richtung einschlägt. Sein drittes Album "Love at low speed" beschwört den Soft-Rock-Geist herauf und wälzt sich in den sonntagmorgendlichen Bettdecken, stets mit der durchs Fenster blinzelnden Sonne im Gesicht. Ähnlich wie Becks "Morning phase", nur mit etwas mehr Quirligkeit. Es spricht Bände, dass für die Melodie des mit Stakkato-Synthie-Tupfern durchsetzten Geniestreichs "Lies" offenbar "I love your smile" von Shanice Pate stand. Nur das "Dödödödö-döödödö" fehlt. Macht nichts, dafür tickt am Ende eine quietschende Gitarre komplett aus.

Es gibt sie, jene kleinen Ausbrüche, die sich "Love at low speed" immer wieder leistet, damit nicht der Eindruck entsteht, Shook würde sich zu sehr ins Laken zurückziehen. "Device" täuscht zu Beginn noch genügend Sommerlichkeit an, um ganz unbemerkt in einen Noise-Strudel eingesaugt zu werden. Auch "Red lines" folgt einem – allerdings weitaus subtiler gehaltenen – Spannungsbogen, bei dem man am Ende gar nicht mehr weiß, dass das Ding mal bei einer hübsch verstimmten Vintage-Gitarre gestartet war. "Come on, get back in bed a little while / The world outside is cold and I'm feeling pressured", singt Shook in "Divinity" und gibt damit auch recht treffend die Stimmungslage der Platte wieder. Wenn er im selben Song am Ende fragt: "Are you feeling the pressure?", kann man nur zurückgeben: kein Stück. Interessant wäre es, zu wissen, wie der gleichzeitig geschriebene, aber bisher noch nicht aufgenommene düstere Zwilling "Love in the age of excess" im Kontrast zu "Love at low speed" klingen würde.

Zum entspannten und entspannenden Sound passt Shooks Stimme, die irgendwo zwischen der Psychedelik Kevin Parkers von Tame Impala und der Fragilität von Peter Silberman (The Antlers) liegt. Traut man dem bärtigen Kauz auf den ersten Blick gar nicht zu. Gut möglich auch, dass sich Abram Shook einige Songwriting-Kniffe von Jonathan Meiburg abgeschaut hat, bei dessen Band Shearwater er auf Tour als Mitglied fungierte. "Love at low speed" ist vor allem jedoch Zeugnis davon, dass er seinen eigenen Stil gefundet hat und auf den Weg zur Perfektion bringt. Wie sonst könnte er ein so famoses Pop-Stück wie den Opener "The hours" schreiben? Mit einer Melodie, die selbst Fleet Foxes erst mal einfallen müsste und einem wunderbar warmherzigen Sound. Hach. So kann der Tag doch beginnen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • The hours
  • Lies
  • Red lines

Tracklist

  1. The hours
  2. Eventually
  3. Lies
  4. Divinity
  5. Red lines
  6. Machinery
  7. No return
  8. Device
  9. Lisbon
  10. Quiet side

Gesamtspielzeit: 41:27 min.

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Armin

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2017-07-12 21:06:28 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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