Kronos Quartet - Folk songs

Kronos Quartet- Folk songs

Nonesuch / Warner
VÖ: 09.06.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wachsen aus den Wurzeln

Amon Tobin und Tom Waits, Clint Mansell und Mogwai – seit über vierzig Jahren gibt es Kronos Quartet, seit über vierzig Jahren überraschte die US-Gruppe mit Zusammenarbeiten in allen Genres und Spielrichtungen der Musik. Dabei hat sich der Zusammenschluss von Musikern innerhalb der Gruppe über die Zeit bereits mehrmals gewandelt, in seiner Formation wie in seinem Sound. In die fast unzählige Liste von Veröffentlichungen von Kronos Quartet reiht sich nun "Folk songs" ein, das genau das bringt, was der Name verspricht. Alleine die Länge von etwas mehr als einer halben Stunde passt wunderbar genau zu den nackten Zahlen eines Albums dieses Genres. Dazu gibt es die passenden Namen als Features, denn Kronos Quartet hat sich munter beim Künstlersortiment von Nonesuch Records bedient. Auf der Liste stehen nun neun klassische Folk-Songs untermalt von Streichern.

Auf große Experimente im Sound hat das Kronos Quartet verzichtet. Durch die Streicher entsteht in einem eher karg instrumentierten Genre wie dem Folk eben schnell eine gewisse Epik, die etwa in "The butcher’s boy" besonders hervorkommt. Der schwere Symbolismus des Textes bekommt aber seine Bedeutung nicht nur durch Gitarre und Geige, sondern auch durch die Stimme von Natalie Merchant. Mit melancholischen Worten erzählt sie die Geschichte einer Liebhaberin, die sich selbst umbrachte. Während Merchant als Erzählerin stets die Fassung wahrt, sind es die Instrumente, die in Trauer und Angst versinken.

Noch ein ganzes Stück näher an den Folk der Sechziger und Siebziger rückt "Rambling boys of pleasure" mit Olivia Chaney, die näher an Vashti Bunyan kommt als alle Vertreter des Freak Folk in den letzten Jahrzehnten. Die Streicher ziehen ihre Melodien in die Länge, erst zum Ende des Songs rücken sie näher zusammen. Aus "I see a sign" hat Kronos Quartet mit Sam Amidon ebenfalls ein wunderbares Stück gemacht, in dem die Gitarre im Vordergrund steht, während dazu Violine und Cello langsam und immer wieder absacken. Durch diese Varianten passiert es nie, dass "Folk songs" nicht wie ein dichtes Album daherkommt.

Die Atmosphäre bleibt stets gleich, jedoch gibt es keine Anleihen von Nostalgie. Wachsen aus den Wurzeln des Genres, klar, aber keine Verklärung, kein bloßes Nachspielen. Es sind alte Geschichten, alte Songs, die Kronos Quartet mit unterschiedlichen Stimmen und Stimmungen in dieses Jahrhundert holt. Diese Erzählungen braucht es immer noch. Genau in dieser Form. Nur der Wind kann sie hinfort tragen. Bis dahin halten Kronos Quartet und ihre Gäste sie fest. Für hoffentlich nicht nur die nächsten vierzig Jahre.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Oh where (feat. Sam Amidon)
  • The butcher's boy (feat. Natalie Merchant)
  • I see the sign (feat. Sam Amidon)

Tracklist

  1. Oh where (feat. Sam Amidon)
  2. Rambling boys of pleasure (feat. Olivia Chaney)
  3. The butcher's boy (feat. Natalie Merchant)
  4. Factory girl (feat. Rhiannon Giddens)
  5. Last kind words
  6. I see the sign (feat. Sam Amidon)
  7. Montaigne, que tu es haute (feat. Olivia Chaney)
  8. Johnny has gone for a soldier (feat. Natalie Merchant)
  9. Lullaby (feat. Rhiannon Giddens)

Gesamtspielzeit: 39:12 min.

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Armin

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2017-07-12 21:04:37 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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