King Gizzard & The Lizard Wizard - Murder of the universe

King Gizzard & The Lizard Wizard- Murder of the universe

Heavenly / [PIAS] Cooperative / Rough Trade
VÖ: 23.06.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

König der Irren

Götterfunken, Roboter, ein Steampunk-Zug, der auf Laser-Gleisen durch die Galaxis reist. Soviel zu den Gedanken, die einem in den ersten Sekunden durch den Kopf sausen und nur einen Bruchteil dessen widerspiegeln, was hier an Dopamin-Ausstoß freigesetzt wird. Es handelt sich allerdings nicht um die Nachwirkungen der legendären Pilzrahmsuppe, mit der uns der Plattentests.de-Chef jedes Mal vertröstet, wenn wir wieder auf unseren Lohn warten, sondern um das neue Konzept-Album "Murder of the universe" der australischen Psychedelic-Rocker von King Gizzard & The Lizard Wizard.

Es kann dieses Jahr kaum noch wahnsinniger werden, als dieses großartig kaputte Werk, das zu hören ein unfassbarer Spaß ist und dessen Rezension der Vorhof der alternativen Welt sein dürfte, die auf "Murder of the universe" besungen wird. Das Album in die Hand zu drücken und "Ach, hör' es Dir einfach selber an!" zu sagen, wäre ein Traum – aber einer muss ja von der Verrücktheit berichten. 21 Songs, drei Kapitel. Es geht um einen Kampf gegen einen Balrog und einen Cyborg, der das Weltall mit seinem Erbrochenen zerstören möchte. Noch Fragen?

Ja. Man möchte doch gerne wissen, wie es eigentlich um die mentale Gesundheit des Sängers Stu Mackenzie steht, der ähnlich gestrickte Platten schon seit Jahren veröffentlicht und anscheinend einen nicht enden wollenden Gedankenfluss hat – für dieses Jahr sind noch vier weitere Alben angekündigt. Schon aus dem ersten Kapitel "Altered beast" könnte man ein mehrbändiges Werk machen, dem Fantasy-Leser aus aller Welt bestimmt zu Füßen lägen. Würde man nur die gesprochenen Einleitungen zu den Kapiteln nehmen, hätte man ein schräges Hörspiel. So kann man sich den Konjunktiv aber sparen und bekommt: alles.

Die Stoner-Riffs und der verzerrte Mundharmonika-Sound im ersten Drittel, vor allem in den "Altered beast"-Tracks, folgt dem Seventies-Prog bzw. Psychedelica der Marke Can oder der frühen Genesis und steigert sich in fast art-rockige Gefilde hinein. Das Finale mit dem außer Kontrolle geratenen Cyborg zählt zu den stringentesten Momenten, weil trotz exotischer Kehlkopf-Laute im Intro all die Überforderung zurückgefahren wird und nur noch eine Roboter-Stimme durch das Psychedelic-Universum führt. Wie dehnbar doch die Definition von "Normalität" im Verlauf des Albums geworden ist. "Murder of the universe" verlangt eine gewisse Offenheit für das Groteske, Manische und Größenwahnsinnige. Wer also keine Lust auf konforme Unterhaltung verspürt, sollte sich King Gizzard & The Lizard Wizard, dem bestimmt freakigsten Monarchen seit Richard III, unterwerfen und ihm seine Synapsen opfern.

(Rinko Heidrich)

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Highlights

  • Altered beast
  • The Balrog
  • Han-Tyumi
  • The confused cyborg

Tracklist

  1. A new world
  2. Altered beast I
  3. Alter me I
  4. Altered beast II
  5. Alter me II
  6. Altered beast III
  7. Alter me III
  8. Altered beast IV
  9. Life / Death
  10. Some context
  11. The reticent raconteur
  12. The lord of lightning
  13. The Balrog
  14. The floating fire
  15. The acrid corpse
  16. Welcome to an altered future
  17. Digital black
  18. Han-Tyumi
  19. The confused cyborg
  20. Soy-protein
  21. Munt machine
  22. Vomit coffin
  23. Murder of the universe

Gesamtspielzeit: 46:38 min.

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User Beitrag

saihttam

Postings: 902

Registriert seit 15.06.2013

2017-08-03 12:15:39 Uhr
Habs gestern auch endlich mal gehört und mich stören die Spoken-Word-Passagen auch nicht wirklich. Fands eigentlich sogar ganz cool, da man es in der Form eher selten zu hören bekommt und es dem Album seinen ganz eigenen Flow verleiht. Die Songs waren aber auf anderen Alben schon besser, aber ich vermute, darum geht es hierbei auch nicht wirklich.

The MACHINA of God

Postings: 8445

Registriert seit 07.06.2013

2017-08-03 12:10:26 Uhr
Beim ersten Durchgang vollkommen überfordert gewesen. Gestern auf nem gutgelaunten Spaziergang mal reingeworfen und recht begeistert. Wie die so geil veretrackt durchhacken. Die SpokenWord-Sachen gefallen wir aufgrund der Stimme recht gut... außerdem ist geil, wenn es danach dann wieder losmetert. "Nonagon infinity" wird zwar erwähnt, aber nicht ganz erreicht. :)

MasterOfDisaster69

Postings: 259

Registriert seit 19.05.2014

2017-07-21 17:17:21 Uhr
korrekt.
Ich weiss jetzt nicht mehr so genau bei welchem Stück, aber irgendwie kam das teilweise so rüber wie bei diesen Kommentar-Ton-Spuren von Regisseur und Haupt-Akteuren, die man auf DVDs ansteuern kann. Da ist das aber optional und man genießt den Film zumeist doch eher ohne Kommentar-Spur…

MopedTobias

Postings: 8202

Registriert seit 10.09.2013

2017-07-21 15:48:23 Uhr
Der Sound ist ja ganz geil, aber diese Spoken Word-Passagen sind echt so unfassbar nervig^^ Kann sein, dass man sich dran gewöhnt, aber mehr als zwei Durchgänge schaff ich nicht.

MasterOfDisaster69

Postings: 259

Registriert seit 19.05.2014

2017-07-13 14:44:50 Uhr
@mememe: Wie viele Durchläufe waren notwendig? habe leider nie genug Zeit, nach einem ersten Hördurchgang noch öfters reinzuhoeren, wenn es nicht gerade ein super Album ist.
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