Portugal.The Man - Woodstock

Portugal.The Man- Woodstock

Atlantic / Warner
VÖ: 16.06.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die ham doch 'nen Schatten

"In einer guten Welt wäre 'Feel it still' der Sommerhit", unkte das Plattentests.de-Forum bereits im April 2017, und promt schickte der Frühsommer sich an, mal so richtig in die Puschen zu kommen. Hätte man dies von der Kapelle Portugal. The Man in früheren Tagen eingefordert, es wäre die reinste Blasphemie gewesen. In der Langstrecken-Disziplin "Jedes Jahr eine neue Platte raushauen" machte den Jungs sicher niemand etwas vor: auf acht Alben in acht Jahren brachten es die Workaholics aus Alaska einst, und dabei pflanzten die Ausnahmetalente kaum mal einen schwachen Song in ihre musikalische Laufbahn. Auch wenn man den Sound des Meilensteins "Waiter: 'You vultures!'" sicherlich nur schwerlich mit den heutigen Portugal. The Man vergleichen kann, leuchtet die letzte, wahrlich maejstätisch-melodieselige Platte "Evil friends" mit ihrem Langzeitsog vielleicht sogar als hellster Stern der Diskografie.

Vier Jahre ist das schon her. Was diese Band in 48 Monaten wohl so alles aushecken würde? Etwa so lange werkelten die einstigen Schnellschützen also an ihrem neunten Album "Woodstock", warfen zwischenzeitlich sogar sämtliche neuen Stücke über den Haufen. Selbst Danger Mouse, an den Reglern bei "Evil friends", produzierte nur zum Teil. Eine Auflistung aller an Songwriting und in der Produktion beteiligten Personen würde diesen Text ohnehin sprengen – wer mag, klicke gerne hier. Die Erwartungen jedenfalls konnten höher kaum sein – nicht nur wegen des wunderbaren Vorab-Schmankerls "Feel it still", das sich problemlos auf dem ebenso melodieverliebten Vorgänger eingereiht hätte, und lyrisch politische Aufbruchstimmung sät: "We could fight a war for peace / Give in to that easy living", konterkarieren Portugal. The Man den sommerlichen Flair mit absoluter Ernsthaftigkeit.

"Noise pollution" war ebenfalls vorab bekannt, pflanzt seinen herrlich klebrigen Pop-Refrain zwischen Spoken-Word-Passagen, HipHop- und Synthie-Beats, überrundet sich selbst – und glänzt spätestens nach dem dritten Durchgang. Soweit, so gut. Und doch so unklar, wo "Woodstock" hinmöchte. Denn Portugal The Man, diese Schelme, verwirren den Hörer in der Folge gleich mehrmals. Vokalist John Gourley und Gefolgschaft wagen Experimente – was eine nüchterne Einordnung der Marke "So oder so klingt dieses Album" erheblich erschwert: Der Auftakt "Number one" führt bereits mächtig in die Irre, hier suggerieren leicht düstere Synthie-Flächen und der schleppende HipHop-Beat ein Abtauchen in atmosphärische Gefilde. Doch just im Anschluss poltert der durchgeknallte "Easy tiger" um die Ecke, schwingt den Baseball-Schläger, und kloppt mit einer mächtigen Portion Autotune auf Gourleys Stimme jegliche Stimmung in Stücke. Puh. Dieses zügellose Hin und Her hinterlässt Fragezeichen. Ähnlich wie die leicht hirnverbrannte Entscheidung, das überdrehte "Noise pollution" an den Schluss des Albums zu packen.

Doch "Woodstock" ist beileibe keine Enttäuschung, hat verdammt nochmal großartige Momente. Wie etwa Fat Lips Rap-Beitrag zum groovigen "Mr. lonely". Und großartige Songs sowieso. Wie die zweite Single "Rich kids", die materielle Überfrachtung der Wohlstandsgesellschaft und einhergehendes politisches Desinteresse anficht, und bei der die Amerikaner ihrem Ruf als Refrain-Monster wieder einmal alle Ehre machen. Oder den kommenden Kopfnicker-Hit "Tidal wave", der in ähnlich blumiger Pracht erscheint wie das sommerlich-relaxte "So young". Unter dem Strich allerdings ist "Woodstock" dann mehr ein überschäumendes (Hip-)Pop-Sammelsurium denn ein wirklich homogenes Album. Was einer so großartigen Band wie Portugal. The Man aber höchstens einen minimalen Schatten aufs grinsende Haupt wirft.

(Eric Meyer)

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Highlights

  • Number one (feat. Richie Havens & Son Little)
  • Feel it still
  • Rich friends
  • Tidal wave

Tracklist

  1. Number one (feat. Richie Havens & Son Little)
  2. Easy tiger
  3. Live in the moment
  4. Feel it still
  5. Rich friends
  6. Keep on
  7. So young
  8. Mr. lonely (feat. Fat Lip)
  9. Tidal wave
  10. Noise pollution (feat. Mary Elizabeth Winstead & Zoe Manville)

Gesamtspielzeit: 38:42 min.

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Postings: 50

Registriert seit 25.09.2014

2017-09-22 09:57:54 Uhr
Heute Abend Berlin - ich bin gespannt!

Gomes21

Postings: 1508

Registriert seit 20.06.2013

2017-09-19 20:47:00 Uhr
Live haben sie nie enttäuscht, aber das Album bleibt leider eher ein Reinfall
Isco
2017-09-19 18:54:53 Uhr
Machen leider mittlerweile nur noch Musik für seifenblasende Blumenmädchen.

Jaggy Snake

Postings: 142

Registriert seit 14.06.2013

2017-09-19 18:02:01 Uhr
Live sind die eh uneingeschränkt zu empfehlen.
icco
2017-09-19 15:28:41 Uhr
Wow, live durchaus positiv überrascht...
Metallica Cover als Opener, und dann mehr oder minder durchgehendes Psychadellic Rock Feuerwerk bis zum Schluss.
Interessanterweise nur vier Songs vom neuen Album (feel it still mit ordentlich Power, so young, live in the moment und number one als encore). 7 von evil friends, 4 iin the mountain, plus Oasis cover

Kann ich empfehlen, falls man die noch zu sehen bekommt. Leider ist das Publikum doch sehr vom Erfolg "beeinflusst"
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