Big Boi - Boomiverse

Big Boi- Boomiverse

Epic / Sony
VÖ: 16.06.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 1/10

Schlaf bei Deinen Leisten

Die Zeiten, in denen ein Soloalbum von Big Boi eine große Sache war, sind offenbar längst vorbei. "Sir Lucious Left Foot: The son of Chico Dusty" war damals noch die Antwort auf die aufregende Frage, was Antwan Patton nach dem Ende von Outkast anstellen würde. Vielleicht sorgte dann der enttäuschende Nachfolger "Vicious lies and dangerous rumors", der mit Features von Little Dragon oder Phantogram einäugig Richtung Indie-Welt schielte, für abklingendes Interesse. Konsequenterweise ist die ganz unspektakulär veröffentlichte dritte LP "Boomiverse" ein klarer Schritt zurück. Das bedeutet auch, dass die Platte ein Potpourri auf Big Bois heimischem Terrain ist, ein Discopop-Stück neben Southern Trap steht und sich um Kohärenz keiner Sorgen macht. Gott und die Welt (exklusive André 3000) ist selbstverständlich mit an Bord. Eins ist ebenfalls klar: Big Boi könnte natürlich noch im Schlaf ein ordentliches Album aufnehmen. Angesichts der allgegenwärtigen Entspanntheit und des fehlenden Erwartungsdrucks möchte man glatt behaupten, ein wenig habe er das auch getan.

Das würde "Boomiverse" aber wiederum nicht gerecht. Denn trotz des fehlenden roten Fadens und der immensen Gästeliste vereint die zwölf Stücke der Spaß an der Sache. Allein die drei Tracks am Start des Albums stecken das Terrain weiträumig und markant ab. "Da next day" eröffnet bombastisch mit Orchester, Patton hält mit markanten Zeilen dagegen. "Everything quotable, bitch remember this" – um an dieser Stelle die Meta-Ebene zu bemühen. "Kill Jill" baut sich den schleppenden Beat um ein Hatsune-Miku-Sample, das Ergebnis knallt ordentlich, auch dank der Mitstreiter. Killer Mike tritt zum ersten, aber bei weitem nicht zum letzten Mal auf "Boomiverse" ans Mikro, es wäre allerdings wünschenswert gewesen, dass Big Boi die Bill-Cosby-Zeile einfach gestrichen hätte. Außerdem mag man von Adam Levine halten, was man will, aber als Feature-Gast ist er meistens deutlich besser platziert als bei seiner Hauptband Maroon 5. So fegt "Mic Jack" zwar käsig, aber unglaublich eingängig im gut sitzenden Anzug über die Tanzfläche.

Von hier an bewegt sich "Boomiverse" zum Großteil innerhalb dieser Parameter, wobei jeweils die Gäste ein Wort bei der Soundgestaltung mitreden. Das Snoop-Dogg-Feature "Get wit it" ist ein verpeilter, verkiffter Schleicher, während Sleepy Brown "Freakanomics" ein wenig Crazyness injiziert und "All night" leider ebenso nervig ist wie die bisherigen Songs von LunchMoney Lewis. Immerhin steht mit "Follow deez" ein entschlossen marschierender, düsterer Track am Ende, der möglicherweise in eine neue Richtung weist. Denn auf "Boomiverse" will sich Big Boi jedenfalls auf gar nichts festlegen. Er genießt den Status als eine Größe im Rap, schart ein paar Freunde um sich und überlässt das Schaffen von imposanten Statements lieber anderen. Dass selbst aus dieser Haltung noch ein gutes Album entspringt, zeugt von Genie. Im halben Autopilot noch besser zu sein als andere in Höchstform – das schaffen nicht viele.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Da next day (feat. Big Rube)
  • Kill Jill (feat. Killer Mike & Jeezy)
  • Mic Jack (feat. Adam Levine, Scar & Sleepy Brown)
  • Follow deez (feat. Curren$y & Killer Mike)

Tracklist

  1. Da next day (feat. Big Rube)
  2. Kill Jill (feat. Killer Mike & Jeezy)
  3. Mic Jack (feat. Adam Levine, Scar & Sleepy Brown)
  4. In the south (feat. Gucci Mane & Pimp C)
  5. Order of operations
  6. All night (feat. LunchMoney Lewis)
  7. Get wit it (feat. Snoop Dogg)
  8. Overthunk (feat. Eric Bellinger)
  9. Chocolate (feat. Troze)
  10. Made man (feat. Killer Mike & Kurupt)
  11. Freakanomics (feat. Sleepy Brown)
  12. Follow deez (feat. Curren$y & Killer Mike)

Gesamtspielzeit: 45:30 min.

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Armin

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2017-06-28 22:09:03 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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