Jeff Tweedy - Together at last

Jeff Tweedy- Together at last

Anti / Indigo
VÖ: 23.06.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Unter einem Hut

Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass Wilco in aller erster Linie das Baby von Jeff Tweedy ist. Er schreibt die Texte, singt die Songs, gibt die grobe musikalische Richtung vor und ist auch ansonsten der Kapitän an Bord dieses stolzen Folkrock-Dampfers. Für sein neues Projekt verlässt er jedoch seine angestammte Besatzung und agiert solo: Lediglich mit Akustikgitarre im Gepäck vertont er in intimer Atmosphäre einige gut gealterte Wilco-Klassiker neu, ohne Firlefanz und Extras, dafür aber mit besonders viel Gefühl in der Stimme. Einige Stücke gewinnen in dieser Umgebung noch einmal an Intensität, andere verlieren ihre nervöse Aufgeregtheit und finden im Akustikgewand eine ungeahnte innere Ruhe. Ach ja: Auch Songs seiner liebgewonnenen Nebenprojekte Loose Fur und Golden Smog wurden für "Together at last" neu eingespielt.

Den melancholischen Einstieg in diese Retrospektive macht Tweedy mit "Via Chicago", einer ruhigen, herbstlichen Nummer, die für viele seiner Anhänger und Begleiter das Herzstück auf dem dritten Wilco-Album "Summerteeth" darstellt. Das passt, denn schließlich war es jene Platte, mit der Wilco erstmals Publikum und Kritiker gleichermaßen begeistern konnten. Die beiden Vorgänger "A.M." und "Being there" segelten teilweise noch unter dem Radar und fanden eher in der Folk-Nische statt. Obwohl das folgende "Laminated cat" eigentlich ein alter Loose-Fur-Track ist, fügt er sich nahtlos in die Sammlung ein: Die Gitarre schlingert gedankenversunken wie in einer Nick-Drake-Komposition und Tweedys Stimme könnte einem etwas vom Pferd vorsingen, sie wäre immer noch eine der schönsten und markantesten in der Branche.

"Muzzle of bees" lässt indes auch in der nackerten Akustik-Version aufhorchen, selbst wenn die Unterschiede zum Original geringfügig sind. Tweedy bleibt in diesen elf Songs immer Herr der Lage und kriegt sie, bei aller Differenziertheit der Ursprungsversionen, immer locker unter einen Hut. So bleibt der Albumfluss aufrecht und "Together at last" wirkt wie aus einem Guss, obwohl in Wirklichkeit oftmals viele Jahre zwischen den Kompositionen liegen. Selbst die offensichtlichen Quasi-Hits wie "Ashes of American flags" oder "I'm trying to break your heart" funktionieren im neuen Gewand, können auch als introvertierte Lagerfeuer-Songs ihre Grandezza entfalten.

In ähnlicher Art und Weise interpretiert Tweedy auch "Dawned on me" von der vertrackten 2011er-LP "The whole love", für den der Wilco-Chef dann auch mal fröhlich zu trillern beginnt. Interessant dabei: Dieser Song ist der jüngste, der es auf "Together at last" geschafft hat, die beiden letzten Wilco-Platten "Star wars" und "Schmilco" wurden genauso ausgespart wie "Sukierae", das gemeinsame Album mit seinem Sohn Spencer. Der Fokus hier liegt also deutlich auf dem erfolgreichen Album-Tripel "Summerteeth", "Yankee hotel foxtrot" und "A ghost is born", was wohl auch viele Fans begrüßen dürften. Doch Freunde anderer Wilco-Phasen müssen nun nicht gleich verzagen: "Together at last" markiert erst den Auftakt einer Reihe von Akustik-Sessions, in denen Tweedy seinen Backkatalog einmal auf links dreht. Lassen wir uns überraschen.

(Kevin Holtmann)

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Highlights

  • Laminated cat
  • Ashes of American flags
  • I'm trying to break your heart

Tracklist

  1. Via Chicago
  2. Laminated cat
  3. Lost love
  4. Muzzle of bees
  5. Ashes of American flags
  6. Dawned on me
  7. In a future age
  8. I'm trying to break your heart
  9. Hummingbird
  10. I'm always in love
  11. Sky blue sky

Gesamtspielzeit: 38:30 min.

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User Beitrag

humbert humbert

Postings: 1505

Registriert seit 13.06.2013

2017-06-24 02:34:08 Uhr
Klingt mir alles zu relaxt. Gibt mir kaum was. Da höre ich lieber die Ursprungsversionen.

Armin

Postings: 8999

Registriert seit 08.01.2012

2017-06-14 23:07:50 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?
Alesealia
2017-04-18 18:19:11 Uhr
Der Musketier des Folk, toll!

Armin

Postings: 8999

Registriert seit 08.01.2012

2017-04-18 18:17:08 Uhr - Newsbeitrag
JEFF TWEEDY - dBpm Records/ANTI- to release Together At Last, new solo album on June 23

First album of its kind for Wilco leader features intimate recordings of songs by Wilco, Loose Fur and Golden Smog


Songwriter Jeff Tweedy will release Together At Last, a new solo acoustic collection, June 23 on dBpm Records. Recorded at Tweedy’s Chicago studio The Loft, the album features intimate renditions of 11 Tweedy songs previously released by Wilco and by Tweedy’s occasional side projects Loose Fur and Golden Smog. It is the first in a proposed series of releases –Loft Acoustic Sessions– where Tweedy revisits his vast catalog of work, which spans three decades and more than 20 albums.

Together at Last is available now for preorder from the Wilco store with an instant download of “Laminated Cat,” a song that originally appeared on the 2003 self-titled debut album by Loose Fur, Tweedy’s project with Wilco drummer Glenn Kotche and musician Jim O’Rourke. Other songs on Together At Last include new versions of Wilco classics like “Via Chicago” and “I Am Trying To Break Your Heart” as well as less familiar tunes like “In A Future Age” from Wilco’s 1999 album Summerteeth.

Together at Last was produced by Jeff Tweedy and Tom Schick, and mastered by Bob Ludwig at Gateway Mastering in Portland, ME. Release day for the album coincides with the opening of Wilco’s fifth Solid Sound Festival, the band’s three-day festival of music, comedy and art at MASS MoCA in North Adams, MA. Three-day passes and single day tickets are available now via solidsoundfestival.com.

Together At Last Track List
1. Via Chicago
2. Laminated Cat
3. Lost Love
4. Muzzle of Bees
5. Ashes of American Flags
6. Dawned On Me
7. In A Future Age
8. I’m Trying To Break Your Heart
9. Hummingbird
10. I’m Always In Love
11. Sky Blue Sky


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