(hed) P.E. - Blackout

(hed) P.E.- Blackout

Jive / Zomba
VÖ: 17.03.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Krabbelgruppenkasper

Zum Ersten, zum Zweiten, Zum Dritten. Ob es vielleicht jetzt mit dem Durchstarten klappt? Mal gucken, denn wie auch Wirtschaft und Weltfrieden leiden derzeit neumetallische Krabbelgruppen zunehmend unter dem allgemeinem Niedergang. Und wenn die sechsköpfige Band mit dem komplizierten Namen auch nach Erscheinen des vorliegenden "Blackout" nicht mehr erreichen sollte, den bescheidenen Status als Insidertipp zu verteidigen, wäre das zwar einerseits nicht wirklich verwunderlich, aber andererseits auch irgendwie ungerecht.

Der Umstand nämlich, daß Limp Bizkit, Linkin Park, Papa Roach und P.O.D. zumindest in kommerzieller Hinsicht in der Champions-League spielen und (hed) P.E. eher ein Schattendasein fristet, hat wohl eher zufällige als qualitative Ursachen. Denn den professionellen Spielbetrieb hatte der Haufen aus Orange County schon aufgenommen als die Kekse in Florida gerade noch gebacken wurden. War der Rasta-Riese, Gesichtsmetallsammler und Frontkasper Jahred nicht so knuddelig wie Rotkäppchen Fred? War die Band zur richtigen Zeit an den falschen Orten? Möglich. Denn wenn schon der Sound zwar auf der richtigen Schiene fuhr, ging doch die Fahrtroute vielleicht ein wenig zu sehr kreuz und quer. Im Vergleich zu allen genannten Kombos gehen (hed) P.E. nämlich auch heute immer noch eine Spur freakiger zu Werke. Hier und da ist man sogar versucht, mal wieder das Etikett Crossover wiederaufleben zu lassen, da HipHop und Funk als Zutaten im selbst als "G-Punk" betitelten Gemenge durchaus identifizierbar hervorlugen.

Aber am Höchsten anzurechnen ist vor allem eins: (hed) P.E. machen Spaß - zumindest sofern man nicht genetisch bedingt auf den Crossover-/New-Metal-Sound allergisch ist. Zwar wird natürlich auch hier textlich beizeiten in die abgegriffene Schublade mit den "Ich bin so allein, die Welt ist so gemein"-Plattheiten gegriffen; dies aber weder zu oft, noch derart mit dem Holzhammer wie zuletzt Crazy Town auf dem mißratenen "Darkhorse". Songs wie der Opener "Suck it up" oder "Crazy" gehen einfach nur locker-flockig und unbeschwert lospolternd nach vorne. Die Single "Blackout" ist dann vergleichsweise gemäßigt, aber nicht zwingend schlechter. Gute Songs von routinierten Rockern, die wissen wie der Hase hoppelt.

Originell ist das natürlich längst nicht mehr allzu sehr, aber irgendwie schon fast wieder erfrischend "old school". Das größte Manko des "Blackout" ist den dann auch ein anderer Aspekt: Die Highlights finden sich allesamt in der ersten Hälfte des Albums, gegen Ende hin wird's dann ein wenig dunkler. Und zwar nicht nur atmosphärisch. Songs wie "Flesh & bone" oder "Fallen" sind dann wirklich nur noch grenzlangweiliger Durchschnitt. Weniger wäre auch hier mal wieder mehr gewesen.

(Peter Schiffmann)

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Highlights

  • Suck it up
  • Crazy
  • Blackout

Tracklist

  1. Suck it up
  2. Bury me
  3. Dangerous
  4. Blackout
  5. Getaway
  6. Crazy
  7. Half a man
  8. Only one
  9. Other side
  10. Flesh & bone
  11. Octopussy
  12. Carnival
  13. Fallen
  14. Revelation

Gesamtspielzeit: 49:50 min.

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