Dua Lipa - Dua Lipa

Dua Lipa- Dua Lipa

Vertigo / Universal
VÖ: 02.06.2017

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Frisch entliebt

Dua Lipa ist zu beneiden. Dafür, dass sie Anfang 2017 mit gleich drei Songs in den britischen Charts vertreten war oder für das erfolgreiche Wagnis, im zarten Alter von 15 Jahren zwecks Gesangskarriere auf eigene Faust aus dem Kosovo in ihre Geburtsstadt London zurückgekehrt zu sein. Irgendwie bewundernswert ist aber auch, was die Britin über einen prominenten Duettpartner zu sagen hatte: "Bei Chris Martin war ich die Ruhe selbst." Hatte der Coldplay-Frontmann mit Käsigkeiten wie seinem Feature auf The Chainsmokers' "Something just like this" zuletzt doch eher für helle Aufregung gesorgt – und das nicht in positivem Sinne. Immerhin: "Scared to be lonely" wie im Song mit Martin Garrix muss Lipa nicht sein, zumal auf ihrem Debüt auch Soul-Mann Miguel mit von der Partie ist und sich gleich 17 Stücke gegenseitig auf den Füßen herumtrampeln.

Wobei es die Künstlerin grundsätzlich ehrt, dass sie "Dua Lipa" nicht überwiegend mit sattsam bekannten Radio-Hits bestückt und stattdessen einen tiefergehenden Einblick in ihr Schaffen gewährt. Ihrer Anfänge gedenkt Lipa dabei nicht nur musikalisch, sondern auch emotional, wenn sich "Genesis" eingangs an den glücklichen Beginn einer inzwischen verkorksten Beziehung zurücksehnt. Der recht mau dahersäuselnde R'n'B-Klopfer verrät ihr Potenzial jedoch höchstens ansatzweise, und auch die folgende knappe Stunde könnte mehr tun, um diesen Eindruck zu relativieren. Wenigstens ist mit "Be the one" auch das flockige Stück Elektro-Pop vertreten, mit dem sich die mittlerweile 21-Jährige erstmals breitenwirksam vorstellte – und das sich dank getupfter Sequenz und entschwebender Stimme nach wie vor unweigerlich ins Langzeitgedächtnis schraubt.

Ebenfalls am Start: das vollmundig auf der Stelle hüpfende "Hotter than hell" und die frisch entliebte Soul-Stilübung "Thinking 'bout you", die einem noch längere Zeit aus allen Rundfunk-Playlisten entgegenspringen dürften. Vor allem in letzterem Song kann Lipa aber den verruchten Flirt mit Alkohol, Nikotin und Marihuana als allfällige Bordmittel gegen Herzschmerz suchen, wie sie will: Auch tadellose Gesangsleistung und brav durchexerziertes Muckertum retten ihn letztendlich nicht vor dem Versumpfen in wenig originellem Strickmuster zwischen blauäugigem Pop und Singer-Songwriter-Standards. Wenn schon leicht unflätig, dann bitte wie bei "IDGAF": Erst neckt den Ex ein funky Gitarrenlick, dann trampelt ihn der schmatzende Trap-Beat mit Anlauf in den Allerwertesten. Und Lipa hat hörbar Spaß am Refrain mit dem gejauchzten F-Wort nach dem "I don't give a".

Auch anderswo wackelt "Dua Lipa" gut gelaunt mit dem Hinterteil: "Lost in your light" marschiert auf bassigen Synthie-Sohlen flink Richtung Glückseligkeit, und "Blow your mind (Mwah)" feiert zu knackigen Electronics und dem laszivsten Geknutsche seit Holly Valances "Kiss kiss" eine aufgekratzte Party mit den Mädels. Es sind diese pointierten, Inspiration und Witz versprühenden Songs, bei denen Lipa die beste Figur macht – sie vermögen aber nicht zu verhehlen, dass man sich weite Teile dieses Albums getrost schenken kann. Ja, auch "Homesick", das so süße wie selbstverliebte Piano-Nichts mit Beruhigungspille Martin. Schnell noch den klackernden Grower "Begging" und die Klasse andeutende Ballade "No goodbyes" halbwegs lobend erwähnt – und dann stellt sich die Frage, ob Dua Lipa wirklich zu beneiden ist. Noch bleiben berechtigte Zweifel.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Lost in your light (feat. Miguel)
  • Be the one
  • Blow your mind (Mwah)

Tracklist

  1. Genesis
  2. Lost in your light (feat. Miguel)
  3. Hotter than hell
  4. Be the one
  5. IDGAF
  6. Blow your mind (Mwah)
  7. Garden
  8. No goodbyes
  9. Thinking 'bout you
  10. New rules
  11. Begging
  12. Homesick
  13. Dreams
  14. Room for 2
  15. New love
  16. Bad together
  17. Last dance

Gesamtspielzeit: 60:02 min.

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Armin

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2017-06-14 23:04:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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