Zoot Woman - Absence

Zoot Woman- Absence

Snowhite / Rough Trade
VÖ: 16.06.2017

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Der Price-Verfall

"We are solid gold" – der Kurs der Synth-Band Zoot Woman steht bei Plattentests.de schon seit Jahren gut: Nicht ein Album wurde mit weniger als 7/10 bewertet. Ein sicheres Investment in Musik, die immer die Erwartungen erfüllt und sich in 18 Jahren als besonders krisenfest erwiesen hat. Der Anlageberater Ihres Vertrauens wird trotzdem im Folgenden das neue Album kritisch überprüfen, damit Sie auch morgen noch Ihr hart verdientes Geld vernünftig ausgeben.

Das Unternehmen Black, Black & Price hat sich bereits 1999 gegründet und als ihr Corporate Design die kühle Ästhetik der Achtziger ausgesucht. Plattentests.de-Redakteur Adrian Schulthess beschrieb damals das Artwork des Debüts "Living in a magazine" mit den Worten "den distanzierten Blick eines Hochfinanz-Analysten in den Augen, dessen Triple-A-IT-Aktien gerade ins Bodenlose absacken" und empfahl Kokain als Droge der Saison 2001. Den Abschluss des Albums markierte eine Coverversion von Kraftwerks "Das Model". Der kühle Vorsprung durch Technik begeisterte die Kritiker, die Masse blieb dagegen stets unbeeindruckt. Die Anerkennung holte sich Mastermind Stuart Price mit seiner Produzenten-Tätigkeit für Madonna, The Killers und Pet Shop Boys ab, während die weiteren Alben immer wieder melancholischer Rückzugsort blieben. "Star climbing" verschmolz 2014 dank vermehrter Pop-Ausflüge allerdings immer mehr mit dem Mainstream. Das Nerd-Projekt sollte endlich auf die große Bühne.

"Absence" ist nun der zu erwartende Zwitter geworden, der sich nicht zwischen traurigem Tänzer in der Meute und einsamem Wohnzimmer-Travolta entscheiden kann. Aus dieser Zerrissenheit heraus entstehen leider kaum große Songs, sondern etwa ein "Live in my head"-Abklatsch namens "Solid gold" oder die anbiedernde Electro-Ballade "Still feels like the first time", die wirklich so blöd wie der Songtitel ist und in der Kylie Minogue ausnahmsweise Sänger Johnny Blake ablöst. Es folgen leichte Upgrades bekannter Sounds aus den vorherigen Alben, die dem Titel "Absence" alle Ehre machen: Price wirkt erschreckend abwesend und von seinen Songs entfernt, die den Charme lustloser Auftragsarbeiten versprühen. Die traurige, aber doch schaurig-schöne Wärme des selbstbetitelten Werkes von 2003 ist endgültig verschwunden.

Eine eiskalte Affäre wird "Absence" also leider nicht. Was einst noch stilprägend war, ist beliebigen Dance-Sounds vom DJ-USB-Stick gewichen. Der finale Song "You said the day would come" bestätigt mit Ibiza-Anmutung die Kritiker, die schon bei "Star climbing" eine gewisse Pop-Beliebigkeit ausgemacht hatten. Es ist also passiert. Zoot Woman bekommen erstmals deutlich weniger Punkte und werden damit für Verstimmung bei ihren Anlegern sorgen. Eine Wertsteigerung wäre dringend anzuraten, soll auch weiterhin in dieses Produkt investiert werden. Doch diesmal ist leider nicht alles Gold, was vermeintlich funkelt und glänzt.

(Rinko Heidrich)

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Highlights

  • Solid gold

Tracklist

  1. Solid gold
  2. Ordinary face
  3. I said it again
  4. Haunt me
  5. Still feels like the first time
  6. (feat. Kylie Minogue)
  7. Indecision
  8. Gentlemen
  9. The world we found
  10. Black fly
  11. Driver passenger
  12. You said the day would come

Gesamtspielzeit: 39:51 min.

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User Beitrag

Gomes21

Postings: 1837

Registriert seit 20.06.2013

2017-09-20 20:42:38 Uhr
Ich habe sie eigentlich schon abgeschrieben, aber jetzt werde ich doch etwas neugierig

MopedTobias

Postings: 8493

Registriert seit 10.09.2013

2017-09-20 18:58:07 Uhr
Krass, dass die hier echt mit 4/10 abgestraft wurde. Wär mir locker drei Punkte mehr wert, finde ich deutlich besser als den Vorgänger. Klar ist das vom Sound her glatt und kühl, aber die Songs sind fast ausnahmslos super und das Album hat einen tollen Fluss. Ab Indecision wird's riesig.

musie

Postings: 2020

Registriert seit 14.06.2013

2017-08-30 09:27:34 Uhr
Ich habs schon weit oben geschrieben, finde das Album richtig gut und höre es oft. Für mich eindeutig das zweitbeste Album nach dem Debut. Kann die Verrisse hier nicht nachvollziehen.
E1ke
2017-08-29 11:53:04 Uhr
Meiner Meinung nach krass unterbewertet. Tracks wie ordinary face, the world we found, black fly, driver, passenger sind einfach gehalten und doch so wunderschön, und sie erreichen mindestens das Level von solid gold.

Armin

Postings: 10586

Registriert seit 08.01.2012

2017-08-02 19:40:57 Uhr - Newsbeitrag
Die Synth-Popper von Zoot Woman laden zum Tanz. Zum Start der Tour sind Jata Support!

Liebe Freunde, liebe Medienpartner,

im Juni erschien das aktuelle Album "Absence" von Zoot Woman. Glücklicherweise nehmen sie es mit dem Albumtitel nicht zu genau und kommen im Oktober auf ausgedehnte Deutschland-Tour.

14.10. Hamburg - Uebel & Gefährlich
16.10. Dresden - Beatpol
17.10. Leipzig - Täubchenthal
18.10. Berlin - Bi Nuu
19.10. München - Strom
24.10. Darmstadt - Centralstation
25.10. Essen - Zeche Carl
26.10. Stuttgart - Club Cann
27.10. Halle - Klub Drushba
28.10. Köln - Gebäude 9

Auf den ersten vier Terminen werden sie dabei von JATA unterstützt, dessen Vorab-Single "Mexiko" die Spannung auf das am 01. September erscheinende Debüt-Album wachsen lässt.

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