Elif - Doppelleben

Elif- Doppelleben

Vertigo / Universal
VÖ: 26.05.2017

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mit Anlauf

Mit "Unter meiner Haut" hat sich Elif nach ihrem Intermezzo bei der "Popstars"-Show viel Zeit gelassen. Herausgekommen ist ein gescheites Pop-Debüt, zwar mit einigen lyrischen Schwächen, dafür mit schönen Arrangements und Melodien, die ein viel größeres Talent durchscheinen ließen, als man es den damaligen Konkurrenten der Casting-Show jemals attestieren würde. Was "Doppelleben" anbelangt, verhält es sich nicht unähnlich, sind doch wieder vier Jahre seit dem Debüt vergangen und ist der Nachfolger erneut mit tollen Gesangslinien der Deutsch-Türkin gespickt. Stimmungsvoll eröffnet das instrumentale "Duduk" das Album, bevor der Titeltrack orientalische Klänge mit aktueller Popmusik kombiniert, Elifs Stimme verzaubert, die Melodie einen nicht mehr loslässt und man mit der zwischen deutschen und türkischen Konventionen um Identität und Aufrichtigkeit ringenden Protagonistin fühlt. "Schön, dass es dich gibt" darf man sich da ohne jede Scham denken. Nur selbst, wenn man bei insgesamt neun Songwritern (darunter Max Giesinger) noch wohlwollend von Authentizität spricht, findet Elif viel zu selten ausdrucksstarke Bilder für die beschriebenen emotionalen Zustände, womit die meisten Songs kaum mehr aussagen als ihre Titel.

Also besser von jetzt an keine "Umwege gehen", sondern "Auf halber Strecke" "Anlauf nehmen" und sich fragen, welche Probleme das durchaus vielversprechende "Doppelleben" zum Hinken bringen. Allem voran treiben ausgelutschte Bewegungsphrasen à la "Den Kreis durchbrechen" oder "Schritt für Schritt" das Album weg von dem beschrittenen Weg, die spannenden, aber auf "Doppelleben" allenfalls angekratzten deutsch-türkischen Verhältnisse auszuloten. Stattdessen führen sie auf den Pfad austauschbarer Allgemeinplätze. "So leicht" besingt die Endlichkeit so schlagerhaft, als wolle es das nächste Pfeifkonzert im Berliner Olympiastadion provozieren, in "High 5" tauscht Elif alles gegen Mit "Irgendwas, das bleibt" und gibt anschließend "Der Freiheit ein High five", während "Schwarz, weiß, grau" partout keine vernünftige Metapher für Unentschlossenheit findet. Dies als Ausdruck einer ewigen Sinnsuche zu lesen, mag ein verlockender Gedanke sein. Im Kontext fantasieloser Zeilen wie "Du bist mein Aha-Erlebnis" verliert diese Argumentation leider ihren Boden.

Die Erkenntnis, unter der vom Titeltrack abgesehen recht konventionellen, aber wohlklingenden Oberfläche kaum mehr entdecken zu können, tritt erst bei mehrmaligem Durchlauf von "Doppelleben" ein. Allerdings ist sie dann umso schmerzlicher, weil man bis dahin bereits viele schöne Ohrwürmer geliefert bekommen hat. "Fort Knox" ist nur eines der vielen Beispiele. Auch den Anspruch, es besser zu machen als der ganze Mainstream-Retorten-Pop von Bendzko bis Schweighöfer, merkt man dem Album an. Im Gegensatz zu jenen scheitert Elif auch nicht bereits an der Hürde, ob man ihr auch nur einen Funken des Gesungenen abkaufen kann. Dafür stolpert sie dabei, lyrisch annähernd die Ausdrucksstärke zu finden, über die ihre Stimme schon längst verfügt. Damit landet sie zwar noch locker im Mittelfeld, wenn man aber ehrlich ist, erwartet man von ihr aber schon mehr als ein paar Floskeln und Weg-Metaphern, die sich locker an einem lauen Nachmittag zusammentragen lassen.

(Marcel Menne)

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Highlights

  • Doppelleben

Tracklist

  1. Duduk
  2. Doppelleben
  3. So leicht
  4. Umwege gehen
  5. Fort Knox
  6. Schwarz, weiß, grau
  7. Anlauf nehmen
  8. Auf halber Strecke
  9. Schön, dass es Dich gibt
  10. Wo bist Du?
  11. Panoramablick
  12. High 5
  13. In deinen Augen
  14. Du hast einen Platz

Gesamtspielzeit: 51:06 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-06-07 21:59:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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