Leslie Clio - Purple

Leslie Clio- Purple

Embassy Of Music / Warner
VÖ: 19.05.2017

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Ein Shruggie für die Musik

Müssen wir? Wir müssen. Denn es bleibt nicht aus: Wenn es um Leslie Clio geht, folgt eine Bestandsaufnahme der deutschsprachigen Musik. Pars pro toto. Oder der Tanz um die Helenefischerisierung. Und das Gute an der Sache mit Clio und ihrem dritten Album "Purple" ist, dass die 30-Jährige mit ihrem Sound, ihrer Herangehensweise den Gegenpol zu dieser Entwicklung darstellt. Clio wählte bisher stets die kleine Geste vor der großen Verrenkung. Und so auch dieses Mal. Zwar versucht sich "Riot" am Spektakel, aber für die Arenen dieser Welt reicht das nicht. Muss es auch nicht. Der Rhythmus schlägt aus, Synthies spielen ein paar nette Spuren in den Hintergrund des Songs. Dann taucht die ganze Nummer ab, es setzt ein Beat ein, und Clio rappt ein paar Zeilen, bevor alles wieder an Ort und Stelle sitzt. Im Kosmos des deutschen Pop lässt sich so etwas vermutlich unter Experiment verbuchen.

Ist "Purple" also ein funkelndes Juwel zwischen dem ganzen Kram aus den Charts? Mitnichten. Erstens: "Purple" dürfte sich ja selbst in den Charts wiederfinden. Zweitens spielt die Musik von Clio mit der Individualität, sie will sie jedoch nicht annehmen. "Walls down" setzt sich aus den üblichen Strukturen für den kleinen Hit zwischendurch zusammen. Den Refrain zieht ein Beat nach oben, dazwischen gibt es die entschleunigten Strophen. Der Text bleibt munter öde. Irgendein Gefühl treffen, das löst ja was aus. Und radiert jegliche Subtilität aus dieser Musik. Clio schielt auf ihrem dritten Album noch deutlicher in Richtung Pop, der vielgelobte Retro-Sound findet sich in einzelnen Momenten zwar wieder, doch es bleibt vor allem viel Glätte. An dieser Musik perlt so ziemlich alles ab. Baukastenprinzip. Keine Überraschungen. Das Fließband für das gute Gewissen der deutschen Musikindustrie. Handgemacht und echt.

Alleine "Darkness is a filler" treibt dieses Kondensat moderner Strukturen auf die Spitze. Ein paar Streicher fallen in den Song ein, alles bleibt im Midtempo, in der Mitte – oder anders gesagt: der Norm. Ein "Game changer"? Selbst die wenigen Bläser können ihn nicht aus dem Konsens holen. Der mündige Leser mag nun einwerfen: Aber, lieber Schreiber, was ist daran denn so schlimm? Wer den Anspruch hat, dass Kunst keine Komfortzone sein soll, dass sie etwas auslösen, bewegen, verwirren, herausfordern darf oder muss, sollte bei diesem Album aussetzen. Wer eine solide Platte mit ein paar netten Pop-Songs haben will, ist hier schon richtig. Alleine "Lies of gold" erfüllt die selbstgesteckten Kriterien über Maßen. Ein wenig Dramatik, ein wenig R 'n' B, ein wenig Mischmaschwischiwaschi. Liest sich schlimmer als es am Ende ist. Aber selbst hier bleibt das Spektakel aus. Natürlich. Muss man das gut finden? Muss man nicht. Es stört aber auch nicht. Das mag man als Kritik nehmen. Oder als Pluspunkt. Wie man will. Die einzige wirklich große Geste, die hier bleibt: Schulterzucken.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Lies are gold

Tracklist

  1. Lies are gold
  2. And I'm leaving
  3. Game changer
  4. Riot
  5. Darkness is a filler
  6. Sad games
  7. In and out
  8. Aquarius
  9. But it ruins me
  10. Walls down
  11. Fragile
  12. Bad habit (feat. Drangsal)

Gesamtspielzeit: 48:22 min.

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Armin

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2017-06-07 21:59:06 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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