Tindersticks - Minute bodies: The intimate world of F. Percy Smith

Tindersticks- Minute bodies: The intimate world of F. Percy Smith

City Slang / Universal
VÖ: 09.06.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Welt im Kleinen

Die Hopfendolden starren einen an, als hätten sie skeptische Augen, der Wind lässt sie wie betrunken schwanken; die Hausfliege krabbelt akrobatisch von einem Grashalm zum nächsten; Blüten öffnen sich, gähnen sich groß, darunter Rosen, Narzissen, Hyazinthen – kaum jemand hatte Anfang des 20. Jahrhunderts einen ähnlich achtsamen Blick auf die Welt im Kleinen wie Frank Percy Smith. Der Brite, Naturalist durch und durch, hielt die Kameralinse überall dorthin, woran wir täglich unbeeindruckt vorbeigehen. Das Poetische im Kleinsten finden, dieser Gedanke ließ Smith, der vor und nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete, schon zu einem Pionier werden, obendrein einem technischen, beschäftigte er sich als einer der ersten mit Zeitlupen und Vergrößerungsgläsern beim Filmen. Und dieses Zeitlupenartige, nur eben menschenbezogen, die Zerstückelung von Mimik, Gestik, Liebesdramatik, war stets Wesensmerkmal der Musik von Tindersticks.

Trefflicherweise hat sich Stuart A. Staples an einen Film über Smith gemacht: "Minute bodies: The intimate world of F. Percy Smith" heißt er. Staples führte Regie und spielte die Musik mit seiner Band Tindersticks ein. Der Film beeindruckt visuell als eine schwarz-weiße Collage, die die meist kurzen Aufnahmen von Smith aneinanderreiht, sie wie eine längere Traumsequenz wirken lässt, wie von einer anderen Welt. Und Tindersticks, soundtrackerprobt durch die Arbeiten mit der französischen Filmemacherin Claire Denis oder "Ypres", der Museumsbeschallung, haben Songs eingespielt, die ähnlich hypnotisch und verschlüsselt sind. Der erste Bruch: Ihre anderen Soundtracks haben erzählt, sich in eine Story eingefügt. "Minute bodies" ist rein meditativ. Der zweite Bruch: Sie waren eher als Beiwerk zu betrachten. Hier geleitet der Klang in die Bilder, lädt ein, die Smithsche Welt zu betreten, deren Sog nicht allzu schnell einfängt. Smith murrte damals, die Welt opfere alles der Geschwindigkeit – Ruhe und Langsamkeit seien hingegen abscheuliche, bedeutungslose Zustände. Heute könnte man meinen, wir leben in der schnelllebigen Steigerung dieses Zitates. "Minute bodies", Film und Musik, ist hingegen immersiv und stellt sich dem Kontemporären quer.

Die Songs sind besänftigend, wundervoll, arbeiten sich meist nur an einem kurzen melodischen Motiv entlang, das auf wenigen Instrumenten verfremdet oder minuziös verändert wird. In einem früheren Stadium wollte Staples über die Bilder im Film erzählen, dann entschied er sich für eine Stille, der die Musik nachempfindet. Staples singt nicht, einzig in "Brewsters magic" säuseln Sirenen hoch und unnahbar. Dabei gibt es auch die unheilvollen Momente, denn Smith tötete sich 1954, es ist ein Unterton, den die Percussions in "Fireworks" einnehmen oder die Ondes Martenot, ein aus Smiths Zeit stammendes, elektronisches Tasteninstrument, das ähnlich einer E-Orgel seine wellenartigen Töne über "Percy's dream" legt. Denn obwohl hier die kleine Welt beguckt wird, kämpft diese mit den selbigen finsteren Omen der großen. Die von Smith gefundene Schönheit im Mikroskopischen war auch eine Abwendung von der Welt, in der er nicht zurechtfand. Und "Minute bodies" ist eine spät folgende Antwort mitfühlender Tindersticks.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Percy's theme
  • Fireworks
  • Percy's dream

Tracklist

  1. Percy's theme
  2. Gathering moss
  3. Magic myxies
  4. Peas and ques
  5. Tiny honey gatherers
  6. World in a wine glass
  7. Fireworks
  8. The strangler
  9. Percy's dream
  10. Brewsters magic
  11. Reverse frog
  12. Life cycle of a newt
  13. Reproduction montage
  14. Scarlet runner
  15. Percy's dream (Reprise)

Gesamtspielzeit: 52:06 min.

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Armin

Postings: 10572

Registriert seit 08.01.2012

2017-05-31 21:07:09 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?

Armin

Postings: 10572

Registriert seit 08.01.2012

2017-03-15 16:30:29 Uhr - Newsbeitrag

tindersticks präsentieren Filmprojekt und Original Soundtrack
'Minute Bodies: The intimate world of F. Percy Smith’
+ Cine-Concerts in Hamburg, London, Paris, Brüssel, Rotterdam & Kopenhagen



Liebe Freunde von City Slang,

die Filmmusik spielt seit eh und je eine wichtige Rolle im Hause tindersticks. Nach diversen Soundtracks, unter anderem für die französische Regisseurin Claire Denis, die Arbeit für das Museum in 'Ypres' und das cinematische Gesamtkonzept des letzten Albums "The Waiting Room", tritt Stuart Staples für das Filmprojekt "Minute Bodies: The intimate world of F. Percy Smith" nun zum ersten Mal als Regisseur sowie musikalischer Leiter in Aktion.

"Minute Bodies" ist ein meditatives Filmtribut an F. Percy Smith, einem englischen Autodidakten und Filmpionier des Naturfilms. 'Minute Bodies' ist eine interpretative Bearbeitung, die Smiths Original Footage aus den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts mit einem neuen kontemporären Score der tindersticks verbindet und so eine hypnotische, fremdartige, Science Fiction Traumlandschaft erschafft:

"Minute Bodies" erscheint am 9. Juni, als streng limitierte LP+DVD sowie CD+DVD und kann ab sofort hier vorbestellt werden: tindersticks.bandcamp.com

Die Musik wurde von einem Kollektiv an Musikern mit tindersticks im Kern geschaffen. Außerdem mit dabei: Thomas Belhom (percussion), Christine Ott (Ondes Martenot und Piano), David Coulter (Musical saw, Nose flute) und Julian Siegel (Saxophon). Aufgenommen wurde im tindersticks Studio in Frankreich.

Die Band wird im Frühjahr und Sommer ein paar ausgewählte Cine-Concerts spielen, bei denen sie sowohl den Score live zum Film und ein reguläres tindersticks Set aufführen.

tindersticks Cine-Concerts:
19.03. DK - Copenhagen - CPH:DOX
06.04. NL - Rotterdam - Schouwburg
14.05. BE - Brussels - Cirque Royal
17.06. UK - London - Barbican
29.06. FR - Metz - Centre Pompidou (Festival Ondes)
02.07. FR - Paris - Cite de la Musique (Days Off Festival) (2 shows in one day)
16.08. DE - Hamburg - Elbphilharmonie


PRESSE:
“With its insistent sexual rhythm, Minute Bodies is about the urgency of life on a cellular scale… a richly steamy experience.” Sight and Sound
“A cinematic wonderland…” Evening Standard
“A beautful hypnotic melange…” The Guardian

Weitere Infos gibt es unter minutebodies.com
Pre-Order City Slang limited edition LP/DVD & CD/DVD: https://tindersticks.bandcamp.com/
Pre-Order BFI expanded Blu-Ray here: http://shop.bfi.org.uk/

FILM SCREENINGS:
05 – 16 April 2017 – Istanbul, Istanbul Film Festival
19 – 30 April 2017 – Buenos Aires, BAFICI, Buenos Aires
03 – 14 May 2017 – Lisbon, Indelisboa, Lisbon
18th March / 28th August 2017 Pompidou centre, METZ - part of the "Jardin Infini" exhibition
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