Notilus - Notilus

Notilus- Notilus

Denovali / Cargo
VÖ: 19.05.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Die Maschine atmet

Allgemeinplatz der Popkultur: Jazz ist anders. Oder besser: Jazz darf das. Zumindest hatte sich kein Genre in seinem Ursprung so viele Freiheiten im Sound, in der Herangehensweise, im Selbstverständnis verpasst. Im 21. Jahrhundert hat sich das natürlich ein wenig relativiert. Die großen Soundexperimente finden längst an anderer Stelle statt, trotzdem hat Jazz weiterhin diese Aura des Allmöglichen. Und so wundert es nicht, wenn mit Notilus ein Projekt von fünf französischen Musikern irgendwo zwischen John Carpenter und Hypnotic Brass Ensemble musiziert. Denn auf ihrem Debüt vermischen sich dunkle Soundlandschaften in Moll mit den Tracks des Blaxploitation-Kinos.

"Tangerine" leitet die Platte mit düsteren Synthies ein, die von den Bläsern noch ein wenig Verstärkung erfahren. Der Rhythmus im Hintergrund fällt da kaum auf, bevor sich der Song auf links dreht, die Bläser die Nummer an sich reißen und versenken. Dieses Zusammenspiel elektronischer Momente mit Saxophon, Trompete und Posaune schmiert schlussendlich die Maschine dieses Albums, zumindest lässt sich dafür kaum ein anderes Bild finden. Denn Notilus liefern präzise und punktgenau. In "Alien" lösen sich die Instrumente gegenseitig ab, um ihre Spuren auf den Rhythmus zu setzen. Guillaume Nuss, Christophe Rieger und Paul Barbieri finden dabei das genau passende Maß, um den Groove stets nach vorne zu bringen. Das ist kein bisschen aufdringlich, nie aufmerksamkeitsheischend. Stattdessen kann Samuel Klein die Drums dazu perfekt setzen. In "Orgella" läuft dieses Zusammenspiel besonders astrein: Klein nimmt das Tempo raus, drückt es erneut rein. Hier spielen nicht perfekte Solisten, die jeweils ihre Momente abwarten, sondern eine Band, die ihre Harmonie von der ersten bis zur letzten Sekunde auf diesem Album konservieren konnte. Jeder Ton eine Schraube, an der fünf Künstler gleichberechtigt drehen.

In "Behind" vervielfacht Philippe Rieger durch seine Synthies die Ebenen des Stücks, der Klang fächert sich auf. Allerdings driften Notilus nicht ins Spirituelle ab. Ihr Sound hat seine Basis in der Gegenwart. Zeitlosigkeit? Wenn es sein muss. Doch finden sich hier auch Versatzstücke aus Afrobeat, Soul und HipHop im Sound. Notilus verlieren nie die Atmosphäre, Dunkelheit und Kälte bleiben trotzdem stets allgegenwärtige Themen. Das stellt den Hörer jedoch nie vor Herausforderungen – dafür fließen die einzelnen Elemente zu gut ineinander. Die Maschine atmet, lebt, bebt auf dieser Platte. Nie fremd oder abgehoben, vielmehr gehen Notilus auf in ihrem Sound. Jazz ist da nicht anders als andere Genres. Und Notilus dürfen das.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Behind
  • Alien
  • Orgella

Tracklist

  1. Tangerine
  2. Behind
  3. Pop porn
  4. Kuku
  5. Green smile
  6. Alien
  7. Sapin
  8. Orgella
  9. Valse à plumes
  10. Ned

Gesamtspielzeit: 41:18 min.

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Armin

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2017-05-31 21:04:09 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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