Nightlands - I can feel the night around me

Nightlands- I can feel the night around me

Western Vinyl / Cargo
VÖ: 05.05.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Zwei vor, eins zurück

Schon der Titel hat so einen merkwürdig ambivalenten Unterton: "I can feel the night around me", das neue Album von Dave Hartley, wandelt stets zwischen den Polen. Der Multiinstrumentalist, normalerweise vor allem als Bassist bei The War On Drugs tätig, ist auf der Suche nach den Grautönen, das ist klar. So kann die umarmende Nacht wie ein wohlig-warmer Schleier wirken, beschützend, ruhig und besinnlich. Oder aber die längsten Stunden des Lebens unterstreichen, voller Dunkelheit, Anonymität und Verunsicherung. Melancholie und Nostalgie beherrschen "I can feel the night around me", das so ganz anders klingt als Hartleys Hauptband. Marschierte deren letztes Album, das grandiose 2014er-Werk "Lost in the dream", noch schnurstracks und schnellen Schrittes immer weiter nach vorne, zögert dieser Solostreich und tanzt, wie die Nacht, um sich selbst: vor und zurück, immer wieder.

Und das im besten Sinne. Kommen einige Stücke aufs erste Ohr gar verführerisch daher, offenbart sich nur langsam und im immer deutlicher werdenden Kontext, wie zerbrechlich die meisten der neun Songs sind. "There's a shadow man living inside of me", erklärt Hartley im mit Harmoniegesang untermalten "Easy does it", die Melodie vermittelt Strandfeeling in einer lauen Sommernacht, der Text eher Gruselstimmung unter der Bettdecke. Gut und Böse spielen sich gegenseitig aus. So auch auf noch verworrenere Weise in "Depending on you", wo der 37-Jährige abermals mehr Schatten als Licht sieht und Schutz bei der Frau an seiner Seite sucht. Das hat etwas Liebevolles wie Trauriges, was man als Hörer aber nur bemerkt, wenn man ein wenig an der Oberfläche kratzt.

Ganz offensichtlich setzt Hartley diesen kleinen Aufwand voraus. Andernfalls ist "I can feel the night around me" durchaus gefällige Pop-Musik – nicht mehr und nicht weniger. Wirklich faszinierend wird sie erst, wenn man sich voll und ganz darauf einlässt. Dann wächst das soulige "Only you know" glatt über sich selbst und seine eigene Sehnsucht hinaus, dann schält sich der Opener "Lost moon" aus seiner anfänglichen kühlen Künstlichkeit in eine vollkommen organische Märchenerzählung, dann wird klar, dass das Positivste an "Love's in love" seine immer wieder vorgetragene Verneinung auf jede gestellte Frage ist: "Not at all", wiederholt Hartley in schwindelerregend hoher Tonlage, bis es auch der Letzte mitgekriegt hat. Manchmal liegen Melancholie und Nostalgie eben gar nicht weit auseinander. Genie und Wahnsinn auch nicht – anders kann man es nicht beschreiben, wenn in "You're silver" plötzlich Dschungelrhythmen from space das Ruder an sich reißen. Und so findet auch dieser Tanz wieder in der Dunkelheit statt – aber im All ist man immerhin umgeben von Sternen.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • Lost moon
  • Only you know
  • Love's in love

Tracklist

  1. Lost moon
  2. Depending on you
  3. Easy does it
  4. Only you know
  5. Love's in love
  6. Fear of flying
  7. You're silver
  8. Moonbathing
  9. Human hearts

Gesamtspielzeit: 41:05 min.

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Jennifer

Postings: 1508

Registriert seit 14.05.2013

2017-06-06 00:42:41 Uhr
Und mit der CAS-Rezension hab ich jetzt was genau zu tun?
7!
2017-06-06 00:22:49 Uhr
Typische Nicht-schlecht Platte mit Std-Note Sieben, die keine Sau interessiert, aber das epochale Werk von CAS bekommt ne Sechs.

Armin

Postings: 13407

Registriert seit 08.01.2012

2017-05-31 21:03:57 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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