Cigarettes After Sex - Cigarettes After Sex

Cigarettes After Sex- Cigarettes After Sex

Partisan / PIAS / Rough Trade
VÖ: 09.06.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Die Platte danach

Cigarettes After Sex ist das seltene Kunststück gelungen, einen unverwechselbaren Stil zu entwickeln und im Bandnamen auch noch ziemlich gut auf den Punkt zu bringen: Der sphärische Ambient-Pop, der sich um die androgyne Stimme von Frontmann Greg Gonzales schmiegt, klingt sehr nach dem Dämmerlicht zwischen Mitternacht und Morgengrauen und dem Delirium aus Alkohol, Nikotin und frischer Verliebtheit. Zu der EP aus dem Jahr 2012 und der aufsehenerregenden REO-Speedwagon-Coverversion "Keep on loving you" von 2013 sind sicherlich schon einige Kinder gezeugt worden. Das selbstbetitelte Debüt lässt Pärchen nun endlich etwas mehr Zeit, bevor sie rauchend auf den Balkon treten und die Lichter der Großstadt betrachten.

Die ersten Töne des Albums, eine Gitarrenmelodie mit viel Hall und sedativer Bassbegleitung, blasen dem Hörer einen großen Schwall Rauch direkt ins Gesicht. "I remember when I first noticed that you liked me back" haucht Gonzales mit seiner einlullenden Stimme und besingt den Moment, in dem aus einer unverbindlichen Beziehung die ersten unwiderstehlichen Glücksgefühle gegenseitiger Zuneigung schlüpfen. "Each time you fall in love" ist schon deutlich pessimistischer gegenüber Romanzen aller Art – "You say all the words they wanna hear/It isn't real" singt Gonzales zu zarten Reverbs und beschreibt einen Mann, der von einer Begegnung zur nächsten hetzt und jedes Mal vergeblich hofft, dass da etwas Echtes entsteht, eine aufrichtige, tiefe Verbindung. Im typischen, langsamen Tempo schleppt sich der Song voran und symbolisiert mit dem repetitiven Element, dass der Protagonist hier auf der Stelle tritt. Die Vorabsingle "Apocalypse", die ihren Vorgängern in Sachen Klickzahlen kaum nachsteht, klingt angesichts dieser gediegenen Grundstimmung fast schon beschwingt. Sie beginnt wiederum mit einer einsamen Gitarre im weiten Raum, die nacheinander die Akkorde anschlägt. Diese Formel taucht immer wieder auf, sie begleitet den Refrain und wird noch einmal angestoßen, als man den Titel schon zu Ende wähnt.

Der Rest des Albums birgt kaum Überraschungen. Es geht Gonzales offensichtlich nicht darum, eine Reihe eigenständiger Meisterwerke zu schaffen, sondern eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen: ruhig, taumelnd, geheimnisvoll. Die sich wiederholenden gebrochenen Gitarrenfiguren sind symptomatisch für diesen minimalistischen Stil. Refrain und Strophe im verlässlichen Wechsel, einfache Melodien, einfache Rhythmen, einfache Akkordfolgen. Manchen Tracks steht dieser einfache Schnitt ausgezeichnet, die Reduktion auf das Wesentliche entfaltet einen hypnotischen Sog. Dumm nur, dass zu viel Hypnose schläfrig macht. Und es ist gut möglich, dass manch einer schon während des Vorspiels – wohlgemerkt dem mit den hallenden Gitarren – einnickt. Vielleicht ist das gewollt, immerhin ließ Gonzales kürzlich in einem Interview verlauten, er betrachte es als Kompliment, wenn seine Musik beim Einschlafen hilft. Dann gibt es die Zigarette eben doch erst zum morgendlichen Kaffee.

(Eva-Maria Walther)

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Highlights

  • K.
  • Apocalypse
  • Young & dumb

Tracklist

  1. K.
  2. Each time you fall in love
  3. Sunsetz
  4. Apocalypse
  5. Flash
  6. Sweet
  7. Opera house
  8. Truly
  9. John Wayne
  10. Young & dumb

Gesamtspielzeit: 46:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Conchita Wurst
2017-06-26 11:48:06 Uhr
noch eine Frau mit Bart, habe ich erst gemerkt als ich die Review gelesen habe, hatte erst reingehört und war felsenfest davon überzeugt, eine Ähnliche Bandkonstellation wie bei Beach House oder the XX zu haben.

Schöne Platte

tjsifi

Postings: 22

Registriert seit 22.09.2015

2017-06-26 11:37:50 Uhr
Würde mich interessieren wie die Rezi ausgefallen wäre wenn Jenni sie gemacht hätte.

Gefällt mir jedenfalls sehr gut.

Beefy

Postings: 140

Registriert seit 16.03.2015

2017-06-26 08:46:58 Uhr
Beim ersten Hören musste ich immer wieder mal auf die Tracklist schauen um sicherzugehen, dass da nicht der selbe Song zweimal nacheinander läuft :-). Mag das Album inzwischen aber sehr. Passt irgendwie perfekt zu den heissen Temperaturen. Sind die anderen Alben auch so gut?

Gomes21

Postings: 1020

Registriert seit 20.06.2013

2017-06-20 17:57:25 Uhr
Erstmalig und zweitmalig komlett gehört das Album; mehr als ne gute (!) Beach House Kopie finde ich hier aber nicht. 7/10

musie

Postings: 1843

Registriert seit 14.06.2013

2017-06-14 08:30:43 Uhr
'One of this years best' schreibt das Q Magazine. Recht haben sie. Ein wahrlich traumhaftes Album. Bin bei 9/10.
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