Mt. Wolf - Aetherlight

Mt. Wolf- Aetherlight

CRC / Al!ve
VÖ: 26.05.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Mit Bedacht entfacht

"Wir sollten so sein wie London Grammar", sagt Sebastian Fox rückblickend und ist nun – mit etwas Abstand – gar nicht mal soooo traurig über die rund zweijährige Trennung seiner Band Mt. Wolf. Die Geschichte des Albums "Aetherlight" startet eigentlich schon 2012, 2013. Damals war Mt. Wolf ein Quartett mit einer Sängerin. Just als Blogs und Musikschaffende nach mehr lechzten und die in London wohnhafte Truppe als hoffnungsvolle Künstler für 2014 einstuften, verkündete Kate Sproule nach dem bis dato wohl größten Gig aber ihren Ausstieg. (Erwartungs-)Druck spielte offenbar eine Rolle bei Sproule, vielleicht auch der aufgemalte Weg des damaligen Managements, die Seite der zeitgleich emporkommenden London Grammar zu besetzen. Die Band trennte sich.

Die drei verbliebenen Herren, neben Fox noch Stevie McMinn und Al Mitchell, wagten sich viele Monate nach dem Nackenschlag Schritt für Schritt, Song für Song und EP für EP wieder zurück auf den Band-Berg. Das erlaubte Mt. Wolf auch, ihren Sound bedächtig zu entwickeln, während London Grammar anno 2017 bestenfalls eine referenzielle Randnotiz sind. Den Gesang hat Fox übernommen. Eigentlich im tieferen Segment zu Hause, wie "The electric" oder "Dorji" zeigen, singt er auf "Aetherlight" größtenteils mit Kopfstimme und im Falsett. An die Zeit mit Sproule erinnert lediglich noch "Starliner II". Aufbauend auf dem für Café del Mar geeigneten Track aus 2012 endet der neunminütige Part II mit einem kleinen Post-Rock-Ausbruch samt Riff und verwaschenen Gitarren.

Die Klimax ist ein Freund von Mt. Wolf. Oder andersrum. Sie ist wiederum auch nötig, sonst würden die ätherischen wie hymnischen Stücke dem Schöngeist erliegen und der Eindruck einer Nummer wie "Bohemia", die eher Interlude-Qualitäten aufweist, weiter verwässern. Gerade im Mittelteil aber tummeln sich Perlen von behutsam epochaler Struktur. Beginnend beim vom Akustikgitarre dominierten "Dorji" hin zu "Hex" und "Anacrusis", die beide bereits auf der wunderbaren "Hex"-EP beheimatet waren. Während jener Titelsong unberührt bleibt und nicht zuletzt aufgrund der Streicher so klingt, als sänge Erzengel Gabriel von der Kanzel einer Kirche, verliert "Ancrusis" anderthalb Minuten seiner Ursprungslänge und erfährt einen minimalen Temposchub, jedoch ohne Zauber einzubüßen.

Mt. Wolf bewegen sich auf "Aetherlight" im Halbfeld von Post-Rock und Folk-(Rock) und angrenzendem Dream-Pop. Sigur Rós bilden einen nicht wegzudiskutierenden Einfluss, beim Fernbeziehungsstück "Hamburg" sind Autotune-freie Bon Iver nicht fern, während das erwähnte "Anacrusis" Freunden des Dry-The-River-Debüts zusagen sollte. Hin und wieder ertönen elektronische Klangkörper, wobei Mt. Wolf nicht müde werden, zu betonen, dass es sich dabei meist um "manipulierte" akustische Elemente handelt. Das Trio leistet dezidierte Schleifarbeit bis in die hintersten Winkel des zerbeulten Schellenkranz im afrikanisch anmutenden Stammesgesang von "Tucana". Dass der finale Spoken-Word-Track "Exit (with Burgs)" einem Plädoyer für Simplizität gleicht, wirkt wie eine Ermahnung an die Band selbst. "The more complicated we make ourselves, the more complicated is our idea of ourselves." Aber da steht ja nichts über Musik.

(Stephan Müller)

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Highlights

  • Hamburg
  • Dorji
  • Hex
  • Anacrusis
  • Starliner II

Tracklist

  1. Intro
  2. Heavenbound
  3. Soteria
  4. Hamburg
  5. Bohemia
  6. Kenobi
  7. Dorji
  8. Hex
  9. Anacrusis
  10. Tucana
  11. Starliner II
  12. The electric
  13. Exit (with Burgs)

Gesamtspielzeit: 60:07 min.

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Pivo

Postings: 61

Registriert seit 29.05.2017

2018-01-09 14:39:55 Uhr
Schade, dass diesem wirklich genialen Album nicht mehr Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Ich habe es mir selbst erst vor zwei Wochen zugelegt und nach ein paar Durchläufen wächst das Teil in fantastische Dimensionen.

Jeder der "Sigur Ros" für gute Musik hält kann hier blind kaufen und zuschlagen. Man wird nicht enttäuscht. Es gibt eigentlich keine Ausfälle. Schon mit dem Intro wird man abgeholt und dann heißt es "Augen zu und durch" im ausnahmslos positiven Sinne.

Ich würde Mt. Wolf eine 9/10 geben.

Beefy

Postings: 177

Registriert seit 16.03.2015

2017-06-03 19:11:57 Uhr
Bin begeistert. Klingt tatsächlich wie eine Mischung aus Bon Iver, Admiral Fallow und Sigur Ros.

Armin

Postings: 12587

Registriert seit 08.01.2012

2017-05-24 21:24:52 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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