Demen - Nektyr

Demen- Nektyr

Kranky / Cargo
VÖ: 19.05.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Die Geister, die sie rief

"Hey, vielleicht interessiert euch diese Musik." Dieser kurze Text landete vor einiger Zeit im Posteingang bei Kranky. Im Anhang befanden sich drei Songs. Was passierte? Die Verantwortlichen beim amerikanischen Label waren von dieser Musik begeistert. Sie schrieben eine Mail, fragten, ob es noch mehr Tracks gibt. Es folgte die einfache wie kurze Antwort: "Yes." So will es zumindest die Legende. Freilich von Kranky selbst in die Welt gesetzt. Aber wo, wenn nicht bei dem Label für Abseitiges und Spleeniges, wäre eine schwedische Songwriterin mit dem Hang zur Abgeschiedenheit besser aufgehoben? Eben. Drei Monate nach der knappen Zusage gab es weitere Informationen: Irma Orm verbirgt sich hinter dem Namen Demen, sie lebt in Stockholm und arbeitet alleine. Ende ihrer Geschichte, Anfang der Geschichte von "Nektyr", ihrem Debüt.

Ihr Sound kristallisiert sich langsam aus dem Nichts, formt sich wie Nebel. Stets schweben bei Demen die Splitter der Synthesizer aus den Achtzigern im Sound. Darüber legt sich ihr Flüstern mit so viel Echo, jedes Geheimnis hundertfach zurückgeworfen von den Wänden im Raum dieses Albums. Mal wirft ein Drum-Computer ein paar Takte ein, mal findet sich eine Gitarre inmitten des diesigen Klangs. In "Morgon" nimmt dieser Ansatz fast sakrale Formen an, Orms Sound bäumt sich auf und mit Hall auf der Stimme spricht sie von dunklen Geheimnissen. Dann verflüchtigt sich der Moment, der Song verschwindet kurz im Nichts, bevor wieder ein paar Töne aufziehen, getrieben vom kargen Rhythmus.

Die wohl einfachste Beschreibung für diesen Sound wäre: Grouper covert sich durch die dunkelsten Stunden der Cocteau Twins. Das würde aber verkennen, dass Orm bereits jetzt eine sehr eigene Herangehensweise hat. Während es bei Grouper stets um das Davonkommen, das Flüchten durch die Musik ging, formt Orm sich mit dieser Platte erst. Hier will niemand hinter seinen Tracks verschwinden. Einen Sog wie in "Illdrop" hat Grouper auf keinem ihrer Alben geschaffen. Das Diffuse ist die Substanz bei Orm.

Über eine halbe Stunde hält sie diese Atmosphäre aufrecht, bevor in "Flor" sogar ein Klavier aufschlagen darf, um eine Melodie zu spinnen. Die letzten Sekunden dann Stille, als ob jemand erst wieder Luft holen muss, nachdem die Geister aus ihm entwichen sind. "Nektyr" zieht wie eine Schwade auf und verschwindet ebenso, jedes Geräusch dämpft Orm in diesem Klang. Immer wieder fügen sich Passagen aus Ambient und Drone zwischen die einzelnen Titel. All das fließt jedoch so selbstverständlich und ungezwungen, dass dieses Album einlullt, umgarnt, lobotomiert. Jeder Gedanke zerfällt, nur noch die Phrasen Orms durchdringen all das, von ihrer Bedeutung bleiben nur einzelne Bruchstücke. Die Platte ist abseitig und spleenig wie nur wenige andere Longplayer. Orm braucht nicht viele Worte. Ihre Musik spricht für sich.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Morgon
  • Illdrop
  • Flor

Tracklist

  1. Niorum
  2. Morgon
  3. Korridorer
  4. Illdrop
  5. Mea
  6. Ambur
  7. Flor

Gesamtspielzeit: 34:33 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag

zurueck_zum_beton

Postings: 140

Registriert seit 07.07.2013

2017-05-19 18:39:08 Uhr
"Nektyr" ist wunderbar, ein erstklassiges Debüt. Ich bin überrascht, wie gut das Album trotz seiner Kürze funktioniert. Demen weckt unheimlich viele Stimmungen; einerseits sehr beruhigende Kompositionen, andererseits doch gewissermaßen opulente Entwürfe, die gerade durch ihre Länge funktionieren. So ist's furios atmosphärisch, ein so einmaliges Klangbild darf sie mit ihrem Zweitwerk gern auf eine Stunde auswalzen.
39
2017-05-19 05:58:22 Uhr
wieso jibgt es eijentlich alles op youtub?

Waldorfschule 1995/96 (11. Klasse)
2017-05-19 05:56:45 Uhr


Eure Ø-Bewertung: 6/10

Armin

Postings: 8688

Registriert seit 08.01.2012

2017-05-17 21:03:53 Uhr - Newsbeitrag


Frisch rezensiert. "Album der Woche"!

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