Clearlake - Cedars

Clearlake- Cedars

Domino / Zomba
VÖ: 24.02.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Strandjungs

Bisher war Brighton einsetzend mit ersten Sonnenstrahlen alljährlich das Mekka der britischen Badefreunde. Der Rest Europas mußte sich jedoch lange an den Gedanken gewöhnen, daß nördlich unserer sowieso schon viel zu wenig temperierten Nordseeküste noch Menschen freiwillig ins Meerwasser springen. Doch langsam, aber sicher dürfen die Stadtväter die Referenzliste ihres Küstenstädtchens um eine Attraktivität bereichern, welche dem Europäer vielleicht eher glaubhaft erscheinen dürfte: Brighton bekommt eine Musikszene. Zwei der Rädelsführer dieser rotzigen, musikalischen Kleinstszene im britischen Badeort setzen ihre Affinität zum flüssigen Element auch in der Namensgebung um: British Sea Power und eben Clearlake, die mit "Cedars" den Nachfolger zum von Kritikern innig gemochten "Lido" veröffentlichen.

Im Unterschied zum Erstling jedoch klingen die Briten auf Cedars ab und an sehr gedrosselt. Erster Song und gleichzeitig Singleauskopplung ist "Almost the same". Ruckartig schrammeln die Gitarren los, ein Keyboard döst vor sich hin, und Sänger Jason Pegg nölt ganz im Stile eines Evan Dando "You're almost the same as me". Parallelität, das ist hier wohl das Stichwort: Clearlake haben brav zugehört beim Manchester-Rave, beim Britpop und irgendwie bei allem, was die Insel jemals die Insel Richtung Festland verlassen hat. Jarvis Cocker und Pulp lassen grüßen ("Trees in the city"), Blur sind selbstverständlich mit dabei ("Can't feel a thing"), und auch Coldplay reden irgendwie ein Wörtchen mit ("Keep smiling"). Vorläufiger kleiner Höhepunkt ist der unbescheidene Wunsch "I'd like to hurt you", bei dem sich Stimme und Stimmung hervorragend ergänzen.

Meist bleiben solche musikalischen Kleinode im positiven Sinne eigenartig. Das ist wohl der Verdienst des Sängers Jason Pegg, dessen bittersüßes Organ leidvoll zwischen Wut und Vergessen schwankt. Schade nur, daß bei den ersten Durchgängen nichts so richtig haften bleiben mag. Zwar hat man solche Klänge auf diese Art noch nicht gehört, und dennoch sind sie nichts, was man seiner Oma aufs Tape mixen würde. Ich erinnere mich: Das letzte Clearlake-Album wußte erst nach mehrmaligem Konsum in einer Londoner Badewanne richtig zu gefallen. Vielleicht kann solche Musik ja wirklich nur in Verbindung mit H²O genossen werden. Bis zu diesem Selbstversuch wird Brighton wohl auch weiter zuallererst Seebad und nur in zweiter Instanz die Heimat von Clearlake, der Electric Soft Parade und British Sea Power sein.

(Sebastian Peters)

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Highlights

  • Almost the same
  • I'd like to hurt you
  • Keep smiling

Tracklist

  1. Almost the same
  2. The mind is evil
  3. Wonder if the snow will settle
  4. Can't feel a thing
  5. I'd like to hurt you
  6. Come into the sarkness
  7. Just off the coast
  8. Keep smiling
  9. It's all too much
  10. Treat yourself with kindness
  11. Trees in the city

Gesamtspielzeit: 42:23 min.

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