The Younger Lovers - Young brothers

The Younger Lovers- Young brothers

Southpaw / Redeye
VÖ: 07.04.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

In Szene gesetzt

Eine solche Geschichte hätte bei "VH1 storytellers" sicher bestens funktioniert. Eines Tages hatte Multitalent Brontez Purnell – seines Zeichen unter anderem Musiker, Schauspieler, Autor und Tänzer – Bock auf ein kleines Techtelmechtel zu dritt. Mit dabei waren der junge Mann, auf den er stand und dessen Schwarm: Möglicherweise nicht unbedingt die emotional günstigste Konstellation, dachte sich Purnell, versuchte das Eis zu brechen und fragte den vermeintlichen Nebenbuhler nach dessen Lieblingsband. Die eigentlich doch harmlose Antwort "Modest Mouse" führte zu sofortigem Erektionsverlust und damit zum Abbruch des bevorstehenden Dreiers. Eine gute Sache hatte das kleine Unglück dennoch – es diente als Inspiriation für den Song "Poseur" von Purnells neuem musikalischen Streich.

"Young brothers", das vierte Album seines Projekts The Younger Lovers, entstand erstmals seit zehn Jahren mit vollwertiger Band. Purnell, der in der Bay-Area-Gegend bereits in diversen Kollektiven wie Panty Raid und Gravy Train zu hören war, entfernt sich darauf von seinen bisherigen Ausflügen in Lo-Fi-Gefilde, erinnert aber dennoch immer wieder an seine DIY-Punk-Helden wie etwa Crimpshrine und Bikini Kill. Und an TV On The Radios very own Tunde Adebimpe: Tatsächlich sorgt die stimmliche Ähnlichkeit zu dem Frontmann der New Yorker Indie-Rocker stellenweise für großes Erstaunen. Im bereits erwähnten Ohrwurm "Poseur" wirkt diese Mischung aus Schnodderigkeit und Soul ungemein verführerisch, während das stürmische "Lone skater ghost" ordentlich an Tempo zulegt und "A song for my nephew Ethan" nicht nur für den besungenen Neffen eine näselnde Hommage ist, sondern vor allem auch an den Pop-Punk der Neunzigerjahre.

Wie gut Purnell und seine beiden Kollegen sich in genau jener Szene daheim fühlen, wird auf "Young brothers" immer wieder deutlich, sind es doch vor allem auch die melodiöseren Stücke, die mitunter am besten funktionieren. So täuscht die unbeschwerte Atmosphäre vom klaren Album-Highlight "Whiskey and water" fast über den bittersüßen Text hinweg, und das mehrstimmig vorgetragene und im Verlauf immer chaotischer werdende "Forgive me, Phillip" muss sich am Ende nun wirklich für gar nichts mehr entschuldigen. Etwas düsterer und melancholischer gibt sich "Ballad of two stubborn men", erneut eine vom Liebeskummer motivierte Nummer, die in der Zeile "If you let me down, let me down easy" mit einfachen Worten wohl alles zusammenfasst, was es zu sagen gibt. Purnell ließ vor kurzem in einem Interview verlauten, dass sein eigener Antrieb aus der Angst davor entsteht, in Vergessenheit zu geraten. Mit "Young brothers" hat er genau diesem Umstand auf mindestens bemerkenswerte Weise entgegengewirkt.

(Jennifer Depner)

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Highlights

  • A song for my nephew Ethan
  • Ballad of two stubborn men
  • Whiskey and water

Tracklist

  1. Tight fade
  2. A song for my nephew Ethan
  3. Gladys Horton
  4. Poseur
  5. Ballad of two stubborn men
  6. Lone skater ghost
  7. Whiskey and water
  8. Call on you
  9. Web in front
  10. If you send for me
  11. Forgive me, Phillip
  12. What are you wanting for

Gesamtspielzeit: 30:27 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
oh
2017-05-18 10:04:57 Uhr
oh, habe die mit den Modern Lovers verwechselt. :(

Armin

Postings: 10586

Registriert seit 08.01.2012

2017-05-17 21:07:44 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

Meinungen?


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