Various Artists - Resistance radio: The man in the high castle

Various Artists- Resistance radio: The man in the high castle

Columbia / Sony
VÖ: 07.04.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 5/10

Verboten gut

Widerstand gegen ein faschistoides Regime. Nein, das wird erst einmal keine neuerliche Abrechnung mit der gegenwärtigen Stimmung in den USA, sondern tatsächlich dient die zweite Staffel der Erfolgsserie "The man in the high castle" als Inspiration. In dieser aufwändigen Amazon-Original-Produktion, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Philip K. Dick, haben die Nazis den Zweiten Weltkrieg nicht verloren, sondern teilen sich mit den Japanern die ehemaligen Vereinigten Staaten in die "Japanese Pacific States" an der West- und das "Greater Nazi Reich" an der Ostküste auf. Eine alternativ-historische Dystopie also, für die Danger Mouse und Sam Cohen Klassiker der Fünfziger- und Sechzigerjahre neu interpretieren lassen.

Wer um die Werkschau der Produzenten weiß, den wundert die Interpreten-Liste mit ausgesprochen namhaften Künstlern wie unter anderem Beck, Michael Kiwanuka, Norah Jones und Sharon Van Etten nicht. Letztere darf den Reigen mit einer leider recht unspektakulären Version des Skeeter-Davis-Song "The end of the world" eröffnen – Gamer werden das Original aus dem Spiel "Fallout" kennen. Spannender ist die Version von Nat King Coles "Nature boy", dessen verspielte Jazz-Lieblichkeit durch die roughe Herangehensweise von MGMT-Sänger Andrew VanWyngarden in psychdelische Rock-Gefilde überführt wird. Beck hatte schon auf seinem "Mutations"-Album von 1998 Erfahrungen mit Neu-Interpretationen gesammelt und auf "Sea change" die traurigste Version überhaupt von "Lonesome tears" aufgenommen. Dem Elvis-Presley-Song "Can't help falling in love" nimmt er den Schmalz weg, fügt mit Streichern und Chor-Gesang eine betrübte Komponente hinzu und erstarrt dann doch zu sehr in Ehrfurcht. Auch Benjamin Booker, Angel Olsen und Cohen selbst verpassen die Chance, sich zu beweisen. Michael Kiwanuka gelingt hingegen mit dem Traditional "Sometimes I feel like a motherless child" wahrhaft Großes. Der Song ging schon durch mehrere Hände, sowohl als Gospel als auch als Protest-Song, aber so hoffnungslos und traurig klang er wohl selten.

Als Cover-Compilation wird "The man in the high castle" nie den kommerziellen Erfolg von Tom Jones' "Reload" erreichen. Fun fact: Auch auf diesem Werk ist die Interpretation von "Motherless child" der große künstlerische Höhepunkt. Doch Danger Mouse und Cohen wollten ohnehin kein Hit-Album schreiben, sondern ihre Idee einer Playlist für den in der Serie tatsächlich stattfindenden Piraten-Sender "Resistance radio" realisieren. Hier findet der Untergrund sein Sprachrohr, hier wird die von dem Regime verbotene Musik gespielt – Blues, Gospel, Jazz und R'n'B. Um dem Ganzen noch mehr Authentizität zu verleihen, kann man sich auf www.ResistanceRadio.com das komplette Radio-Programm anhören, samt sarkastischen oder aufrüttelnden Moderationen der Radio-DJs. Was anfangs nur als Hobby-Projekt eines Serienjunkies und seines Freundes entstanden ist, bekommt durch den Gegenwarts-Aspekt plötzlich eine düstere Bedeutung. Auf diese kostenlose Promotion hätten die beiden bestimmt gerne verzichtet. "A psychotic world we live in / The madmen are in power / How long have we known this, faced this?", fragt sich eine Figur in der Buchvorlage, die bereits in den Sechzigern veröffentlicht wurde. The times they are not a-changin'.

(Rinko Heidrich)

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Highlights

  • Nature boy (Andrew VanWyngarden)
  • Sometimes I feel like a motherless child (Michael Kiwanuka)

Tracklist

  1. The end of the world (Sharon Van Etten)
  2. Nature boy (Andrew VanWyngarden)
  3. Can't help falling in love (Beck)
  4. Spoonful (Benjamin Booker)
  5. The house of the rising sun (Sam Cohen)
  6. A taste of honey (The Shins)
  7. Who's sorry now (Angel Olsen)
  8. Speaking of happiness (Waterstrider)
  9. Sometimes I feel like a motherless child (Michael Kiwanuka)
  10. Love hurts (Grandaddy)
  11. Lonely mound of clay (Big Search)
  12. I only have eyes for you (Kevin Morby)
  13. Who's lovin' you (Kelis)
  14. Unchained melody (Norah Jones)
  15. Lead me on (Curtis Harding)
  16. All alone am I (Maybird)
  17. Living in a trance (Karen O)
  18. Get happy (Sam Cohen)

Gesamtspielzeit: 49:48 min.

Referenzen

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