Helene Fischer - Helene Fischer

Helene Fischer- Helene Fischer

Polydor / Universal
VÖ: 12.05.2017

Unsere Bewertung: 2/10

Eure Ø-Bewertung: 3/10

Gnadenlos

Unterwerfung. Dieses Wort geisterte dem Rezensenten durch den Kopf, als er das neue Helene-Fischer-Album zum ersten Mal hörte. Ganze 24 Songs enthält die Deluxe-Version des lang erwarteten Longplayers. Mehr Helene für alle! Angesichts der großen Zeitspanne, die seit "Farbenspiel" vergangen ist, für Fans der in Russland geborenen Sängerin und Entertainerin sicherlich ein Grund zur Freude. Alle anderen sollten sich schon einmal nach Scheuklappen und Ohropax umsehen, denn Fischers neue Songs werden in den nächsten Monaten überall sein. Im Radio und im Fernsehen, in Stadien, Supermärkten und Bahnhofsklos. Die Maschine läuft wieder.

Doch wie nähert man sich einem Album, dessen Musik die Emotionalität eines Reinraumes ausstrahlt? Gehässigkeit und Kalauer sind verboten, denn gehässig sein und kalauern kann jeder. Volle Konzentration auf das, was zu hören ist, lautet die Devise. Eine gewisse Eingängigkeit kann man den zahlreichen Uptempo-Stampfern nicht absprechen. Zwar klingen die omnipräsenten Synthies so, als schrieben wir immer noch das Jahr 2006, die gnadenlose Effizienz der ganz auf große Arenen getrimmten Kompositionen verdient jedoch Anerkennung. Tracks wie "Flieger" oder "Nur mit Dir" folgen einem simplen Schema: ein bisschen Wabern und Blubbern in den Strophen, Trommelwirbel in der Bridge, emotionsgeladene Schnappatmung in den Refrains.

Da ist es beinahe schockierend, wenn in "Herzbeben" plötzlich kühle Electrobeats aus den Lautsprechern tröpfeln. Ganze 30 Sekunden hält die Spannung an, ehe ein kreuzfideler Uffta-Uffta-Rhythmus die Regie übernimmt. "Herzbeben / Lass uns leben / Wir wollen was erleben / Herzbeben fordert Herz / Lass es beben, beben / Herzbeben / Lass uns durch die Decke heben", jubiliert Fischer, und dem Hörer bleibt nur die Kapitulation. Harmonisch werden dabei gängige Klischees bedient, überraschende Akkordwechsel sind Mangelware. Dass die Songwriter hinter dem Megastar überwiegend auf Nummer sicher gehen, verwundert kaum und ist gleichzeitig Sinnbild für den in Sterilität erstarrten deutschen Mainstream-Pop. Dabei zeigen international erfolgreiche Künstlerinnen seit Jahren, dass Massenerfolg und musikalischer Einfallsreichtum sich nicht per se ausschließen.

Auch thematisch bewegt sich "uns Helene" in sicheren Fahrwassern. Den Moment leben, das Glück zu zweit finden, die Nacht zum Tag machen, auf das Herz hören. "Menschen, Leben, Tanzen, Welt" lässt grüßen. Fischer meistert hierbei auch große Tonsprünge mit Leichtigkeit, die Darbietung der Sängerin als "professionell" zu bezeichnen, greift fast noch zu kurz. Alles ist derart perfekt, dass nach einigen Tracks ein Ermüdungseffekt einsetzt. Doch die Maschine kennt keine Gnade. Selbst die balladesken Verschnaufpausen wurden bis zur Unkenntlichkeit aufgeplustert. Was in besseren Momenten nach Disney-Soundtracks klingt, weckt meist eher Erinnerungen an unsägliche Heulbojen der Kategorie Dion. Sogar der intimste Moment "Du hast mich stark gemacht", der Fischers Mutter gewidmet ist, wird im Keim erstickt.

Auch niedere Instinkte werden bedient. Besonders "Das volle Programm" steht in Tradition großer Interpreten wie Mickie Krause oder Jürgen Drews. Helene Fischers künstlerische Identität liegt in völliger Identitätslosigkeit. Selbst bessere Songs wie "Dein Blick" müssen so das Schicksal des Rohrkrepierers erleiden. Je länger "Helene Fischer" läuft, desto sinnloser erscheint das Anschreiben gegen das Unvermeidliche. Immerhin gibt es bei den Echo-Verleihungen der nächsten Jahre wenig Diskussionsstoff. Eines Tages wird man die Ära Merkel in einem Atemzug mit der Ära Fischer nennen. Zufall? Sicherlich nicht. Jedes Land bekommt den Superstar, den es braucht. Ob es das auch verdient hat, darf jeder selbst entscheiden.

(Christopher Sennfelder)

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Highlights

  • Dein Blick

Tracklist

  • CD 1
    1. Nur mit Dir
    2. Sonne auf der Haut
    3. Wenn du lächelst
    4. Flieger
    5. Herzbeben
    6. Wir zwei
    7. Schon lang nicht mehr getanzt
    8. Viva la vida
    9. Mit dem Wind
    10. Wir brechen das Schweigen
    11. Gib mir Deine Hand
    12. Du hast mich stark gemacht
  • CD 2
    1. Achterbahn
    2. Das volle Programm
    3. Ich wollte mich nie mehr verlieben
    4. Lieb mich dann
    5. Die schönste Reise
    6. Schmetterling
    7. Dein Blick
    8. Mit jedem Herzschlag
    9. Sowieso
    10. Genau mein Ding
    11. Weil Liebe nie zerbricht
    12. Adieu

Gesamtspielzeit: 86:43 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
14/2
2017-05-23 19:03:09 Uhr
Ja, hihihi ;)

Paninaro

Postings: 51

Registriert seit 12.05.2017

2017-05-23 19:01:30 Uhr
Mich auch.

Schade das du es nicht so gut hast ;-)
14/2
2017-05-23 18:59:00 Uhr
Schön Paninaro, das freut mich wirklich.

Paninaro

Postings: 51

Registriert seit 12.05.2017

2017-05-23 18:58:08 Uhr
@14/2: Ich komme super mit mir klar, hab einen vorzüglichen Musikgeschmack und bin im Angestellten-Verhältnis.
14/2
2017-05-23 18:40:56 Uhr
Mit Tupperpartys verdient man allerdings nur ein Bruchteil dessen, was man mit dummer, fröhlicher Bumsmusik verdienen kann. Ich würde Helene Fischer mal mit eurem lächerlichem Musikverständnis in Ruhe lassen, denn darum geht es hier gar nicht. Die Frau ernährt mit dieser "Musik" ihre Familie, ihr Management und die ganze große Helene Fischer GmbH, während ihr schon mit euch selbst nicht klar kommt. Also bitte...
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