Electric Moon - Stardust rituals

Electric Moon- Stardust rituals

Sulatron / Broken Silence
VÖ: 07.04.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Weltallgegenwärtig

Wie wir alle wissen, entfaltet im Kontext örtlicher Gegebenheiten Live-Musik seine Wirkung auf ganz besondere Art und Weise. Deshalb spielten Sigur Rós in einer Höhle, Metallica im Knast, und die hiesigen Krautrocker von Electric Moon in einem Planetarium. Dazu veröffentlichten sie letztes Jahr den Mitschnitt "Zeiss Planetarium Bochum 2015 (live)". Die Zuhörer atmeten dabei den allgegenwärtigen Kosmos und schnupperten den magischen Sternenstaub, den die Hessen auch dieses Jahr auf ihrem mittlerweile fünften Studio-Album "Stardust rituals" verstreuen. Und diese Substanz hat es in sich: Vier ausufernde und vor Psychedelik strotzende Tracks, Improvisation verschmilzt mit Songwriting, tiefes Verständnis für musikalische Dramaturgie. Immer wieder blühen diese vertonten LSD-Trips auf, entfalten sich in schillernden Farben, fallen wieder zusammen, bevor es wieder von vorne losgeht. Das Ziel ist die Unendlichkeit – und zwar nicht erst beim über 20 Minuten schweren Schlusslicht "(You will) live forever now".

Pastorale Orgelklänge im Stil von Pink Floyd eröffnen das getragene "The loop". Bei den einsetzenden Vocals von Sängerin und Bassistin Komet Lulu, die dabei mit geschlossenen Augen ihre ätherischen Verse säuselt, wird am Flanger nicht gespart. Gegen Hälfte des Songs steigert sich der Rhythmus von Drummer Marcus Schnitzler. Klang-Architekt, Produzent und Multi-Instrumentalist Dave Schmidt alias Sula Bassana tobt sich auf dieser Grundlage aus, die Gitarreneffekte überschlagen sich, wirken aber niemals unkontrolliert oder gar fehl am Platz. "Stardust (The picture)" beginnt mit einem mächtigen Doom-Riff, was zwar das Tempo zurückschraubt, aber dabei nichts an atmosphärischer Dichte einbüßt. Der Song ist gut gereift – immerhin wurde er bereits 2014 aufgenommen und ist als Instrumental auf diversen Live-Alben erschienen. Über dem verzerrten Bass türmen sich knarzende und flirrende Noise-Schichten auf, die schwebenden Vocal-Overdubs thronen obenauf.

Von der singenden Sitar bei "Astral hitch hike" bis zum grummelnden Fuzz-Bass bei "Stardust (The picture)" – hier überschlägt sich das Neo-Psychrock-Herz. Bei all der grundlegenden Monotonie meistern es Electric Moon, die vibrierende Spannung stets aufrecht zu halten. Trotz der ausladenden Jam-Orgien wird nicht am Hörer vorbei-improvisiert. Dahinter steckt natürlich auch Methode: "Stardust rituals" beschreibt einen kosmischen Zustand, bei dem nichts und niemand verloren geht. Ähnlich verhält es sich mit der musikalischen Energie: Alle Signale, die in den Orbit des Zuhörers gesendet werden, führen auch wieder zurück und verklingen im Universum, wo sie schließlich auch das beste Teleskop nicht mehr erreicht. Außer vielleicht das im Bochumer Planetarium.

(Felix Mildner)

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Highlights

  • Stardust (The picture)
  • (You will) live forever now

Tracklist

  1. The loop
  2. Stardust (The picture)
  3. Astral hitch hike
  4. (You will) live forever now

Gesamtspielzeit: 45:42 min.

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alterniemand

Postings: 1231

Registriert seit 14.03.2017

2017-05-13 19:54:43 Uhr
Geiler Scheiß
Hab mir sofort ne Karte für Oktober im Planetarium Bochum gesichert. Ich vermag mir nicht vorzustellen wie großartig diese Art Mucke in Verbindung mit den Bildern kommen wird

The MACHINA of God

Postings: 16435

Registriert seit 07.06.2013

2017-05-11 21:00:43 Uhr
Aaaalter ist das gut.
Arbeiter
2017-05-11 20:06:20 Uhr
Ein tolles Album, das die Zeitlosigkeit psychedelischen Rocks aufs Neue bestätigt.

The MACHINA of God

Postings: 16435

Registriert seit 07.06.2013

2017-05-11 14:47:29 Uhr
Shit, das klingt nach was für mich.

Armin

Postings: 15449

Registriert seit 08.01.2012

2017-05-11 14:35:48 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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