Coldcut x On-U Sound - Outside the echo chamber

Coldcut x On-U Sound - Outside the echo chamber

Ahead Of Our Time / GoodToGo
VÖ: 19.05.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Bläschen-Schwäche

Die Ausweitung der Komfortzone läuft. Deswegen bitte nicht stören. Denn im eigenen Filterbläschen lässt es sich ja nur zu gut aushalten. Aber manchmal braucht es eben den Impuls von außen für große Ideen. Für das am Indie-Rock geschulte Ohr könnte "Outside the echo chamber" von den Voraussetzungen her genau jener Störer sein, der am Ende des Tages allerlei Ertrag abwirft. Einen kurzen Ausflug in die Musikgeschichte braucht es an dieser Stelle aber: Coldcut gelten als wichtiger Teil des britischen Elektro, lieferten wichtige Beiträge zu Techno wie House und gründeten das heute legendäre Label Ninja Tune. Adrian Sherwood ist Chef des für den Dub essentiellen Labels On-U Sound. Die Pressemitteilung beschwört direkt im zweiten Satz die obligatorische Supergroup, die sich für dieses Album zusammengetan haben soll. Jeder, wie er sich eben wohlfühlt.

Bass und Dub geben entsprechend die Stimmung vor. "Divide and rule" fährt mit Lee 'Scratch' Perry die nächste Legende auf. So richtig fügt sich der Track aber nicht. Zwar liegen da ein paar nette Loops im Argen, aber die Orgel taumelt ziemlich ungelenk durch den Rhythmus. Mit Junior Reid gibt es dazu einen Gast mit fragwürdigen Ansichten zum Thema gleichgeschlechtliche Liebe. Glückwunsch, das Vorurteil gegenüber dem eigenen Genre wird so gleich mit dieser Feature-Wahl bedient. Und nein, das muss man nicht akzeptieren. Musikalisch machen Sängerin Ce’Cile und Produzent Toddla T in "Make up your mind" den wesentlich besseren Job. Der ganze Track verharrt nicht in Konventionen, sondern verknüpft Dub und Dancehall mit Pop. Aus Bass und Beats entwickelt sich so ein entspannter Groove. Der Auftritt von Roots Manuva verbindet die Genre-Strukturen hingegen munter mit futuristischeren Sounds aus Grime und Jungle. Im Albumformat lässt sich "Outside the echo chamber" so entweder als unentschlossen oder als abwechslungsreich bezeichnen - man darf es sich offenbar aussuchen.

Zum Abschluss gibt es dann alle Beiträge mit Features noch einmal in Dub-Versionen. Teilweise legen Coldcut und Sherwood die Instrumentals lediglich tiefer und geben den einen oder anderen Effekt hinzu. In "Make up your mind" rücken die Bläser etwa deutlicher in den Vordergrund, die Strukturen lösen sich wieder etwas. Bei "Vitals" dagegen fehlt offenbar einfach nur Roots Manuva, was dem Track nicht besonders gut bekommt. Überhaupt mögen hier allerlei Namen der Musikgeschichte mitwirken, doch das macht aus "Outside the echo chamber" noch kein gutes Album. Tricky mit South Rakkas Crew und Diplo haben für die Breitenwirkung von Dancehall in den letzten Jahren viel getan, die Stilrichtung hat sich deutlich anderen Einflüssen geöffnet und so auch auf Dub abgefärbt. Davon findet sich auf diesem Album aber nichts. Kenner des Genres wird das vermutlich nicht stören. Weder Dub noch Reggae zeichneten sich ja jemals durch große Innovationsfreude aus. Schlussendlich fehlt hier jedoch ziemlich viel, um irgendwen hinter der Couch hervorzulocken. Dann lieber wieder Komfortzone.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Vitals (feat. Roots Manuva)
  • Make up your mind (feat. Ce'Cile & Toddla T)

Tracklist

  1. Vitals (feat. Roots Manuva)
  2. Metro
  3. Everyday another sanction (feat. Chezidek)
  4. Make up your mind (feat. Ce'Cile & Toddla T)
  5. Aztec riddim
  6. Kajra mohobbat wala (feat. Hamsika Iyer)
  7. Divide and rule (feat. Lee 'Scratch' Perry, Junior Reid & Elan)
  8. Make up your mind (feat. Elan)
  9. Robbery (feat. Rholin X)
  10. Livid hip hop
  11. Vitals (Dub) (feat. Roots Manuva)
  12. Everyday another sanction (Dub) (feat. Chezidek)
  13. Make up your mind (Dub) (feat. Ce'Cile & Toddla T)
  14. Kajra mohobbat wala (Dub) (feat. Hamsika Iyer)
  15. Divide and rule (Dub) (feat. Lee 'Scratch' Perry, Junior Reid & Elan)
  16. Robbery (Dub) (feat. Rholin X)

Gesamtspielzeit: 54:44 min.

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