The Bangles - Doll revolution

The Bangles- Doll revolution

Down Kiddie / Liberty / Capitol / EMI
VÖ: 03.03.2003

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Puppenspiele

Oh, oh! Jetzt bloß nicht sentimental werden. Es sind doch nur die Bangles, die sich wieder zusammengetan haben. Nur die Bangles. Kaum zu glauben, daß ich das tatsächlich eben geschrieben habe. Susanna Hoffs, Michael Steele, Debbi und Vicki Peterson - genau die vier Frauen, die Mitte der Achtziger zeigten, daß auch gitarrenhaltende Mädels durchaus zupacken können. Die hinter jeder ihrer damals so faszinierend wirkenden Kurven eine Wagenladung Ohrwürmer versteckten und plumpe Erotik dennoch raffiniert auf Abstand hielten. Die mit Songs wie "Manic monday", "Be with you" oder "Walk like an Egyptian" die Begleitung durch so manche Pubertät waren. Die Truppe mit der alles überstrahlenden Edelschnulze "Eternal flame", von der man nachsagt, Susanna hätte diese Hymne damals splitterfasernackt im abgedunkelten Studio eingesungen, um das richtige Gefühl zu bekommen. Genau diese Bangles gibt es jetzt wieder. Da darf man ruhig mal etwas schmachten.

Und kaum haben die feuchten Finger "Doll revolution" in den Player geschoben, schleicht sich ein Lächeln heran. Einen leckeren New-Wave-Stomper hat ihnen da der gute Elvis Costello mit "Tear off your own head (It's a doll revolution)" auf die noch immer ansehnlichen Leiber geschrieben. Es scheppert fröhlich, und die streichzarten Harmoniegesänge setzen einen aufreizenden Kontrapunkt. So darf es gerne weitergehen. Und mit dem grazilen "Stealing rosemary", das angenehm nach den Sechzigern duftet, tut es das auch. Dann plötzlich macht sich Ratlosigkeit breit: Die Comeback-Single "Something that you said" plätschert steril aus den Lautsprechern. Synthetische Harmlosigkeit, gestriegelt und gebügelt bis zur Identitätslosigkeit. Nun hatten die Bangles solchen auf Hochglanz polierten Pop zwar schon immer dabei, steckten aber bei aller Eingängigkeit immer genügend Herzblut in ihre Musik. Man denke nur an die "Eternal flame"-Anekdote. Und dann so etwas?

Der Schreck sitzt tief. Und so kann auch die süßliche Debbi-Ballade "Ask me no questions" nichts weiter als begeisterungsfrei zu verpuffen. Langsam lichtet sich der Nebel der Nostalgie, und das Ohr des Kritikers wird aufmerksamer. Zum Glück bleiben mißratene Zugeständnisse an den Zeitgeist die Ausnahme. Stattdessen zeigen die Bangles einmal mehr, was sie damals schon ausgemacht hatte: mit hörbarer Leichtigkeit dahingezauberte Songs wie "The rain song" oder "Here right now", handgemachter Folkrock, hübsch anzuhörende Popstückchen. Überhaupt ist ja hübsch auf "Doll revolution" das richtige Stichwort. Vickys Gitarre verbreitet noch immer den guten alten "jingle jangle sound", von dem uns schon Onkel Bob sang, die himmlischen Chöre der vier nicht mehr allzu jungen Mädels gehen weiterhin unter die Haut, und Susannas unschuldiges Hauchen macht auch im Jahre 2003 potentiellen Kitsch wie "I will take care of you" zu wirklich angenehmem Gesäusel.

Doch in den immerhin fünfzehn Songs, die die Damen nach ihrer gut zehnjährigen Pause zusammenbekommen haben, finden sich neben allerlei Nettigkeiten zu wenige echte Aufhorcher. Die kokette Jungmädchen-Unschuld wirkt bisweilen etwas aufgesetzt. Wie auch immer gekonnt die Platte klingt und damit stets durchscheinen läßt, was die Bangles damals zur wichtigsten Ladies-Band im Jahrzehnt des Plastiks und der Neonröhre machte - irgendetwas fehlt. Zu oft vermißt man den alten Zauber, zu selten pocht das Herz wieder so wie damals bei "In your room" oder "Following". Und wenn am Ende das durchaus ergreifende "Grateful" mit seinen erdigen Lagerfeuer-Mantras verhallt ist, wirkt es doch nur wie eine ferne Erinnerung an glorreiche Zeiten.

(Oliver Ding)

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Highlights

  • Tear off your own head (It's a doll revolution)
  • Stealing rosemary
  • I will take care of you
  • Grateful

Tracklist

  1. Tear off your own head (It's a doll revolution)
  2. Stealing rosemary
  3. Something that you said
  4. Ask me no questions
  5. The rain song
  6. Nickel Romeo
  7. Ride the ride
  8. I will take care of you
  9. Here right now
  10. Single by choice
  11. Lost at sea
  12. Song for a good son
  13. Mixed messages
  14. Between the two
  15. Grateful

Gesamtspielzeit: 59:46 min.

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