Incubus - 8

Incubus- 8

Island / Universal
VÖ: 21.04.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Another shade of green

"Where'd my heroes go? / Did they change or did I?" Danke erst mal an Brandon Boyd für diesen wahrlich inspirierenden Einstieg für die vorliegende Rezension. Ist immer schön, wenn man sich selbst nicht so viele Gedanken machen muss, wie man an ein Thema herangeht. Dazu noch einen alten Hit leicht verändert als Überschrift aufgewärmt mitgenommen. Der Albumtitel des ersten Incubus-Albums nach knapp sechs Jahren hilft auch beim Texten. "8". Achte Platte, klar. In der Hinsicht sind die schon mal ähnlich arbeitsscheu wie der Rezensent. Das Cover zeigt denn auch nicht mehr als genau diese Zahl samt Bandnamen vor schwarzem Hintergrund. Was sagt das also über das finale Produkt aus? "Back to basics", könnte man jetzt meinen, so nach der hübschen, aber doch eintönigen Balladenschau "If not now, when?". Oder auch: "Boah, wie einfallslos." Und beide Male hätte man recht.

Das Problem ist nicht, dass gleich der erste Track "No fun" heißt. Sondern, dass er ein ziemliches Plagiat des eigenen "Make a move" ist. Das ist dann zwar gut hörbar, aber aufgrund der leicht angezogenen Handbremse auch ein bisschen überflüssig. Besser gehen da schon die ersten Vorabsongs "Nimble bastard" und "Glitterbomb" rein. Ersterer ist ein auf Spaß getrimmter Hüpfer, zweiterer ein hübsch vertracktes Stück Musik mit einbohrender Refrainzeile. Zwei Sachen werden allerdings hiernach spätestens deutlich. Zum einen, dass zwar die verzerrten Gitarren wieder da sind, aber richtig ungestümes Rocken hier nicht stattfindet – trotz dem auf der "Trust fall"-EP von 2015 angedeuteten Rückbesinnen auf härtere Klänge. Und zum anderen, dass irgendjemand die Produktion von "8" so richtig verbockt hat. Unfassbar pappige Drums, zu omnipräsente Vocals, Gitarrenmatsch mit Loudness-Soße. Ob es an der Beteiligung des Dubstep-Masterminds Skrillex lag, der für fast alle Songs als Mixer oder Produzent aufgeführt ist?

So dümpelt Incubus' achter Longplayer einige Songs lang in gewohntem und gesichertem Territorium herum, ohne an ihre Hits anzuschließen. Kein neues "Anna Molly" oder "Megalomaniac", eher Incubus auf Autopilot – was zugegeben immer noch besser ist als viele andere Platten. Aus der Kurve gerät es leider mit dem furchtbar sülzigen "Loneliest". Der, ähem, Dark Pop von Dredgs Machwerk "Chuckles and Mr. Squeezy" ist nun wirklich das letzte Vorbild, welches man sich nehmen sollte. Das Glätteisen war offenbar nicht nur bei der neuen Frisur von Incubus-Gitarrist Mike Einziger am Werk. "Familiar faces" übt dreieinhalb Minuten lang die Suche nach einer Hook und findet nur gähnende Langeweile. Und dazwischen haben Incubus das einminütige "When I became a man" gesetzt. Ein What-the-fuck-Moment höchster Güte. Merkwürdiger Vintage-Sound, Boyd gibt den angetrunkenen Sinatra und haut Zeilen wie "She showed me how to shower / And I took that shower / [...] / That was the day I became a man" raus. Ein schlechter Witz, der die Albummitte noch weiter in den Abgrund zieht.

Dabei zeigen die finalen drei Songs doch, wie es hätte werden können. Lose sind diese zu einer Trilogie über Überwachung und digitale Welt verbunden. "Love in a time of surveillance" walzt sein "Kashmir"-Gedächtnis-Riff angenehm breit aus, im Kontrast gefallen die wiegenden Keyboardklänge in der zweiten Songhälfte. "Make no sound in the digital forest" sorgt als einziges Instrumental der Platte für einen schönen psychedelischen Comedown-Moment, bevor das schwungvolle "Throw out the map" mit einem ordentlichen Kick zum Ausgang drängt. Wäre das ganze Album mit ähnlich viel Kreativität gesponnen worden, hätte es überhaupt keinen Grund zur Enttäuschung gegeben. "8" ist stattdessen nichts Halbes und nichts Ganzes. Wenigstens spendieren Incubus per Dialog-Sample im Closer noch den passenden Abschluss für diesen Text: eine Standortbestimmung der Band. "Do you have any idea where we are right now?" – "I have no fucking idea."

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Nimble bastard
  • Love in a time of surveillance
  • Make no sound in the digital forest

Tracklist

  1. No fun
  2. Nimble bastard
  3. State of the art
  4. Glitterbomb
  5. Undefeated
  6. Loneliest
  7. When I became a man
  8. Familiar faces
  9. Love in a time of surveillance
  10. Make no sound in the digital forest
  11. Throw out the map

Gesamtspielzeit: 40:19 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Knochen-Jochen
2017-05-04 15:35:53 Uhr
Ziemliches Gurkenalbum. Was soll bspw. an "No fun" oder Nimble bastard" besonders sein? Das Album bietet fast durchgängig gähnend langweiligen Alternative Rock. Mit Wohlwollen 4/10.

Watchful_Eye

Postings: 803

Registriert seit 13.06.2013

2017-04-30 17:53:21 Uhr
Ich finde den Chuckles-Vergleich in der Rezi angemessen. Die von Keenan erwähnte höhere Variabilität der Stimme Boyds ist mir auch aufgefallen. Das fing auch schon bei der "If not now, when?" an.

Affengitarre

Postings: 1782

Registriert seit 23.07.2014

2017-04-29 19:40:36 Uhr
Bewertung kommt hin, leider ein sehr verzichtbares Album geworden. Die Produktion ist wie erwähnt unangenehm.

Felix H

Postings: 1655

Registriert seit 26.02.2016

2017-04-29 12:28:44 Uhr
Es bezog sich ja nur auf den Song "Loneliest", den ich mir ohne Probleme sowohl qualitativ als auch stilistisch auf der "Chuckles" vorstellen kann.

Jaggy Snake

Postings: 130

Registriert seit 14.06.2013

2017-04-29 08:53:26 Uhr
Sehe da auch keine Parallelen. Wobei: "Chuckles" ist auch beschissen gemixt/produziert ;-)
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