Bonnie 'Prince' Billy - Best troubador

Bonnie 'Prince' Billy- Best troubador

Domino / GoodToGo
VÖ: 05.05.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Vom Fallen, Fliegen und Flöten

Der unbekannte und größte Songwriter seiner Generation bringt ein Album raus – wieder einmal. Denn über mangelnde Produktivität konnte sich bei Will Oldham noch niemand beschweren. Es müsste die 18. Platte als Bonnie 'Prince' Billy sein. So wirklich den Durchblick zu behalten, fällt bei ihm schwer. Dieses Mal ist das Album eine Verneigung vor Merle Haggard, einem Countrysänger, den in Europa wohl die wenigsten Leute kennen. Und dessen Songs Bonnie 'Prince' Billy an die nächste Generation weitergeben will, nachdem das Vorbild an den Folgen einer Lungenentzündung im letzten Jahr starb. Die Karriere kurz zusammengefasst: Beim Einbruch erwischt, durch Zufall ins Gefängnis nach San Quentin gekommen, Johnny Cash gesehen, Gitarre gespielt, Musikgeschichte geschrieben. Denn kaum jemand prägte Country so wie Haggard in den Siebzigern. Und diesem Mann soll nun "Best troubador" eine Hommage sein.

Bonnie 'Prince' Billy suchte sich dabei seine persönlichen Lieblingsstücke aus dem Schaffen des Geehrten. Schon nach ein paar Titeln ist klar, warum Haggard den Beinamen "working man's poet" bekam. Denn im Gegensatz zu Oldham kehrte Haggard seine Innerlichkeit nie nach außen. Die Welt in seinen Texten auf diesem Album ist melancholisch und handelt von der Vergänglichkeit, jedoch sind die Worte nie pessimistisch oder destruktiv. Hier die Linie zu Oldhams eigenen Texten zu ziehen, fällt schwer, weil sich darin eher wenig von diesem Ansatz findet. Lediglich "I'm always on a mountain when I fall" könnte als Songtext auf einem Bonnie-'Prince'-Billy-Album seinen Platz finden.

Musikalisch bewegt sich "Best troubador" dann natürlich im Country, auch wenn die Slide-Gitarren hier eher dezent zum Einsatz kommen. Stattdessen gibt es Flöten und Klavier. Die Arrangements auf diesem Album sind oftmals sehr ausgefeilt und durchdacht. Oldham und seine Mitmusiker zogen sich für diese Atmosphäre in ein Heimstudio zurück, vielleicht schlägt das hier durch. Trotzdem bleiben leider zu wenige Melodien hängen. "If I could only fly" sticht dann heraus, weil es mal ein wenig unperfekt sein darf. Daneben steht dann "I always get lucky with you", das so poliert und abgerundet ist – es will bei diesem Song nicht zusammenpassen.

Als Hommage geht das schon. Doch irgendwie bleibt das Gefühl, dass hier vielleicht ein wenig mehr drin gewesen wäre. Oldham arbeite an diesem Projekt bereits einige Jahre, zwischenzeitlich stand es nach dem Tod Haggards wohl auf der Kippe. Und es fehlt vornehmlich ein Faden, irgendeine Idee, die sich hier durchzieht. Bonnie 'Prince' Billy covert einen seiner Lieblingskünstler. Mehr ist es nicht. Aber auch nicht weniger. Trotzdem strahlen die meisten Songs eine angenehme Wärme aus. Ob sie nun zu großen Folk-Songs werden, die kommende Generationen prägen, sei dahingestellt. Der Sänger konnte mit dem Ausgangsmaterial ja stellenweise nicht einmal dieses Album prägen. Oder um es mit Haggards Worten zu sagen: "Some of us fly, all of us fall." Oldham gehört definitiv zu Ersteren. Auch wenn er zwischendurch strauchelt.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • I'm always on a mountain when I fall
  • Nobody's darling
  • If I could only fly

Tracklist

  1. The fugitive
  2. I'm always on a mountain when I fall
  3. The day the rain comes
  4. Haggard (like I've never been before)
  5. I always get lucky with you
  6. Leonard
  7. My old pal
  8. Roses in winter
  9. Some of us fly
  10. Wouldn't that be something
  11. Pray
  12. Thats the way love goes
  13. Nobody's darling
  14. What I hate (excerpt)
  15. I am what I am
  16. If I could only fly

Gesamtspielzeit: 54:34 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
K-N-O-B-I
2017-04-29 12:33:26 Uhr
Ich würd lieber mal die Resi checken
Average Joe
2017-04-29 08:20:14 Uhr
Mal die Rezi checken, Fehler beheben, dann diesen Kommentar hier löschen.
Mori
2017-04-27 13:44:31 Uhr
Die Stimmung auf dem Album ist insgesamt eher gedeckt, aber dennoch verhältnismäßig aufmüpfig. Schlammfarben kommen einem da in den Sinn, und der Duft nach Eibenholz. Auch ein Geschmack liegt mir auf der Zunge, der Geschmack nach roten Zwiebeln und Himbeergelee. Ein Hammer von einem Album, um es mal in der Sprache der Berlin-Mitte-Hipster auszudrücken. 8.5/10
@Troubadix
2017-04-27 10:08:42 Uhr
Hals Maul!
Troubadix
2017-04-27 10:05:45 Uhr
Best troubadour, diesen Titel trägt er zurecht. Gibt es einen besseren?
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