The Afghan Whigs - In spades

The Afghan Whigs- In spades

Sub Pop / Cargo
VÖ: 05.05.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Wie die Karnickel

"Abgeklärt" ist ja nun so das letzte, was man Greg Dulli an Adjektiven entgegenwerfen würde. Seit nunmehr 20 Jahren netto Frontmann von The Afghan Whigs, krächzt, schreit, wispert und heult er sich knapp an der Existenzgrenze durch die leidenschaftlichen Songs, die mehr Soul haben, als so mancher Nachwuchs-Bühnenhopser sich je erdenken könnte. Und doch, irgendwie, seit sich die Truppe aus Ohio 2012 reformiert und etwas später mit dem gelungenen "Do to the beast" bewiesen hatte, war da trotzdem eine gewisse (Selbst-)Sicherheit und eben Abgeklärtheit dabei. Lässige Routine könnte man es nennen. Als ob man nach Jahren des Hungerlohns nun den Soundtrack zum eingeführten Mindestlohn vor sich hätte. Der Nachfolger "In spades" beschreitet ganz selbstbewusst den Pfad weiter und ist das wohl am dichtesten und bombastischsten arrangierte Album der Afghan Whigs. Hätten sie in den Neunzigern so locker einen von Ballade zu Shownummer und zurück pendelnden Track wie "I got lost" auf den Plan setzen können? Inklusive Piano, Backgroundchor und Pipapo? Unklar. Aber hier funktioniert es.

Den Fehler, "In spades" zunächst als zu glatt abzutun, könnte man hinterher noch bereuen. Nicht nur, weil irgendwann deutlich wird, dass Greg Dulli hier immer noch seine Seele in die Songs und seine Stimme oft genug neben die Töne legt. Sondern weil man eine ganze Menge verpasst. Dulli sagt zwar, dass sich die Entstehung von "In spades" wieder mehr angefühlt habe wie ein klassisches Bandalbum. Passt vom Resultat her aber doch eher auf das im Verhältnis fokussiertere "Do to the beast", denn bei "In spades" vermehren sich die Soundspuren wie Karnickel. Das sorgt dann für ein kurzes Orchester-Anschwellen im kuriosen Opener "Birdland", welcher in das absolut fantastisch umher tuckernde "Arabian heights" mündet. Drum Machine trifft auf Drums, die nächtlich schimmernde Gitarre in der Bridge auf einen großen Groove und Dulli wie immer auf seinen eigenen Dämonen. Dicker Aufstrich auch in "Oriole": Streicher, Pathos, Harmonie. Damit klarzukommen ist aber einfach.

Ausgerechnet der süßlichste Track gehört zu den Highlights. "Toy automatic" schleppt eine Positivität mit sich, die man den Afghan Whigs zuvor kaum zugetraut hätte. Die Bläser unterstreichen den Vorwärtsgang, schieben den Song von verhaltener Euphorie in eine energische Explosion. Zumindest lyrisch gibt sich Dulli auf diesem Album aber nach wie vor zweifelnd, klagend und lässt in "Copernicus" sogar die Weltungangsvision des ollen Nikolaus vom Stapel: "Listen in the distance / As the sky begins to fall / Raining down like crystalline / Apocalypse in thrall." Es geht also doch noch existenzialistisch. Und angesichts des geilen Saxofon-Solos von "The spell" oder dem standesgemäß pathetischen Closer "Into the floor", welcher sich aus einem Live-Jam des seligen "Milez iz ded" enwickelt hat, auch durchaus wild. Auch wenn hier also niemand wirklich wie damals auf "Congregation" oder "Gentlemen" um die Existenz ringt: "In spades" reißt trotzdem mit. Es ist ja nicht so, dass man mit dem Mindestlohn nicht mehr leiden könnte.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Arabian heights
  • Toy automatic
  • The spell

Tracklist

  1. Birdland
  2. Arabian heights
  3. Demon in profile
  4. Toy automatic
  5. Oriole
  6. Copernicus
  7. The spell
  8. Light as a feather
  9. I got lost
  10. Into the floor

Gesamtspielzeit: 36:20 min.

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The MACHINA of God

Postings: 8265

Registriert seit 07.06.2013

2017-06-29 10:28:51 Uhr
Echt heftig....
Jeanette
2017-06-28 21:29:42 Uhr
Klingt irgendwie nach alten Herren in Röcken, die Altherrenrock spielen. Nicht so mein Ding.

Felix H

Postings: 1685

Registriert seit 26.02.2016

2017-06-28 19:05:51 Uhr
Oh nein. :-/

Jennifer

Postings: 1365

Registriert seit 14.05.2013

2017-06-28 18:04:35 Uhr

The MACHINA of God

Postings: 8265

Registriert seit 07.06.2013

2017-06-17 15:10:23 Uhr
Oh, ich will auch.
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