The Good Life - Black out

The Good Life- Black out

Saddle Creek / EFA
VÖ: 15.11.2002

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Filmriß

Kippen die sich in Nebraska eigentlich irgendwas ins Trinkwasser? Nachdem Conor Oberst und sein verschrulltes Bright Eyes-Orchester im letzten Jahr mit ihrem "Lifted"-Album Meinungen, Herzen und manches Trommelfell spalteten, war natürlich auch der Weg für seine zahlreichen Kumpels freigeräumt. Schließlich haben auch die seit jeher Musik gemacht. In ähnlicher Schräglage, versteht sich. Aber erst jetzt, da Omaha auf die Musikweltkarte gehievt ist, hört man ihnen auch dabei zu. Wobei wie immer gilt: auf eigene Gefahr.

Tim Kasher ist also ein weiterer Kandidat aus dem illustren Kreis der Oberst-Spezis. Zwar hätte er sich sicherlich auch auf Karaoke-Contests mit Songs von The Cure einen hübschen Lebensunterhalt verdienen können, aber wenn man ein dringliches Anliegen hat, kommt das natürlich nicht in Frage. Stattdessen hat er - wie das beim "klein, aber oho"-Label Saddle Creek jeder macht - gleich zwei Bands gegründet und jetzt einen neuen Schwung hübscher Platten fertiggemacht. Mit unterschiedlichen Ergebnissen, natürlich. Während Cursive schon seit Jahren alles abfackeln, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, verlieren The Good Life nämlich selbst schon mal gern die Bodenhaftung. Space is the place.

Eine Orchester-Ballade wie "The new denial" mag zwar auf Augenhöhe mit Wolke sieben schwelgen, wer aber zu Zeilen wie "You die a little bit each time you smile" sein Kopfkissen befeuchtet, wird besagtes Örtchen natürlich nie erreichen. Ja, möchte man Kasher zuhören, kann es nicht schaden, sich eine Familienpackung Tempos zurecht zu legen. Auch schreckhafte Naturen sollten sich vorsehen, wenn "The beaten path" plötzlich zu fiepen und zu piepen beginnt oder "O'Rourke's 1:20 a.m." gar von ein paar Breakbeats aufgemischt wird. Diese Jungs aus Omaha schenken einem aber auch gar nichts.

Daß The Good Life es einem nicht leicht machen, liegt in der Natur der Sache. Man nimmt nicht umsonst ein Konzeptalbum über "drunken disappointments" auf, das dann auch stilecht klingt, als sei es von einer Horde hoffnungslos zugekleisterter Jungs in seliger Tequilalaune eingespielt worden. Andererseits machen die Unberechenbarkeit und Wendigkeit von "Black out" auch den großen Reiz der Platte aus. Und wenn Kasher leidet, warum soll dann nicht auch der Hörer leiden? Man wird ja schließlich fürstlich dafür belohnt. Spätestens, wenn der Griesgram kurz vor Toreschluß durch einen grandiosen Song wie "Off the beaten path" torkelt. "I used to lay down my head at the bar / And raise one lonely finger for a drink". Hoffentlich kommt der noch gut nach Hause. Solche Leute brauchen wir nämlich.

(Daniel Gerhardt)

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Highlights

  • Some bullshit escape
  • The new denial
  • Drinking with the girls
  • Off the beaten path

Tracklist

  1. Black out
  2. The beaten path
  3. Some bullshit escape
  4. O'Rourke's, 1:20 a.m.
  5. Early out the gate
  6. The new denial
  7. Black out
  8. I am an island
  9. Drinking with the girls
  10. After O'Rourke's, 2:10 a.m.
  11. Empty bed
  12. Don't make love so hard
  13. Off the beaten path
  14. Black out

Gesamtspielzeit: 50:28 min.

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