Ayreon - The source

Ayreon- The source

Mascot / Rough Trade
VÖ: 28.04.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Y-Zyklus

Das 2008 erschienene "01011001" hatte einen schweren Stand. Als Nachfolger des Meisterwerks "The human equation" von 2004 und als erneuter Science-Fiction-Ausflug mit auf den ein oder anderen etwas konfus wirkender Story rund um den Überlebenskampf einer außerirdischen Spezies namens Forever. Nun mögen Arjen Anthony Lucassens Zukunftsgeschichten nicht unbedingt preisverdächtig sein, interessante Abenteuer sind sie nicht zuletzt durch das Aufgreifen gegenwärtiger Problematiken auf dem Planeten Erde aber auf jeden Fall. Dass die weltweite Ayreon-Fangemeinde so gerne an ihnen teilnimmt, liegt aber vor allem an der stets mitreißenden, atmosphärischen und üppigen musikalischen Präsentation. Und in genau dieser Hinsicht war "01011001" nicht weniger eine Großtat, als "The human equation" eine war. Unter den reinrassigen Science-Fiction-Alben aus dem Ayroen-Œuvre spielt es sogar ganz oben mit.

Das Schicksal der Forever mag Lucassen nun ebenso wenig losgelassen haben, wie die aufgrund zahlreicher Gefährdungslagen ungewisse Zukunft seiner eigenen Spezies. Beispielsweise sind die großen Gefahren künstlicher Intelligenz nicht nur ein gefundenes Fressen für Film- und Literaturschaffende oder Verschwörungstheoretiker, sondern zunehmend auch Gegenstand von Warnungen seriöser Wissenschaftler. Für Lucassen selbst war deren Bedrohungspotenzial die wesentliche Inspiration für "The source". Aber solange es um Science-Fiction geht, schließt sich bei Ayreon immer der Kreis. Alles hängt mit allem zusammen. Inhaltlich, musikalisch und personell. Und so ist "The source" natürlich kein völlig eigenständiges Werk, sondern vielmehr die unmittelbare Vorgeschichte des beschriebenen "01011001".

Das neue Album handelt von den Bewohnern des Planeten Alpha, die die Lösung ihrer gravierenden politischen und ökologischen Probleme in die Hände einer mächtigen künstlichen Intelligenz gelegt haben, die dummerweise beschließt, dass der Planet ohne seine Bewohner besser dran wäre. Diesen bleibt daher nur die Flucht auf eine als bewohnbar eingeschätzte Wasserwelt namens Y. Da dort eine neue Zivilisation nicht im Handumdrehen zu errichten ist, wird eine Substanz mit der Bezeichnung "Liquid eternity" entwickelt, die manche auch "The source" nennen. Die Substanz hat eine signifikant lebensverlängernde Wirkung und ermöglicht es, unter Wasser zu atmen und untereinander mittels Telepathie zu kommunizieren. Das und die neuen Herausforderungen werfen jedoch teils neue, aber auch altbekannte Schwierigkeiten auf, deren Beherrschung den Beginn für die Ereignisse auf "01011001" markiert...

Man sieht wieder: Alles hängt mit allem zusammen. Ayreons Science-Fiction-Anekdoten waren schon immer miteinander verwoben, aber so starke Rück- oder besser Vorbezüge zu vorgehenden bzw. thematisch nachfolgenden Werken hatte Lucassen bisher nicht eingebaut. Das macht das Album dank hohem inhaltlichen Wiedererkennungswert vor allem für Kenner der Materie zu einem tollen Erlebnis. Eingefleischte Fans sind daher gut beraten, "The source" und "01011001" am Stück zu hören, offenbart das dann mehr als dreistündige Opus, welches man aufgrund seines zentralen Handlungsortes auch den "Y-Zyklus" nennen könnte, doch erst so die gesamte Dimension an extraterrestrischem Enthusiasmus, mit der Lucassen und seine wie immer hochkarätige Gästeschar, angeführt von einem James LaBrie in Bestform, auch auf "The source" zur Sache gegangen sind.

Allerdings entsteht im direkten Vergleich der Eindruck, dass etwas mehr musikalische Homogenität wünschenswert gewesen wäre. Natürlich versäumt es Lucassen nicht, den inhaltlichen Zusammenhang durch wiederholende bzw. vorweggreifende stilistische Versatzstücke zu unterstreichen. Insoweit es die im Grunde altbewährten ayreonschen Ausdrucksformen überhaupt zulassen, liegen "The source" und "01011001" aber jeweils an einem Ende des hiesigen Klangkosmos. Die phasenweise geradezu elegisch-entrückten Momente des letztgenannten Werkes, man denke nur an das hinreißende "Beneath the waves", sucht man auf der aktuellen Platte, von kurzen Momenten abgesehen, vergeblich. Stattdessen ist "The source" das Rockalbum, das Lucassen erklärtermaßen im Sinn hatte: "Wenn 'The theory of everything' mein Prog-Album war, dann ist "The source" mein Rock-Album. Ich habe es stärker auf Gitarren ausgerichtet. (…) Die Songs folgen überwiegend konventionellen Strukturen." Die Folge ist ein ungewohnt hohes Maß an Eingängigkeit, an der gerade Liebhaber des vertrackten "The theory of everything" möglicherweise zunächst zu knabbern haben, während Freunde von "The human equation" besser Zugang finden dürften.

"The source" ist gleichwohl terra cognita. Ayreon-Anhänger der ersten und bisher letzten Stunde werden sich über kurz und über lang garantiert pudelwohl fühlen. Und so beweist Arjen Lucassen, dass er sich in gleich zweifacher Hinsicht goldrichtig entschieden hat: Zum einen, das Ayreon-Projekt fortzuführen, anstatt es, wie ursprünglich geplant, mit dem Best-Of "Timeline" von 2008 zu beenden. Und zum anderen, einmal mehr in die Weite des Weltraums vorzudringen, die den Niederländer immer wieder zu Höchstleistungen antreibt. In dieser Qualität wären weitere Fortsetzungen des Y-Zyklus gerne gesehen. Und da die Krisen und Konflikte auf dem Planeten Erde eher zu- als abnehmen dürften, werden Lucassen die Ideen für das Schicksal vermeintlich entlegener Welten wohl nicht so schnell ausgehen.

(André Schuder)

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • The day that the world breaks down
  • Run! Apocalypse! Run!
  • The dream dissolves
  • Into the ocean
  • The source will flow
  • Journey to forever

Tracklist

  • CD 1
    1. The day that the world breaks down
    2. Sea of machines
    3. Everybody dies
    4. Star of Sirrah
    5. All that was
    6. Run! Apocalypse! Run!
    7. Condemned to live
  • CD 2
    1. Aquatic race
    2. The dream dissolves
    3. Deathcry of a race
    4. Into the ocean
    5. Bay of dreams
    6. Planet Y is alive!
    7. The source will flow
    8. Journey to forever
    9. The human compulsion
    10. March of the machines

Gesamtspielzeit: 88:33 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Ian
2017-04-29 17:29:38 Uhr
Wer ein Problem mit Bild.de hat. Jetzt auch hier im Stream:

http://www.progstreaming.nl/pages/play-album.php?activeAlbum=2017-04-28-28%20-%20Ayreon%20-%20The%20Source
Prog-Nose
2017-04-27 13:11:00 Uhr
Also The Final Experiment & Into The Electric Castle waren jedenfalls super. Jedenfalls als nicht so ganz 100% ernstzunehmende Progrock-B-Movie-Schinken mit teilweise erstaunlich stilsicheren Ausflügen in diverse 70er Musiksparten und 80ies Metal. Die Alben danach hätten m.E. alle nicht mehr diesen augenzwinkernden Charme.

Watchful_Eye

Postings: 632

Registriert seit 13.06.2013

2017-04-27 12:47:33 Uhr
Yay, da fühle ich mich als Progmetal-Hörer doch gleich wieder richtig hart und ungepasst! :x


Naja, Ayreon war eh nie so meins. ;)
Ian
2017-04-27 12:22:33 Uhr
Bild.de mit einem Stream des kompletten Albums:

http://www.bild.de/unterhaltung/musik/metal/das-neue-ayreon-album-im-stream-51461744.bild.html

:D

Armin

Postings: 8450

Registriert seit 08.01.2012

2017-04-25 17:37:34 Uhr - Newsbeitrag



Ayreon mit neuem Video “Star of Sirrah” – neues Album “The Source” am 28.04.2017!

Am kommenden Freitag, den 28.04.2017 veröffentlichen Ayreon um Mastermind Arjen Lucassen nun endlich ihr neues Album “The Source”!

Mit dem Video zu “Star of Sirrah” wird nun ein weiterer Song vorab veröffentlicht, hier zu sehen:



Arjen Lucassen veröffentlicht mit “The Source” das nächste Kapitel von Ayreon. Das musikalische Genie, das Mitte der 90er Jahre im Alleingang das Genre der Rockoper wieder zum Leben erweckte, erhält dabei Unterstützung von bekannten Künstlern wie James LaBrie (Dream Theater), Simone Simons (Epica), Floor Jansen (Nightwish), Hansi Kürsch (Blind Guardian), Tobias Sammet (Edguy, Avantasia) oder Russell Allen (Symphony X). Es erscheint am 28.04.2017 durch sein neues Label Music Theories Recordings / Mascot Label Group.



Die Ayreon-Saga „Forever/Planet Y“ sollte eigentlich mit dem Album „01011001“ ihren Abschluss finden, doch selbstverständlich hatten Arjens Musen andere Pläne mit ihm. „The Source“ greift den „Forever“-Mythos nicht nur wieder auf, sondern fügt ihm komplett neues Kapitel hinzu. Erstklassige Sänger und Musiker, fesselnde Songs, überwältigender Sound und eine faszinierende Geschichte liefern den Fans weltweit eine Fortsetzung dessen, womit Lucassen Mitte der 90er den Grundstein legte.



Für die Fans verspricht 2017 ein besonders spannendes Jahr zu werden, denn Ayreon werden an nur drei exklusiven Terminen live zu sehen sein: „The Ayreon Universe“ findet im September im prestigeträchtigen 013 in Tilburg, Holland, statt und spiegelt das Beste aus 20 Jahren Bandgeschichte wieder. Viele der Künstler, die mit Lucassen bereits im Studio standen, werden dort zu sehen sein. Auch der öffentlichkeitsscheue Meister selbst wird sich die Ehre geben.



Immer noch aktuell…

das Video zum Album Opener “The Day That The World Breaks Down”: https://youtu.be/oFuMKdrzPqU

das Video zu “Everybody Dies”: https://youtu.be/fUSoR4EdyIo

Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Threads im Plattentests.de-Forum