Sheryl Crow - Be myself

Sheryl Crow- Be myself

Warner
VÖ: 21.04.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Die alte Schule

Da sitzt sie, Sheryl Crow, irgendwie angespannt und verkehrt herum auf einem Stuhl – auf dem Cover ihres neunten Studioalbums "Be myself". Seltsam ungelenk wirkt das, mit angestrengtem Gesichtsausdruck und hüftsteifer Haltung. Macht sich das Alter bemerkbar? Oder ist das Ganze nur ein Schwindel, so von wegen "Be myself" halt? Musikalisch stehen sowieso mehrere Stühle im Raum, der liebgewordene Country trifft wieder vermehrt auf Rock. Zwischen diesen Sitzgelegenheiten hat es sich die 55-Jährige bequem gemacht. Ja, liebe Neunziger-Kinder, Madame Crow geht bereits stramm aufs Rentenalter zu. Böse Zungen behaupten ja, das höre man ihr schon seit damals an, als "C'mon, c'mon" ihr neues Jahrtausend eingeleitet habe. Nun ist "Be myself" ebenfalls kein "Tuesday music night club", "Sheryl Crow" oder "The globe sessions". Es wäre aber teilweise gern eines. Was zumindest einen guten Ansatz gegenüber den meisten Vorgängern darstellt.

Denn der stark angeschrägte Refrain von "Halfway home" sucht in der Tonleiter nicht ganz zufällig die schiefen Klänge von damals, als "All I wanna do" als erster großer Hit weltweit rotierte. Kein Geniestreich, aber etwas, das Aufhorchen lässt. Noch besser macht es der Opener "Alone in the dark", der Crows Countrysound mit einer unwiderstehlichen Ohrwurm-Melodie verheiratet und sich gänzlich in Tradition alter Erfolge stellt. "Love will save the day" luchst gar Lana Del Rey ein paar Akzente der verruchten und verrauchten Atmosphäre ab und verblüfft im Kontext überaus. Klar hervorstechend ist jedoch das sich in großartigen Lärm hineinsteigernde "Heartbeat away". "When you see me coming, you'll know my name!", röhrt sie über einer aufheulenden Gitarre und da ist es endgültig. Das euphorisierende Gefühl, dass Sheryl Crow es noch kann. Welches anderweitig nur wenige Momente aufbringen können. "Long way back", "Rest of me" oder "Grow up" sind zum Beipsiel zu sehr mit sich selbst zufrieden, dass sie die Grenze zur Langeweile überschreiten. So etwas gab es auf den ersten Alben einfach kaum.

"Buuuh! Was soll das? Ständig der Vergleich mit dem Frühwerk, was soll das bringen?" Berechtigter Einwurf, natürlich ist Sheryl Crow heute an einer anderen Position als vor 20 Jahren. Aber wenn Sie glauben, der Rezensent würde alten Zeiten hinterherhängen, dann haben Sie "Be myself" noch nicht gehört. "How many selfies can you take before you look like a jerk?" "Every time I check my Twitter / Somebody's butt is in my face." "Put your phone away / Let's roller skate." Und so weiter, und so fort. Klar, man muss natürlich nicht alles Moderne toll finden und Kritik ist berechtigt und erlaubt. Ab einer gewissen Widerholungsrate kommen solche Statements allerdings mehr und mehr altklug und rückständig herüber. Als ob man eben 1998 stehen geblieben wäre – was vielleicht der Vater des Gedanken von "Be myself" war: "Früher war alles besser!" Den Fehdehandschuh darf der schreibende Jungspund aber zurückwerfen: Platten von Sheryl Crow eben auch.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Alone in the dark
  • Love will save the day
  • Heartbeat away

Tracklist

  1. Alone in the dark
  2. Halfway there
  3. Long way back
  4. Be myself
  5. Roller skate
  6. Love will save the day
  7. Strangers again
  8. Rest of me
  9. Heartbeat away
  10. Grow up
  11. Woo woo

Gesamtspielzeit: 45:30 min.

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User Beitrag
Anmerker
2017-04-19 12:06:56 Uhr
Der Rezensent ist ja homosexuell. An so Kleinigkeiten zeigt es sich dann vielleicht. ;)
Armil Chechmod von Bösenhoden
2017-04-19 10:43:57 Uhr
Also zum Cover: Wie sie da auf dem Stuhl sitzt, das soll ungelenk wirken? Auf mich wirkt das echt sexy.
Die stumpfe Seite der Macht
2017-04-13 16:38:52 Uhr
"How many selfies can you take before you look like a jerk?" "Every time I check my Twitter / Somebody's butt is in my face." "Put your phone away / Let's roller skate." Und so weiter, und so fort. Klar, man muss natürlich nicht alles Moderne toll finden und Kritik ist berechtigt und erlaubt. Ab einer gewissen Widerholungsrate kommen solche Statements allerdings mehr und mehr altklug und rückständig herüber.

Na ja, ganz ehrlich, selbst als junger und vermeintlich moderner und dort verkehrender Mensch, kann man ja auch kaum anders, als das ganze Facebook- und Twittergedöns nicht auch ein bißchen seltsam und peinlich zu finden. Alles in allem ist das schon eine sehr seltsame Illusionsblasenwelt, die einen viel zu hohen Stellenwert hat bei den Leuten.
Sheryl Bombshell
2017-04-13 16:37:52 Uhr
All I wanna do is have some fun.

Takenot.tk

Postings: 441

Registriert seit 13.06.2013

2017-04-13 16:18:13 Uhr
Aus der Rezi: [Denn der stark angeschrägte Refrain von "Halfway home" sucht in der Tonleiter nicht ganz zufällig...]
- Song heißt ja scheinbar korrekt Halfway There?

Schade, von Sheryl erwarte ich ja gar nichts mehr seit C'mon C'mon, trotzdem schön wenn man ab und zu mit kleinen Perlen überrascht wird (z.B. Detours vom gleichnamigen Album).
Aber das self titled und Globe Sessions kann ich wirklich immer wieder auflegen, zwei wirklich tolle Alben, fast ohne Aussetzer.
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