The Bug vs Earth - Concrete desert

The Bug vs Earth- Concrete desert

Ninja Tune / Rough Trade
VÖ: 24.03.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Dröhnen Abend noch

Da hatte sich Dylan Carlson zu früh auf ein Konzert von King Midas Sound gefreut. Vor Ort musste der an Epilepsie leidende Mastermind der amerikanischen Drone-Metaller Earth nämlich feststellen, dass Kevin Martin bei seinem Dancehall-Projekt enorme Stroboskopgewitter in die Show einbaut. Hatte sich aus gesundheitlichen Gründen also was mit dem Live-Erlebnis inklusive vibrierende Hosen- und Brustbeine. Schönen Abend noch. Darüber hinaus ist Carlson aber auch Verehrer von Martins Alter Ego The Bug, das sich eher mit tollwütigem Dub und Verwilderungen von Ragga oder HipHop befasst, und so standen beide immerhin anlässlich des 25. Geburtstages von Ninja Tune zusammen in Los Angeles auf der Bühne – ohne störende visuelle Effekte. Und spielten bei der Gelegenheit gleich noch ein gemeinsames Album ein. Kann nur gut werden, oder?

Wer jedoch den mit aggressivem Gerappe, Getoaste und Geknirsche vollgestopften The-Bug-Longplayer "Angels & devils" kennt, macht sich ob des "vs" zwischen beiden Bandnamen fast ein bisschen Sorgen um Carlson: Wird der Mann, dessen Slo-Mo-Doom stellenweise fast meditative Qualitäten erreicht, am Ende von seinem angriffslustigen britischen Widerpart zermalmt? Kampf wie Prasselkuchen mit eingebackenen Glassplittern? Zugegeben: Schön muten die Bilder nicht an, die "Concrete desert" als instrumentale US-Abwandlung der desolaten urbanen Bestandsaufnahme "London zoo" evoziert – doch die von Martin und Carlson in offenbar trauter Zweisamkeit entworfenen Stimmungen und Soundbrachen sind genauso dicht wie die Barttracht der Protagonisten. Und oft von einer schier erdrückenden, dröhnenden Lichtlosigkeit geprägt.

Denn Martins elektronische, zuweilen ins Industrielle lappende Installationen und Carlsons mal zerrende, mal langsam vor sich hinschwelende Gitarrenfiguren bilden die ideale Klangkulisse für eine unwirtliche Betonwüste, die mit Titeln wie "City of fallen angels", "Other side of the world" oder "Hell A" hinreichend beschrieben ist. Der Opener und das abschließende Titelstück umrahmen dieses Album entsprechend mit beklommenem Grollen aus grummelnden Maschinen, ätherischen Licks und weichgezeichnetem Feedback, auch das hämisch betitelte "American dream" gleicht eher einer Albtraummelodie – ohne Melodie, versteht sich. Dass diese ambienten Erdwürmer den Hörer mitunter zu verlieren drohen, wenn sie die Zehn-Minuten-Marke knacken, ist letztendlich zu verschmerzen. In der "Concrete desert" empfiehlt sich nun mal ein langer Atem.

Doch auch unter tiefsten digitalen Bässen und scharfen Rhythmen ächzende Monotonie-Bolzen wie "Don't walk these streets" haben hier ihren festen Platz. Die Beats loopen sich in eine unheilvolle Schlaufe, brechen ab, holen Luft, setzen wieder ein – und landen irgendwo bei Illbient, der Downbeat-Spielart, mit der das Brooklyner WordSound-Label oder Scorn aus Birmingham Mitte der Neunziger Dub, Ambient und HipHop zu einer dunkel kokelnden Masse verkochten. Heftiger rüttelt "Gasoline" zu zeitlupenartigem Earth-Lärm an der undichten Zapfsäule, bevor in "Snakes vs rats" nicht nur Vertreter des Tierreichs, sondern auch ein präzises Riff und synthetisches Gecrunche aneinandergeraten. Beide verlassen den Schauplatz schließlich erhobenen Hauptes – aber mal ehrlich: Woanders als auf diesem tollen Album is' auch scheiße. Hoffentlich bleibt es Beton.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Gasoline
  • Snakes vs rats
  • Don't walk these streets

Tracklist

  1. City of fallen angels
  2. Gasoline
  3. Agoraphobia
  4. Snakes vs rats
  5. Broke
  6. American dream
  7. Don't walk these streets
  8. Other side of the world
  9. Hell A
  10. Concrete desert

Gesamtspielzeit: 68:62 min.

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Armin

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Registriert seit 08.01.2012

2017-04-12 17:43:47 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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