Next Stop: Horizon - The grand still

Next Stop: Horizon- The grand still

Transmopolitan / Cargo
VÖ: 31.03.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Schwedische Woche

Mittwoch! Bergfest! Plattentests.de-Update! Das Wochenende beginnt hier! Das hätte man zumindest gern. Ein Blick auf Meeting-Plan und To-do-Liste sagt aber etwas anderes. Fein ist es daher, wenn man sich die Wochenmitte ein wenig versüßen kann. Zum Beispiel mit einem moderaten Clubabend, von dem man ausnahmsweise schon nach Hause kommt, wenn es gerade noch dunkel ist. Oder mit einem Konzert. Aber wie es immer so ist: Da spielen ein paar Straßen weiter Next Stop: Horizon aus Schweden praktisch gratis, und ausgerechnet dann steht eine Englische Woche in der Bundesliga an. Der Rezensent gesteht errötend: Er blieb zu Hause und verfolgte das grottige torlose Unentschieden seines Vereins per Live-Übertragung. Und sein Allerwertester sieht heute noch ganz mitgenommen aus vom nachträglichen Reinbeißen.

Denn was war "The harbour, my home" nicht nur dank des euphorischen Hits "Rain on me" für ein vorzügliches Album, auf dem sich folkiger Indie-Pop, ansatzweise Arcade-Fire-Grandezza und Vaudeville wehmütig zum Abschied zuwinkten. Dass sich Pär Hagström und Jenny Roos für "The grand still" diverse elektronische Geräte zugelegt haben und am Saarländischen Staatstheater unlängst die Bühnenversion von "Wenn die Gondeln Trauer tragen" vertonten, hätte nun Indiz für eine Entwicklung hin zum Kühlen und Düsteren sein können. Doch das Duo denkt gar nicht daran, dunklen Zauber zu veranstalten. Die Maschinen rumpeln stattdessen mit analoger Wärme und schielen harmonisch zurück in die Achtziger, und der wunderbare Opener "Everyone's earthquake" lebt dennoch vor allem von einem quirligen Riff und jauchzenden Chören. Das Beste zweier Soundwelten.

Der Rückblick geschieht jedoch nicht nur auf musikalischer, sondern auch auf inhaltlicher Ebene, wenn Hagström in "The mixtape that I loved" seine Jugend ähnlich kehlig Revue passieren lässt wie die ebenfalls zu Nostalgie neigenden Landsleute Friska Viljor. Glotze ohne Fernbedienung, von der Oma eingesacktes Kofferradio und längst unters Fußvolk geratene Kompakt-Kassetten inklusive. Und auf einer davon hätte sich auch dieser formidable kleine Schunkler mit den strahlenden Keyboards und den Hörer sacht anstupsenden Gitarrenbreaks befinden können – obwohl Next Stop: Horizon die Geschichte in "Where are we heading baby" unter ungleich trantütigeren Bedingungen nicht nochmals hätten erzählen müssen. Zum Glück entschädigt "The grand still" bereits zuvor überreichlich für diesen sanften Ausrutscher.

Etwa mit dem taumelnden "The waltz", das nicht nur seinen Titel zu Recht trägt, sondern auch viele kleine Synthie-Tupfer einsammelt, wobei der von Roos gesungene Refrain "My body is a cage" erahnen lässt, dass der oben bemühte Verweis auf eine kanadische Indierock-Größe nicht ganz falsch sein kann. "When we get there we will know" beruft sich mit dickem Upbeat und dynamischem Basslauf hingegen eher auf die beweglichen Momente der Dänen Alcoholic Faith Mission, und für "Do it anyway" machen sich die zwei Göteborger sogar kurz so strubbelig wie möglich und lassen das Stück in sumpfigem Stakkato-Twang kulminieren. Die majestätische Trompete von "Fall within a fall" bläst schließlich einem erneut prächtigen Album den Zapfenstreich, nach dem nun auch der Allerletzte wissen sollte: Nie Fußball schauen, wenn Next Stop: Horizon in der Stadt sind.

(Thomas Pilgrim)

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Highlights

  • Everyone's earthquake
  • The mixtape that I loved
  • When we get there we will know

Tracklist

  1. Everyone's earthquake
  2. The mixtape that I loved
  3. The waltz
  4. Do it anyway
  5. The melting
  6. When we get there we will know
  7. Where are we heading baby
  8. A fall within a fall
  9. What if

Gesamtspielzeit: 39:14 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Pedro
2017-04-12 11:53:20 Uhr
Klingt zu sehr nach Arcade Fire

Armin

Postings: 15732

Registriert seit 08.01.2012

2017-04-04 10:10:10 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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