Johnny Marr + The Healers - Boomslang

Johnny Marr + The Healers- Boomslang

iMusic / PIAS / Zomba
VÖ: 17.02.2003

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Drei ??? und die verschwundenen Jahre

Die drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews sitzen in ihrer Zentrale in dem alten Wohnwagen auf dem Schrottplatz von Justs Onkel Titus Jonas. Es ist ein leicht verschlafener Sonntag Nachmittag, eher relaxt als gelangweilt. Aus der Anlage tönt schon zum dritten Mal eine recht chillige Platte, die Justus auf dem Schrottplatz gefunden hat. Sie hat sein Interesse geweckt, da sie nagelneu war und trotzdem unter einem Haufen Trödel aus den späten Achtzigern herumlag.

Peter betrachtet das Cover und ist ratlos: "Johnny Marr? Nie gehört. Oder doch, warte mal! War der nicht mal bei The Smiths? DER Johnny Marr? Mann, das ist doch schon gut 15 Jahre her. Und jetzt taucht der plötzlich wieder auf? Braucht der Geld?" "Die finanzielle Situation des John Maher Of Wythenshawe alias Johnny Marr soll hier nicht interessieren, wohl aber seine musikalische Vergangenheit", antwortet Justus. "Was hat denn die Recherche in unserem Archiv ergeben, Bob?" "Tja, Just, von einem plötzlichen Wiederauftauchen kann keine Rede sein. Nach dem Ende der legendären Smiths trat der Gitarrist und Songschreiber Marr einen Schritt zurück, arbeitete in der zweiten Reihe bei Bryan Ferry, Beck und den Pet Shop Boys, vor allem aber wurde er der beständigste Gitarrist, den The The jemals hatten."

"Das alles zu wissen ist aber im Hinblick auf das aktuelle Album "Boomslang" eher unnütz", unterbricht Peter, "da es bei der musikalischen Einordnung der Healers nicht wirklich hilft. Johnny Marrs erstes Soloprojekt klingt eher nach einer anderen Geschichte: Nach dem Ende der Smiths 1987 macht der Gitarrist ein Jahr Urlaub, kehrt dann nach Manchester zurück, um in der aufkeimenden Rave-Szene der Stadt kräftig mitzumischen. Die musikalische Orientierung wird vorsichtig etwas mehr in Richtung Rock gedreht, und Johnny Marr spielt mit einigen mehr oder minder unbekannten Kollegen ein Album ein, das sich irgendwo zwischen Primal Screams "Screamadelica" und den Stone Roses bewegt. Wir schreiben das Jahr 1989, und keiner der nun aus dem Boden schießenden "New British Pop"-Sampler kommt ohne "The last ride", "You are the magic" oder "Bangin' on" von Johnny Marr und seinen Healers aus."

Nachdenklich reibt sich Justus das Kinn: "Diese Geschichte hast Du natürlich frei erfunden, nicht wahr, Peter? Aber sie würde hervorragend zu "Boomslang" passen. Problematisch wird da nur die Sache mit der zeitlichen Einordnung. Für ein wegweisendes Rave-Album ist es schlicht 15 Jahre zu spät." Bob pflichtet bei: "Genau, Just. Und das was Johnny in dieser Zeit nachweislich getan hat, scheint auf dieser Scheibe keine Rolle zu spielen." "Nicht nur das, Bob," mischt sich Peter ein, "auch die Vorgeschichte bei The Smiths scheint hier keinen Einfluß zu haben." Justus steht auf. "Damit ist der Fall klar: Herr Marr enttäuscht alle Erwartungen, die mit seinem Namen verbunden sind, kommt mit einer Platte etwa 15 Jahre zu spät auf den Markt und wird wohl damit auf die Nase fallen. Schade eigentlich, denn schlecht ist "Boomslang" ja eigentlich nicht. Peter, drückst Du nochmal auf Play?"

(Rüdiger Hofmann)

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Highlights

  • You are the magic
  • Inbeetweens
  • Bangin\' on

Tracklist

  1. The last ride
  2. Caught up
  3. Down on the corner
  4. Need it
  5. You are the magic
  6. Inbeetweens
  7. Another day
  8. Headland
  9. Long gone
  10. Something to shout about
  11. Bangin' on

Gesamtspielzeit: 50:35 min.

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