The Smith Street Band - More scared of you than you are of me

The Smith Street Band- More scared of you than you are of me

Uncle M / Cargo
VÖ: 07.04.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10

Alles. Wird. Gut.

"Tonight I'm getting young drunk" skandierte Will Wagner, Sänger der schon 2012 ziemlich guten The Smith Street Band, vor erst fünf Jahren zu durcheinander polternedem und doch für immer ins Ohr gehendem Punkrock. Blickt man auf die Tracklist von "More scared of you than you are of me", dem inzwischen vierten Album der Band, erblickt man nun den Song "Young once". Jegliches Jugendgefühl aufgebraucht innerhalb der letzten paar Jahre? Ein Anflug von Altklugheit nach all der arbeitsamen Zeit zwischen Aufnehmen und Touren und wieder von vorne? Weder noch, natürlich. Was stimmt, ist nur, dass einem der Output der Band immer noch Respekt abnötigt, obwohl man sich dieses Mal so viel Zeit gelassen hat wie noch nie, mit der neuen Platte. Und die Sache mit dem durcheinander polterndem Punkrock, die hat auch nach wie vor Gültigkeit.

Ansonsten verstehen sich The Smith Street Band wie seit jeher bestens als versierte Vermittler des großen Gefühls in kleinen Geschichten. Sei es der Barhymnen-Hedonismus von "Young drunk" oder eben die nostalgische Rückschau von "Young once". Wichtig ist das Herz für die Sache. Und das war immer da. Und wurde in immer größer und durchdachter werdende Songs und Alben verpackt. "More scared of you than you are of me" macht da keine Ausnahme. Ganz sicher nicht. Im Gegenteil. Dieses Mal gibt es nicht einmal Zeit, um sich aufzuwärmen. "Forrest" holt höchstens einen Wimpernschlag Luft, bevor sich die ganze wilde, von Jeff Rosenstock in Sachen Sound ganz und gar großartig in Szene gesetzte Chose seinen Weg bahnt. Und wenn der Song doch für einen Moment zur Ruhe kommt und Will Wagner singt "I wanna kiss you on the mouth / A little bit too hard", liegt man endgültig überwältigt unter dem Tisch und lässt sich fortan von dieser Band leiten. Die spendiert als Belohnung gleich im Anschluss das starke "Birthdays" mitsamt anrührendem Video.

Man fühlt sie mit Haut und Haaren, die Geschichten und Stimmungen, die dieses Album zu bieten hat. Gerne auch auf Kosten der hässlichen Realität, die ja ohnehin zurzeit wenig Erbauliches zu bieten hat. Punkrock als Erholungsprogramm, das funktioniert mit diesem Album ganz prächtig. Ein bisschen wusste man das ja auch schon. Weil der Vorgänger "Throw me in the river" schon immer wieder zeigen konnte, zu welch großen Taten diese Band imstande sein könnte. Und weil alle Beteiligten ein Happy End gebrauchen können, löst die Band das seinerzeit gegebene Versprechen einfach mal vollumfänglich ein. Mit zwölf Stücken, die sich zum Besten zählen dürfen, was die viel zitierten drei Akkorde in jüngerer Vergangenheit geschaffen haben. Mit dem furiosen Finale von "Song for you" etwa, das nun wirklich alles auffährt, was nicht mit Gewalt oder gleich der Hilti befestigt wurde. Oder mit dem unmittelbar folgenden "Passiona", das die Bedeutung des Schlagworts Dynamik ein wenig auslotet, windschief tönende Bläser mit ins Boot holt und sich zwischendurch sogar kurz als veritable Mitsingnummer ausgeben kann.

Und dann, als man gerade zum nächsten Highlight springen will, merkt man, dass dieses Vorgehen hier doch völlig für die Katz ist. Natürlich ist "Death to the lads" eine Hymne und natürlich ein Song wie "It kills me to have to be alive" ein klarer Anwärter für das Prädikat unwiderstehlich. Und doch geht dieses Herausheben einzelner Stücke irgendwie an der Sache vorbei. Man tut allem Unrecht, was man verschweigt. Und kommt gar nicht dazu, das ungemein nahbare Storytelling Will Wagners zu erwähnen, oder die Tatsache, dass sich auf dieser Platte der Wahninn mit all seinen Seitenwegen und das prägnante Auf-den-Punkt-Kommen im Sinne des Songs in vollendeter Kunstfertigkeit die Waage halten. Und so ein einzigartiges Kunstwerk schaffen. Ein Album, das man gerne an seiner Seite weiß. Weil es die eigene Welt retten könnte, wenn es denn müsste. Und man weiß, dass es das auch würde. Ohne mit der Wimper zu zucken, oder gar zu fragen. Das alles macht "More scared of you than you are of me" zum Meisterwerk der Band. Es wird nicht das letzte bleiben.

(Martin Smeets)

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Highlights

  • Forrest
  • Birthdays
  • Song for you
  • Passiona

Tracklist

  1. Forrest
  2. Birthdays
  3. Death to the lads
  4. Song for you
  5. Passiona
  6. Run into the world
  7. Shine
  8. 25
  9. It kills me to have to be alive
  10. Suffer
  11. Young once
  12. Laughing (or pretending to laugh)

Gesamtspielzeit: 45:22 min.

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Gordon Fraser

Postings: 810

Registriert seit 14.06.2013

2017-05-20 07:15:32 Uhr
Ich musste jetzt erst mal googeln um herauszufinden, was eine "Hilti" ist...

captain kidd

Postings: 1492

Registriert seit 13.06.2013

2017-03-30 21:59:48 Uhr
Ja, gut beschrieben. Creeper sind viel viel tighter und härter, Smith eher so schrammelig. Zwar schon ähnliches Genre, aber doch ganz unterschiedlich, stimmt schon. Aber es muss einfach in jedem Thread das Wort "Creeper" auftauchen, weil das Album so unfassbar fantastisch ist.

MartinS

Postings: 348

Registriert seit 31.10.2013

2017-03-30 21:52:28 Uhr
Hm, ich höre da jetzt eigentlich eher wenig Ähnlichkeit irgendwie. Creeper klingen schon deutlich sauberer und zugleich auch ein bisschen mehr "drüber". Andere Baustelle halt.
Schade, dass du mit TSSB nix anfangen kannst

captain kidd

Postings: 1492

Registriert seit 13.06.2013

2017-03-30 21:44:29 Uhr
Na ja, schon ein wenig, oder? Jedenfalls klingen sie in den beiden verlinkten Videos ähnlich. Der Street Band fehlt aber in meinen Ohren alles, was Musik interessant macht. Bürokraten-Punk irgendwie.

MartinS

Postings: 348

Registriert seit 31.10.2013

2017-03-30 21:40:46 Uhr
Weil man die auch so gut mit TSSB vergleichen kann, nech?
Davon ab sind Creeper schon ganz cool ja.
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