Nick & June - My November my

Nick & June- My November my

AdP / Al!ve
VÖ: 31.03.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Nimm zwei

Ike & Tina Turner, Johnossi, Die Lochis: Einerseits muss es sich großartig anfühlen, wenn man mit einer Person so eng verbunden ist, dass die gesamte Menschheit davon weiß. Andererseits lastet auf einem auch stets die große Bürde, niemals als eigenständiger Künstler wahrgenommen zu werden. Nick & June dürfte dies zunächst einmal mehr als egal sein, befinden sie sich doch noch relativ am Anfang ihres produktiven Schaffens. Dennoch macht bereits der Name unvermittelt deutlich, dass sich hier zwei, zumindest temporär, schöpferisch untrennbare Individuen gefunden haben, die zudem wohl eher keine Weltuntergangsmusik produzieren. Dies bestätigte bereits vor etwa vier Jahren das Debütalbum "Flavor & sin", das mit niedlichen Singer-Songwriter-Kleinoden kurzfristig einlullte, dafür nur bedingt auf Dauer fesselte.

"My November my" dagegen überspringt nun direkt mehrere Schritte auf einmal. Das doch eher beschränkte Folk-Korsett wird weitestgehend aufgebrochen und macht einem pompöseren Gewand Platz. Kurzzeitig flammt zunächst das Gefühl auf, Of Monsters And Men würden mithilfe eines Namenswechsels noch einmal die Stadien verlassen und zurück auf die kleinen Bühnen wollen. Und auch im weiteren Verlauf lässt sich eine gewisse Verbundenheit im Geiste nicht leugnen. Doch die Nürnberger agieren im Gegensatz zu den Isländern weitaus überraschender. "The universe: Tiger" beispielsweise beginnt zunächst als niedliche Liebeshymne, nur um im letzten Drittel für eine halbe Minute lang einen emotionalen Gefühlsausbruch einzuschieben, der in der Form auch bei irgendeiner Emo-Kapelle nicht negativ auffallen würde, was noch einmal beim letzten Track "The epilogue: I & love &" wiederholt wird. Dies wirkt jedoch beide Male keinesfalls deplatziert, sondern erfreut vielmehr aufgrund des völlig unerwarteten Einsatzes. Dieser Gegensatz spiegelt sich auch im Albumcover wider, denn das vermeintlich attraktive Gesicht einer jungen Frau wird dort auf Augenhöhe komplett verzerrt und so zu einer anonymen Fratze. Zerstörung im Ästhetischen eben.

Dabei ist es nicht einmal ansatzweise notwendig, das konzeptuelle Grundgerüst hinter "My November my" in irgendeiner Form zu beachten. Es erzählt die Geschichte des "November boy", der enttäuscht von der Welt und Menschheit in zwölf Kapiteln seine Gedanken reflektiert, um dann letztendlich Abschied zu nehmen. Derartig verbittert klingt das Album glücklicherweise jedoch zu keinem Zeitpunkt. Verträumt, euphorisch, niedlich, wütend: "My November my" wirft alles auf einen Haufen, pickt sich nacheinander einen Gemütszustand raus – und trifft stets genau das Passende. Auch der Einsatz unterschiedlichster Instrumente wie Ukulele, Klavier und Melodica sorgt niemals für Überfrachtung, sondern eher für angenehme Abwechslung und unwiderstehliche Ohrwürmer wie "The departure: Ships & flags" und "The farewell: Home is where the heart hurts pt. 1". In der Form sind Nick & June hoffentlich noch lange unzertrennlich als Duo vereint, ohne dass sich einer von beiden künstlerisch abnabeln will. Die Lochis schlagen sie damit allemal.

(Christian Laude)

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Highlights

  • The departure: Ships & flags
  • The farewell: Home is where the heart hurts pt. 1
  • The exitus: Autumn bird

Tracklist

  1. The sutixe: Intro
  2. The prologue: November boy
  3. The universe: Tiger
  4. The departure: Ships & flags
  5. The manifest: The great Gatsby
  6. The farewell: Home is where the heart hurts pt. 1
  7. The pilgrim: The sea told me
  8. The town: London city, boy, it's killing me
  9. The exitus: Autumn bird
  10. The monsters: Once in a life
  11. The constitution: Homeland
  12. The epilogue: I & love &

Gesamtspielzeit: 44:12 min.

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Armin

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2017-03-29 21:39:00 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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