Paul Weller - Music from the film Jawbone

Paul Weller- Music from the film Jawbone

Parlophone / Warner
VÖ: 17.03.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Angeber

Viel Klanggewichse, ein guter Song. Paul Weller war wohl not amused ob der ersten Reaktionen auf seinen ersten Filmscore. Aber ein wenig hat der obszöne Kritiker schon Recht, denn mit "Music from the film Jawbone" ist es kompliziert. 38 Spielminuten, zerstückelt in sieben Songs, von denen in dreien gesungen wird und gerade mal einer hat Struktur. Und das ist eine schlichte, schöne Ballade. Aber bevor man die hört, kämpft man sich durch "Jimmy / Blackout", einem Monstrum, in dem Synthesizer durch eine dunkel-depressive Atmosphäre rauschen und von dissonantem Klavier halbiert werden. Diese Rezeptur besteht aus Brian Enos Ambient, Scott-Walker-Streicher-Avantgarde und erinnert manchmal an das, was Cliff Martinez für Nicolas Winding Refns Filme wie "Drive" komponiert hat. Ist Weller ein Angeber, nur weil er so viel kann?

Wie sonst ließen sich diese Klangcollagen erklären, die widerstrebend aneinander gefügt wurden, deren Motto Weller schon theatralisch raunt? "It takes a strong mind to battle through." Dabei spielt sich der eigentliche Kampf auf der Leinwand ab. Der Film "Jawbone" erzählt von Jimmy McCabe, einem, der ausging, um nach Hoffnung zu suchen, die er nicht fand, weil er eben an die falschen Orte kam. Einer, der schnell ruhmreich boxte, jung ein richtiger Champion wurde, dann wieder in der Gosse landete und sich aufraffte. Rocky Balboa trifft Mickey Rourkes "The wrestler". Drehbuchautor, und Hauptdarsteller Johnny Harris und Weller stimmten sich ab, mailten sich jahrelang hin und her, was der eine fürs Script klamüserte, der andere als Songdemos aufnahm, ein Work-in-Progress.

Wenn geschlagen und blutgespuckt wird, passen die wildernden Fuzzgitarren im Titeltrack. Wenn sich da einer abplagt, drückt ihn die Spannung in "Jawbone training" weiter. Oder wärmt ihn, der albgehalftert rumhängt mit warmen Lagerfeuergitarren in "Bottle". Das elektronische Wabern durch "Man on fire", das Dröhnen und Hallen in "End fight scene", das ist Filmmusik – absolut und untrennbar. Weller demontiert sein Klangspektrum, experimentiert daran fort, das klingt gut und nett, auch psychedelisch durcheinander, aber eigentlich warten sowieso alle auf Wellers neues Album "A kind revolution", das im Mai ansteht.

Doch dann zermürbt einen "The ballad of Jimmy McCabe". Dieses an Bedauern übervolle Trauerlied gehört zu den schönsten, die Weller jemals geschrieben hat. "I'll beat my head 'til dawn / Figure out what I'm running from / Only then will I find peace in me", zittert die sonore Stimme, so groß, wie Weller überhaupt sein kann, so wundervoll, gerade wenn das "o" in "sweet daddy-o" gedehnt wird, sich der eine Buchstabe entfaltet, schmetterlingsartig entpuppt zu einer Melodie in der Melodie. Liam Gallagher lag heulend auf dem Teppich. Was allerdings auch daran liegen könnte, das Wellers Mod-Style in Kollektion geht und die Klamotten online bestellt werden können. Und bevor man zur Liam-Weste greift, kleidet sich jeder doch lieber mit einem Weller. Aber das sind Nebenspielplätze, was bleibt, ist "The ballad of Jimmy McCabe".

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • Jimmy / Blackout
  • The ballad of Jimmy McCabe

Tracklist

  1. Jimmy / Blackout
  2. The ballad of Jimmy McCabe
  3. Jawbone
  4. Bottle
  5. Jawbone training
  6. Man on fire
  7. End fight sequence

Gesamtspielzeit: 37:31 min.

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Jennifer

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2017-03-22 21:58:55 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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