Steel Panther - Lower the bar

Steel Panther- Lower the bar

Open E / KLS / Rough Trade
VÖ: 24.03.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Haha, hihi, Penis

Ach je. Toupierte Haarpracht, Presswurst-Optik in Spandex und meterlange Alkoholfahnen? Karneval war doch erst. Aber bei Steel Panther ist eben immer, überall und sowieso das, wofür sich andere wenige Tage im Jahreskalender rot anstreichen. "She's tight" hat bereits im Herbst 2016 als Single vorweggenommen, was nun im Frühjahr auf Albumlänge aufgepumpt erscheint. Dabei werden die Kalifornier so heavy selbstironisch, dass es ein wenig wesensfremd wirkt: Sie covern Cheap Trick, als eine der eigenen Partyband-Ahnen, indem sie Teile von Cheap Trick gastieren lassen. Dazu führt es wohl, wenn man zu einer der populärsten modernen Glamrockbands mutiert ist. Michael-Jackson-Tochter Paris darf noch im Musikvideo auftreten – das ist illuster, erhascht Aufmerksamkeit, wie auch die null verdruckste Barbusige, dergleichen Steel Panther gerne mehr um sich ansammeln. Einem scharf blickenden YouTube-Kommentator fällt alsbald sorgend auf: Warum nur eine?

Vielleicht ist irgendwann der Drops gelutscht? Weil – wie beim Karneval – die Tage des Selbstvergessens und Beinahe-Selbstertrinkens ihre Eigenheit verlieren, würden sie sich unermüdlich weiten? Weil sich aus dem Ausnahmezustand eben kein Dauerzustand dehnen lässt, das Ganze irgendwann zu reißen droht, zumindest die Strumpfhose oder schlimmstenfalls die Leber? Nein, wettern Steel Panther dagegen, nie. Und "Lower the bar" ist insofern logisch: Plauzt der Trunkene gen Boden, muss die Bartheke eben mit hinabsinken. Und das musische Mittel des Dinglichmachens ist Überdeutlichkeit. Dieses Nach- samt Mitspielen von Cheap Trick nimmt vorweg. "She's tight" beschreibt wohl kaum die Strenge und den Geiz einer ominösen Dame. In "Goin' in the back door" werden keine Türklinken gedrückt. Haha, hihi, Steel Panther sagen mal wieder die Worte, bei denen sich andere den Mund waschen sollten. Bei genauem Hinhören könnte – könnte – ein wenig Wehmut aus "Wasted too much time" gehört werden: "I wasted too much time ...", dann folgt nur "fucking you". Steel Panther eben.

Haudrauf-Riffs, Stampf-Bass, stures Getrommel und Refrains zum Rufen, Schreien, Grölen, nur niemals zum Singen – ungeachtet der simplen Masche darf, ja, kann nicht übersehen werden, wie bescheuert vergnüglich diese Stumpfheit auch ausfallen kann, die schmallippige Ballade "That's when you came in" eingeschlossen. Da sollte dann nicht mit dem achtsamen Zeigefinger der Züchtigkeit geschüttelt werden. Natürlich sind Steel Panther Quatsch pur, nicht für voll zu nehmen und absolut meschugge. Aber in dieser Art ausgelassen erheiternd. So überzeichnet, dass nie einfallen würde, überhaupt zu hinterfragen. Weshalb sich diese Band so trefflich in ihren gewollt-coolen, Spinal-tappigen Sprüchen wiederfindet: Nachdem Trump als nächster US-Präsident feststand, spielten Steel Panther ein Konzert in Hollywood. Sie versuchten, die anwesenden Damen zu trösten, versprachen eine "Fuck Trump"-Party nach der Show, bei der sich die Bandmitglieder Trump-Masken aufsetzen würden und die Damen dann ... Wer weiterdenken und darüber lachen kann, zieht seinen Spaß aus "Lower the bar". Für den Rest bleibt es Chauvi-Prolenten-Glitterrock, glücklicherweise nicht infam.

(Maximilian Ginter)

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Highlights

  • That's when you came in
  • She's tight

Tracklist

  1. Goin' in the backdoor
  2. Anything goes
  3. Poontang boomerang
  4. That's when you came in
  5. Wrong side of the tracks (Out of Beverly Hills)
  6. Now the fun starts
  7. Pussy ain't free
  8. Wasted too much time
  9. I got what you want
  10. Walk of shame
  11. She's tight

Gesamtspielzeit: 39:15 min.

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User Beitrag

Jennifer

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Registriert seit 14.05.2013

2017-03-22 21:56:34 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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