Jonwayne - Rap album two

Jonwayne- Rap album two

Alpha Pup / Authors
VÖ: 17.02.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Egotherapie

Junge verliebt sich in Mädchen. Mädchen schreibt Poetry und Junge auch. Was mit einer harmlosen, alltäglichen Liebesgeschichte beginnt, endet in Schmerz, Alkohol und Depression. Wie konnte es nur so weit kommen mit Jon Wayne, der tatsächlich so heißt und doch mit dem Western-Schauspieler so rein gar nichts zu tun hat? Es ist die Geschichte eines Menschen, der ständig mit sich selbst hadert und für den es am Schluss doch noch ein Happy End geben könnte.

Doch springen wir noch einmal kurz an den Anfang: Wayne verliebt sich also auf dem College gleichermaßen in dieses Mädchen und in Poetry. Der logische Schritt in die Musikwelt ist der HipHop. Mit nicht einmal 17 steht er auf der Bühne des renommiertesten Talentschuppens von Los Angeles, und plötzlich werden Indie-Labels wie Alpha Pup und später Stones Throw auf den blassen Jüngling aufmerksam, der so gar nicht nach Straße und Egotrippin' aussieht. Ab wann hat diese Erfolgsgeschichte also so eine fiese Wendung bekommen? Ab dem Morgen, an dem Wayne sich fast totgetrunken hätte. Die Gründe? Aufkommende Selbstzweifel, Alkoholsucht, die erfolglose Sinnsuche eines grübelnden Existenzialisten.

Jonwayne beschließt, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und versucht auf "Rap album two", das in seinen entspannten Beats wunderbar an den Jazz-Rap von Guru erinnert, sich die Antworten auf all diesen Wahnsinn zu geben. Er sinniert mit den Worten "Next scene I'm just eating my breakfast" über Einsamkeit und Rückzug, die Zeilen "Nobody pickin' up the phone / Makes me question if I ever did 'em wrong" thematisieren Freundschaft und deren mögliches Ende, und wenn es "Little did I know the cognac was keeping me from growing up" heißt, steht die Flucht in den Alkohol im Mittelpunkt. Und über allem die Hoffnung, dass es wieder wie früher werden könnte.

Immer wieder reflektiert Jonwayne auf "Rap album two" über seine Verletzlichkeit – aber auch darüber, wie er selbst Menschen vor den Kopf gestoßen hat. Und über sein gefühltes Unvermögen, sein Leben alleine auf die Reihe zu bekommen. Gejammer eines weißen Mannes, der den Existenzkampf im Ghetto nicht miterlebt hat? Möglich. Es ist aber auch ein großes Plädoyer für die Wichtigkeit von Freundschaft, die immer wieder auf die Probe gestellt wird und Empathie verlangt. "Rap album three" wird hoffentlich von einem glücklicheren Leben berichten. Wie schrieb Nick Hornby in "About a boy": "Jeder Mensch ist eine Insel. Und dazu steh' ich – aber zweifelsohne gehören manche Menschen zu Inselketten. Unter der Meeresoberfläche sind sie eindeutig miteinander verbunden."

(Rinko Heidrich)

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Highlights

  • Out of sight
  • Human condition

Tracklist

  1. TED talk
  2. Live from the fuck you
  3. Human condition
  4. Out of sight
  5. The single
  6. Paper (feat. Shango)
  7. City lights
  8. Rainbow (feat. Danny Watts)
  9. Afraid of us (feat. Zeroh)
  10. Blue green (feat. Low Leaf)
  11. Hills (feat. Zeroh)
  12. These words are everything

Gesamtspielzeit: 44:12 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Strahlenopfer
2017-03-24 10:32:25 Uhr
Gay.

(Aber gut geschrieben.)

Jennifer

Postings: 1782

Registriert seit 14.05.2013

2017-03-22 21:48:04 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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