Fotos - Kids

Fotos- Kids

CNTCT / PIAS / Rough Trade
VÖ: 31.03.2017

Unsere Bewertung: 4/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Leicht für niemand

Mit "Kids" legen Fotos ein Album mit verwackelten Aufnahmen vor, die so überhaupt nicht ins Bild der einstigen Indie-Lieblinge passen wollen. Auslöser dafür sind Songs, die nicht nur in ihrer Gesamtheit unfassbar unentschlossen wirken, sondern auch einzeln betrachtet kaum interessante Perspektiven bieten. Die Presseinfo versucht sich in einer Erklärung: Da der Klangkosmos der Band nach drei Alben mit Gitarre, Bass und Schlagzeug komplett erforscht gewesen sei, hätten Fotos das Jammen für sich entdeckt. Die Idee: Mit diesen rohen Skizzen den musikalischen Erdenball neu erforschen. Leider zeichnen Fotos dabei eher eine flache Scheibe, denn ein pralles Musikuniversum. Da helfen weder Synthesizer und Samples noch eine Entwicklungszeit von mehreren Jahren.

Der Wille zum Experiment muss nicht zum Scheitern verurteilt sein. So kam das 2010er Album "Porzellan" im Vergleich zum Debut gänzlich ohne Hits aus, verfolgte aber immerhin ein konsequent durchgezogenes Leitbild, die sich am Thema Wave abarbeitete und zu begeistern wusste. Dass viele Einfälle nicht unbedingt auch ein Vielfaches an Qualität bedeuten müssen, demonstriert nun "Kids" aufs Eindringlichste. Der Opener "Melodie des Todes" präsentiert sich als entrücktes Kasperletheater, das zwischen Kirmes und Kindergeburtstag pendelt. Die schlagereske Fotokitschtapete "Sterne zu Staub" wird lieblos an die Wand geklatscht. So ist ein unangenehmes Ziehen im Ohrmuschelbereich ständiger Begleiter. Die verschwenderisch eingestreuten ZDF-Fernsehgarten-Chöre und bestenfalls diffusen Texte helfen ebenfalls nur bedingt weiter.

Auch wenn in so manch einer Strophe die vergilbten Fotos von früher durch den Staub glitzern, bürsten lyrische Offensivtäter jedes einzelne Schamhaar in die Vertikale: "Alles ist offen, also öffne ich mich / Alles so offen, genauso wie ich." Fotos-Gitarrist Deniz Erarslan bemerkt so treffend: "Uns war schon klar, dass aus diesem Sammelsurium aus Jams und Songfetzen irgendwann konkrete Lieder für ein Album werden müssen." Warum dieser Erkenntnis allerdings keine Handlung folgte, weiß wohl nur die Band allein. Stattdessen entschieden sich die Musiker mit "Vögeln ins Licht zu fliegen" oder auf dem Meeresboden mit Manta-Rochen zu tauchen, wie in "Ozean" verkündet. Ein Teil der Die-Hard-Fans wird sich vielleicht mit der Band in diese mehr als flachen Untiefen stürzen, der Rest läuft Gefahr in der dargebotenen Soundbrühe abzusaufen.

Zumal es auf Albumlänge nicht besser wird. "Niemand" will Kraut-Rock sein, verstärkt aber eher den Eindruck von musikalischen Kraut und Rüben. Und wenn Sänger Tom Hessler sinniert: "Es wird nicht leicht für niemand", schließt er den Hörer damit leider ein. Zwar kann "Fluss" mit seiner hübschen Gitarrenmelodie noch einmal zu einem anerkennenden Nicken führen, doch am Ende zeigen Fotos mit "Am Ende", dass selbst am Schluss kein großes Finale mehr kommen muss.

(Oliver Windhorst)

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Highlights

  • Fluss

Tracklist

  1. Melodie des Todes
  2. Sterne zu Staub
  3. Alles offen
  4. Ozean
  5. Niemand
  6. Die Wahrheit
  7. Fluss
  8. Haut
  9. Am Ende

Gesamtspielzeit: 38:35 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Windom Earle
2017-05-11 23:44:13 Uhr
Ich muss beim Gesang immer an Herwig Mitteregger denken.
mc
2017-04-14 14:21:04 Uhr
Ich find die Platte supergut. So gut, dass mir die völlig unverdiente 4/10 am A... vorbei geht.
Bibo
2017-04-04 19:48:44 Uhr
Sonst hat hier keiner reingehört? Anderen Kritiken, zB beim ME (https://www.musikexpress.de/reviews/fotos-kids/) sind ja positiver ausgefallen, aber bei mir ist der Funke auch nicht übergesprungen. Alles sehr halbgar mit schwachen Lyrics.

Gomes21

Postings: 1007

Registriert seit 20.06.2013

2017-03-22 21:49:54 Uhr
noch nicht viel von gehört, Tendenz geht aber in ne ähnliche Richtung. Schade, hab ich früher sehr gerne gehört..

Jennifer

Postings: 1324

Registriert seit 14.05.2013

2017-03-22 21:46:22 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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