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Venenum - Trance of death

Venenum- Trance of death

Sepulchral Voice / Soulfood
VÖ: 17.03.2017

Unsere Bewertung: 9/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Im schwarzen Sog

Mitunter könnte man das Gefühl bekommen, dass es selten so einfach war wie heutzutage, eine Platte zu veröffentlichen. Insbesondere, wenn eine Band einem gerade besonders angesagten Trend hinterherhechelt oder diesem nachgeschickt wird – je nach Auslegung. Dann aber, und davon kann man sich zumindest in der Metal-Szene Woche für Woche überzeugen, gibt es Kapellen, die sich Zeit nehmen. Zeit, um im Underground auf kleinsten Gigs voller Herzblut zu einer Einheit zu reifen. Und vor allem: Zeit, an ihren Songs wieder und wieder zu feilen. Sich weiter zu verbessern, ohne Zeitdruck zu empfinden. Venenum ist so eine Band. Ende 2011 veröffentlichten die Franken eine EP, die mit einer starken Mischung aus rauem Black Metal, epischen Passagen und rüpeligem Death Metal aufhorchen ließ und durchaus an Genrevordenker wie Watain oder The Devil's Blood erinnerte. Sechs Jahre nach einer Debüt-EP ohne Veröffentlichung? Eigentlich der sicherste Weg in die Vergessenheit.

Und 2017 ist die Platte nun da, die die Band schon seinerzeit selbstbewusst als "noch verwirrender" angekündigt hatte. Und "Trance of death" beginnt bedächtig. Ruhig, aber mit einer latenten Düsternis öffnet ein klagendes Cello die Tür zu "Entrance". Und diese Tür soll die Pforte zu einer Reise ohne Wiederkehr in wahnwitzige Abgründe extremen Metals werden. Denn nach zweieinhalb Minuten bricht mit "Merging nebular drapes" ein Inferno aus hölllischem Death Metal herein. Versprüht klirrende Kälte, wie sie nur die Genre-Größen aus Skandinavien zu versprühen imstande waren. Und versetzt das Ganze mit Riffs, die bei aller Ruppigkeit unglaublich eingängig sind. Was für eine Fülle an Strukturen, was für eine Vielschichtigkeit. Ist das nun verspielter Extrem-Metal oder Brutalo-Prog? Keine Ahnung. Ist aber auch vollkommen egal.

Denn während die Hörerschaft noch ungläubig dem absurd bösartigen Schlussteil hinterherschaut, rasten die Schwabacher komplett aus und prügeln mit "The nature of the ground" jegliche Hoffnung auf Halt in diesem alles mitreißenden Mahlstrom in Grund und Boden. Black Metal ist also nur finsteres Lo-Fi-Gedresche? Weit gefehlt. Hier sind Musiker im Wortsinn am Werk, Künstler, die ihr Handwerk verstehen und Schicht um Schicht aus Riffs und Atmosphäre aufbauen, aber dabei immer wieder Wege aus dem Dickicht weisen. Man muss sich also nicht in Frickeleien verlieren, will man im Wortsinn progressiv sein. Doch all dies wird bald Schall und Rauch sein. Und das ist wörtlich zu nehmen, nachdem "Cold threat" in einer orgiastischen Dystopie die Apokalypse wie ein lustiges Kaffeekränzchen erscheinen lässt.

Warum? Weil die restlichen 26 Minuten der Platte einer wahrhaftigen Weltuntergangs-Sinfonie gehören. 26 Minuten, nach denen nichts mehr so ist wie vorher. 26 Minuten, die nicht mehr und nicht weniger bahnbrechend für das Genre sein werden – wie die Misanthropie von Triptykon, der Spieltrieb früher Opeth, die arktische Kälte von Darkthrone oder die Raserei von Mayhem. Denn in drei Teilen reißt die Titel-Suite nicht nur alles nieder, sondern verlässt die Pfade der Raserei für orgiastische Instrumentalwelten voller Virtuosität. Plötzlich sind da Psychedelia wie bei Hawkwind, ausufernde Improvisationen der frühen Deep Purple und Uriah Heep. Und horch, dort winken sogar Pink Floyd aus der Ferne.

Was zur Hölle ist das also für eine Soundwelt? Was für eine Reise durch die Jahrzehnte? Was Venenum vor allem im Mittelteil "Trance of death II: Metanoia journey" erschaffen haben, ist schlicht nicht von dieser Welt. Vielleicht ist es das wirklich nicht, und die vier Herren haben sich durch höhere Mächte oder bewusstseinserweiternde Substanzen leiten lassen. Ganz sicher jedoch steckt alleine in diesem düsterem Triptychon, in diesem leuchtenden Fanal eine Unmenge von Arbeit einer der größten Entdeckungen im extremen Metal der letzten Jahre. Venenum sind mehr als hoffnungsvolle Newcomer, die sich in keiner Weise hinter aufsehenerregenden neuen Genrekollegen wie Bölzer oder Mgła verstecken müssen. Und "Trance of death" ist schlicht und ergreifend eine Sensation.

(Markus Bellmann)

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Highlights

  • Merging nebular drapes
  • Trance of death II: Metanoia journey
  • Trance of death III: There are other worlds ...

Tracklist

  1. Entrance
  2. Merging nebular drapes
  3. The nature of the ground
  4. Cold threat
  5. Trance of death part I: Reflections
  6. Trance of death part II: Metanoia journey
  7. Trance of death part III: There are other worlds ...

Gesamtspielzeit: 50:33 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
Gürgen da Fetishist
2017-03-23 22:30:46 Uhr
Da best.
Faktenfester Mitleser
2017-03-23 21:24:13 Uhr
Das stimmt nicht.
@Faktenfester Mitleser
2017-03-23 21:16:06 Uhr
Dann hast du keine Ahnung, was Krach ist.
Faktenfester Mitleser
2017-03-22 16:07:08 Uhr
Das ist einfach nur Krach. Ihr spinnt doch.
shejn
2017-03-20 14:31:35 Uhr
Sehr speziell, sehr schön. Für mich ein Anwärter auch den Titel Ablun des Jahres. Allein wie die Gitarren dengeln -einfach unbeschreiblich. Komplex und gleichzeitig zugänglich. Kein stumpfes Rumgekloppe, sondern intelligentes Drauflosgeholze. Das ideale Ostergeschenk für den Metal-Daddy.
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