Milky Chance - Blossom

Milky Chance- Blossom

Vertigo / Universal
VÖ: 17.03.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Wie schreibe ich eine Rezension?

Das Rezensentendasein erfordert oft einige Kreativität. Einfach ist es, wenn die zu besprechende Platte von sich aus viele Ansatzpunkte anbietet, Diskussionsstoff liefert, verschiedene Herangehensweisen zulässt. Dann sprudelt man über vor Ideen – Überschriften, Aufhänger, Twists: Alles ergießt sich unkontrolliert auf den (in meinem Fall digitalen) Notizblock. Einfach ist es auch bei Alben, die ganz offensichtlich alles falsch machen. Denn meckern und zerreißen, das können wir Schreiberlinge natürlich. Und dann gibt es Platten wie "Blossom", den Zweitling des Kasseler Duos Milky Chance, die tief im kahlen Mittelland dazwischen stecken. An dieser Stelle soll – als Einblick hinter die Kulissen – ein kurzer Auszug aus meinen Songzusammenfassungen des ersten Hördurchlaufs gegeben werden, der womöglich mehr sagt, als jede als jede ausformulierte Zeile einer Rezension:

Blossom: Beat und Gitarrengeklimper, klingt optimistisch, eingängig
Ego: wieder Beat-Gitarren-Kombi, poppig, eingängig, recht ähnlich
Firebird: öhm, wieder ähnlich, radiotauglich?, harmlos... joa
Doing good: ...verzweifelt weitermach... [...]

Der Mix, der schon beim Hit "Stolen dance" und dem Debüt "Sadnecessary" klappte, soll offenbar um Gottes Willen nicht verändert werden. Der "Was hab' ich eigentlich die letzte Stunde überhaupt gehört?"-Effekt tritt unmittelbar dank der recht gleichförmigen Darbietung des ohnehin nicht sehr in die Breite gebauten Soundfundaments mit voller Wucht zutage. Vielleicht ist es auch gar nicht die Schuld von Milky Chance selbst, möglicherweise leidet man einfach an Übersättigung an diesem Folktronica-Pop, der schon seit geraumer Zeit im Übermaß aus dem Äther schallt. Aber fürs Erste präsentiert sich "Blossom" als eine undurchdringliche Wand aus Sanftheit, Optimismus und eine großen Prise Gleichgültigkeit. Songs auseinanderhalten? Keine Chance. Nicht mal eine milchige.

Doch Frontmann Clemens Rehbein und Background-Bastler Philipp Dausch sind keine Pfuscher. Und auf "Blossom" sind zum einen mehr Details und Variation versteckt, als es zunächst scheint. Der Western-Touch in "Cold blue rain" und "Peripeteia", die ab und zu aufploppende Mundharmonika oder die energische metallische Percussion in "Alive" fallen beispielsweise nach einiger Zeit ins Ohr. Zum anderen entfaltet das Album gerade aufgrund seiner Homogenität in der richtigen Stimmung – ohne Eile, mit guter Laune – durchaus seinen Reiz als Unterstützung für Tage auf der sonnigen Wiese. Davon abgesehen hat sich die Single "Cocoon" zu Recht in der Radio-Rotation eingenistet, der Titeltrack könnte auf dem Fuße folgen. Und mit dem knapp siebenminütigen "Heartless" liefern Milky Chance zum Ende hin sogar noch ein formidables Gesellenstück in Sachen spannungsvoller Songaufbau. Wenn nur diese grundlegende Entspanntheit nicht so oft in Egalheit umschlagen würde. Dann hätte man als Schreiber auch ein leichteres Leben.

(Felix Heinecker)

Bestellen/anhören bei Amazon

Highlights

  • Blossom
  • Cocoon
  • Alive
  • Heartless

Tracklist

  1. Blossom
  2. Ego
  3. Firebird
  4. Doing good
  5. Clouds
  6. Cold blue rain
  7. Stay
  8. Bad things (feat. Izzy Bizu)
  9. Cocoon
  10. Losing you
  11. Peripeteia
  12. Alive
  13. Piano song
  14. Heartless
  15. Cold blue rain (Acoustic version)
  16. Alive (Acoustic version)

Gesamtspielzeit: 67:22 min.

Album/Rezension im Forum kommentieren (auch ohne Anmeldung möglich)

Einmal am Tag per Mail benachrichtigt werden über neue Beiträge in diesem Thread
Dein Name:
Deine Nachricht:
Forums-Thread ausklappen
(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
SpontiKlaus
2017-04-17 22:51:15 Uhr
Nein danke! Der Soundtrack für die gepflegte Haschparty. Kehliges Gemurmel mit Gitarrengeschrammel und elektronischem Düdeldü. Kiffermusik fürs Freiluftleben ab zwei Promille. - Aber dann doch lieber Reggae.
Fränkie
2017-03-21 15:23:04 Uhr
Keine Macht den Drogen.
Das ist alles.
2/10
Jack Cuzzi
2017-03-17 17:55:01 Uhr
Das Album passt wieder zu den beiden Typen: Machen äußerlich einen auf "kreativ" aber was dann rauskommt ist verschlafen und unmotiviertes Geplätscher.
Man merkt: Die wollen den zweiten dicken Hit, und zwar mit der Brechstange. Ganz genau akustisch die Schablone von 2013 nochmal nehmen, heyyy. Trotzdem kommt dasselbe Geklampfe mit einem Hauch milden Techno dabei raus. Vielleicht hört man das ja gerne so, in Kassel.
Merde S. Champ
2017-03-17 15:48:59 Uhr
Schreckliche Band.
Jensemann
2017-03-17 15:26:02 Uhr
Meine Güte.
Bin nach dem ersten Durchhören schon fast eingeschlafen. Ganz laue Nummern.
Zum kompletten Thread

Hinterlasse uns eine Nachricht, warum du diesen Post melden möchtest.

Weitere Rezensionen im Plattentests.de-Archiv

Threads im Plattentests.de-Forum