Valerie June - The order of time

Valerie June- The order of time

Caroline / Universal
VÖ: 10.03.2017

Unsere Bewertung: 7/10

Eure Ø-Bewertung: 7/10

Der Neid von Nick Drake

Manchmal kann eine Absage von Massive Attack ihr Gutes haben. Zumindest für Valerie June, Songwriterin, Dread-Head, Hoffnung für Gospel, Alternative Country und Blues. Straight Outta Tennessee: Mit 35 Jahren hat es die gute Frau längst zur Lichtgestalt dieser leicht verstaubten Genres geschafft. Einladung von Michelle Obama ins Weiße Haus? Hatte sie. Auftritt im Vorprogramm der Rolling Stones? Hatte sie ebenfalls. Nur die Sache mit Massive Attack klappte nicht, worüber Valerie June heute jedoch mitnichten traurig ist. Sie schickte der TripHop-Band einen Track per Mail, eine kurze wie herzliche Absage landete später in ihrem Posteingang, danach ein paar Tränen in ihrem Taschentuch – und fertig. Am anderen Morgen hatte sie den Song immer noch im Kopf. Am Ende landete "Astral plane" auf ihrem zweiten Album "The order of time", das der Abflug zur großen Karriere sein könnte.

Wie schon Michael Kiwanuka weckt Valerie June vor allem Erinnerungen an jene Zeiten, von denen die Menschen annehmen, dass Musik noch ehrlich und handgemacht war. Ein Song war nicht nur ein Song, sondern Statement und Offenbarung. So macht die zwölf Stücke vor allem eine unverfälschte Unschuld aus. Valerie Junes kindliche Stimme tanzt über die Noten, erzählt von der Zeit, der Vergänglichkeit, der Hoffnung. In "With you" verführt Valerie June mit Zauber und Zärtlichkeit, die Gitarre wirft eine wunderschöne Melodie aus, während stets die Streicher zum Höhenflug ansetzen und doch auf dem Boden bleiben. Auf diesen Song wäre Nick Drake neidisch. "Got soul" lässt ein paar Bläser um eine Geige taumeln, eine Orgel flötet dahinter und June singt, singt und singt: "Yeah, I got soul." An dieser Stelle hätte es die Ansage nicht mehr gebraucht.

Denn auf diesem Album erzählt eine Künstlerin direkt aus ihrer Seele, ja, Klischee, schon tausendfach über andere Musiker gelesen, aber Valerie June lässt sich fast nur über esoterische Wege fassen. Oder wie sie es selbst sagt: "Dancing on the astral plane in holy water cleansing rain, floating through the stratosphere – blind, but yet you see so clear." Eine Platte, die Augen öffnet, die träumen lässt. Anfangs setzt die 35-Jährige auf eher leichte Arrangements, hat die Instrumentierung knietief im Alternative Country angesetzt. Doch je länger "The order of time" läuft, umso befreiender wird hier jedes Stück Musik.

Dazu kommt, dass Valerie June eine unverwechselbare Stimme hat. In "Love you once made" schmeichelt sie, erzählt stellenweise mehr, als dass sie singt, bevor sie es im Refrain doch wieder tut, getragen von Schlagzeug und Gitarre. Dabei ist "The order of time" ein unaufdringliches, ein vorsichtiges Album, weil June eine unaufdringliche, eine vorsichtige Person ist. Und gerade deshalb sollte man ihr umso genauer zuhören. Jede Slide-Guitar, jeder Schlag auf den Drums sitzt hier, jedes Wort von Valerie June ebenso. Es wird mutmaßlich die letzte Absage für eine sehr, sehr lange Zeit in ihrem Posteingang gelandet sein.

(Björn Bischoff)

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Highlights

  • Shakedown
  • The front door
  • Astral plane
  • With you

Tracklist

  1. Long lonely road
  2. Love you once made
  3. Shakedown
  4. If and
  5. Man done wrong
  6. The front door
  7. Astral plane
  8. Just in time
  9. With you
  10. Slip slide on by
  11. Two hearts
  12. Got soul

Gesamtspielzeit: 43:37 min.

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Armin

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2017-03-15 17:23:46 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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