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Spoon - Hot thoughts

Spoon- Hot thoughts

Matador / Beggars / Indigo
VÖ: 17.03.2017

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 9/10

Lieferhelden

Selbst bei Pitchfork weiß man es schon lange: "[Spoon] sind sehr leicht zu unterschätzen, weil sie so konsistent gut sind." Seit nunmehr über 20 Jahren liefern und liefern und liefern sie konstant ab, dabei sich stets wandelnd und doch in ihrer Schlagfertigkeit immer unverkennbar. So viel Musterschüler-Attitüde macht beinahe Angst, zumal sich mit dem letzten Album "They want my soul" trotz übereifrigem Loudness-Mastering ein weiteres Werk in den Spoon-Olymp zu "Kill the moonlight" und "Ga ga ga ga ga" gesellte. Das ist zumindest die Zusammensetzung nach Meinung des Rezensenten – für fast jedes andere Album der Texaner lassen sich jedoch ebenso Argumente finden. Ihr neunter Streich, gleichzeitig der erste nach dem Ausstieg des langjährigen Mitglieds Eric Harvey, macht diesbezüglich überhaupt keine Ausnahme. "Hot thoughts" ist eines dieser Schleicher-Alben, die man anfangs gerne als "ganz gut" abtut, bevor ein Song nach dem anderen unbemerkt zupackt und sich eine Platte voller Highlights entfaltet.

Mit Sicherheit ist der Titeltrack einer der ersten davon, nicht umsonst als Vorabsingle ausgewählt. Spoon kanalisieren erneut ihren inneren Prince, Britt Daniel verzieht sich ins Falsett, während um ihn herum die Welt in freudigem Gebimmel erstrahlt. Es begeistert vor allem, wie mühelos die verschiedenen Parts aus energischem Rock, von Klavier dominierten Zwischenparts und basslastigen Spannungsfeldern ineinanderfließen und ein homogenes Ganzes präsentieren. Das nicht nur im Titel atemlose "WhisperI'lllistentohearit" entwickelt sich vom elektronisch geprägten Flüstern in ein explosives Gitarren-Inferno. Und in "Do I have to talk you into it" wetten Klavier, Schlagzeug und Vocals, wer das Trommelfell als erstes mit Stakkato-Attacken perforieren kann. Doch selbst in solch kraftvollen Momenten bleibt Spoon ihre inhärente Coolness erhalten. Und niemand vermisst die verbannte Akustikgitarre.

"Hot thoughts" nimmt den Laissez-faire-Vibe des LoFi-Ausflugs "Transference" dankbar mit, vermischt diesen allerdings mit der bisher reichhaltigsten Instrumentierung und Virtuosität. Ganz deutlich wird dies im zentralen Stück "Pink up", mit knapp sechs Minuten aktuell die längste Komposition der Truppe. Die Zeit braucht der Song, um sich mit stetem Rhythmus ganz tief in ausladende Lounge-Kissen fallen zu lassen, das Treiben um sich zu beobachten und langsam in einem Strudel aus Reverb, Backmasking und Brumm-Effekten zu entschwinden. "The time is gonna come", setzt Daniel beruhigend hinzu, bevor die Hypnose zuschnappt. Der Closer "Us" nimmt das zentrale Beat-Motiv von "Pink up" nochmals auf und addiert dazu nur noch vereinzelte Aufheuler eines Saxophons, bleibt darüber hinaus aber menschenleer. Spätestens hier ist klar: "Hot thoughts" geht es nicht um den schnellen Hit, es zielt darauf ab, ein Gefühl zu transportieren, einen Geisteszustand heraufzubeschwören.

Was nicht heißt, dass eingängige Songs Fehlanzeige sind. Neben dem zackigen, zwischen Reduziertheit und Bombast schwankenden "Can I sit next to you" und dem flott galoppierenden "Shotgun" fällt vor allem das selbstbewusst schlendernde "Tear it down" ins Ohr. Der Song entstand bereits Mitte 2016, aber mit den zentralen Zeilen "Let them build a wall around us / I don't care / I'm gonna tear it down" haben Spoon quasi aus Versehen den aktuellen Zeitgeist festgenagelt. Und dabei trotzdem eine Hymne für die Ewigkeit geschaffen. Genauso, wie "Hot thoughts" dank seiner schier endlosen Detailverliebtheit immer frisch bleibt und weiteres Zeugnis davon ist, um was für eine famose Band es sich bei Spoon handelt. Zwischen Psychedelik und Konkretheit liefern sie wieder: ein Meisterwerk.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Hot thoughts
  • Do I have to talk you into it
  • Pink up
  • Tear it down

Tracklist

  1. Hot thoughts
  2. WhisperI'lllistentohearit
  3. Do I have to talk you into it
  4. First caress
  5. Pink up
  6. Can I sit next to you
  7. I ain't the one
  8. Tear it down
  9. Shotgun
  10. Us

Gesamtspielzeit: 41:56 min.

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(Neueste fünf Beiträge)
User Beitrag
vheissu1
2017-03-23 11:21:28 Uhr
Ja, ist eine Weiterentwicklung des klassischen Sounds der Band. Nach 1 bis 2 Durchläufen sicher schwer zu beurteilen, wie das noch wächst, aber auf jeden Fall überzeugt das Album schon mal in seiner Geschlossenheit. Interessant wird sein, ob es genügend Widerhaken hat, damit es nicht nur angenehm nebenbei läuft, sondern zum bewussten Hören einlädt. Die Hoffnung darauf besteht.

Plattenbeau

Postings: 244

Registriert seit 10.02.2014

2017-03-20 17:32:54 Uhr
Geht mir ähnlich. Normalweise ruht und reift ein Spoon-Album bei mir durchaus mal 1-2 Jahre, ehe ich es ins Herz schließe. Hoffentlich ist das Neue kein Strohfeuer.

The MACHINA of God

Postings: 7820

Registriert seit 07.06.2013

2017-03-20 17:03:05 Uhr
Alter. Ersteeindruck geil.Ich glaub so schnell fand ich kein Spoon-Album so interessant..

Gomes21

Postings: 677

Registriert seit 20.06.2013

2017-03-20 12:18:39 Uhr
Überraschend gut, Spoon konnten mich nie wirklich begeistern, aber die zweite Hälfte fällt schon merklich ab. Insgesamt aber ganz gutes Album - 7/10
fakeboy
2017-03-20 12:10:54 Uhr
Ich werd nicht warm damit. Kaum Hits, seltsam unleidenschaftlich. Die Spoon'sche Magie will sich bei mir diesmal nicht einstellen. "They Want My Soul" war ein guter Abstecher in "Hochglanz"-Gewässer, aber "Hot Thoughts" lässt mich ratlos zurück...
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