Porter Ray - Watercolor
Sub Pop / Cargo
VÖ: 10.03.2017
Unsere Bewertung: 8/10
Eure Ø-Bewertung: 6/10
Pinselstrich für Pinselstrich
Am Anfang seines Lebens schien Porter Ray Sullivan das Glück auf seiner Seite zu haben: Seine Eltern verdienten als Erzieherin und Anwalt zumindest ausreichend Geld, ihm und seinen Geschwistern fehlte es an nichts, er war gut in der Schule, künstlerisch begabt, sportlich erfolgreich. Mit 12 änderte sich das alles schlagartig, als bei seinem Vater multiple Sklerose diagnostiziert wurde. Was folgte, ist eine Abwärtsspirale, die in ihrer Tragik ihresgleichen sucht: Vier Jahre später war Sullivans Vater tot, der Heranwachsende verlor das Interesse am Sport, dann an der Schule, verpasste den Abschluss, rutschte in illegale Machenschaften ab, um seine Mutter finanziell unterstützen zu können. 2009 wurde sein Bruder erschossen, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Einen Monat nach der Geburt von Porter Ray Sullivans Sohn wurde die Mutter des Kindes zu acht Monaten Knast verurteilt.
Wie schnell es von der bunten Seite des Regenbogens zu den dunkelsten Schattenseiten gehen kann, reflektiert der mittlerweile 28-Jährige auf seinem Debütalbum "Watercolor". Der Titel ist passend: Fließend laufen die verschiedenen Eindrücke ineinander, vermischen sich die Hochs und Tiefs in Sullivans Geschichte, verblassen und verstärken sich an so mancher Stelle. Nach und nach entfaltet sich das eigentlich noch so kurze und doch erfahrungsreiche Leben des jungen Mannes aus Seattle, der von Ishmael Butler alias The Palaceer (Shabazz Palaces, Digable Planets) entdeckt und zu Sub Pop geholt wurde. Der gibt sich auf "Watercolor" selbstredend auch die Ehre, bleibt im von ihm unterstützten "Sacred geometry" aber dennoch dezent im Hintergrund. Die große Bühne gehört Sullivan, der die Chance nutzt: Zeile für Zeile beißt er sich fest und erzählt, ohne bloß zu labern – jedes einzelne Wort hat eine Bedeutung.
Aus dem ersten Album bereits eine Art Lebenswerk zu schaffen, ist sicher in gewisser Weise mutig, hier aber auch sinnvoll. Es ist vor allem der von Sullivan selbst zur Verfügung gestellte Hintergrund, der "Watercolor" in all seiner Intimität so beeindruckend macht. Wenn er im zurückhaltenden "Navi truck" vom Tod seines Bruders berichtet, nach dem er seinen Sohn benannt hat, wirkt das fast wie eine private Unterhaltung unter alten Freunden. So leidet man als Hörer auch mit, wenn sich in "The mirror between us" ein Satz wie "Sometimes I wish that your bullet had been meant for me" in all ihrer Wucht vor dem inneren Auge aufbaut und dort noch lange nach Ende des Stücks verweilt. Auch "Arithmetic" gewährt einen privaten Einblick: Am Ende dieses fast schon klassischen Oldschool-Tracks ertönt eine Frauenstimme am Telefon, bis sich herausstellt, dass es Sullivans Freundin ist, die dem gemeinsamen Sohn aus dem Gefängnis ein Gute-Nacht-Lied vorsingt.
Trotz des sehr offenen Seelen-Striptease bleibt "Watercolor" erstaunlich frei und erdrückt den Hörer nicht unter der Wagenladung an Traurigkeiten. Vielleicht liegt es daran, dass es durchaus hoffnungsvoll bleibt. Das entspannte "My mother's words" startet mit der Zeile "Some dreams are far away" aus dem Mund von Sullivans Mutter, es dreht sich um die Schwierigkeiten, die sich beim Erreichen seines eigenen HipHop-Traums aufgetan haben und ist doch fokussiert, verliert nie das Ziel aus den Augen. Verspielter gibt sich "Beautiful", auch hier ist das Glas stets halb voll, fast scheint es sogar, als wäre es eine Abrechnung mit der Vergangenheit. Sullivans sucht den Abschluss, um bereit für das Neue zu sein und nimmt den Pinsel für den Rest des Bildes selbst in die Hand. "Watercolor" mag eine Geschichte erzählen, die manch alter Mensch in all ihrer Fülle nie überstehen musste, ist aber tatsächlich die eines jungen Mannes, der mit viel Glück noch einiges an Leben vor sich hat. Es sei ihm gegönnt, dass es ein schönes wird.
Highlights
- The mirror between us (feat. JD & JusMoni)
- Arithmetic (feat. Infinite & Stas THEE Boss of THEESatisfaction)
- Navi truck
- My mother's words (feat. Debra Sullivan)
Tracklist
- Waves (feat. Aslan T. Rife)
- East Seattle
- Bulletproof windows (feat. Nate Jack & Thad)
- Past life (feat. Cashtro & Black)
- Everybody (interlude) (feat. Fly Guy Dai of Shabazz Palaces)
- The mirror between us (feat. JD & JusMoni)
- Sacred geometry (feat. Cashtro & The Palaceer of Shabazz Palaces)
- Arithmetic (feat. Infinite & Stas THEE Boss of THEESatisfaction)
- Navi truck
- Lightro (Looking for the light) (feat. Stas THEE Boss of THEESatisfaction)
- Dissolving in a daydream
- My mother's words (feat. Debra Sullivan)
- Beautiful (feat. Aslan T. Rife)
- Sacred geometry (Constellation mix) (feat. The Palaceer of Shabazz Palaces & Cashtro)
Gesamtspielzeit: 56:17 min.
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Armin Plattentests.de-Chef Postings: 27366 Registriert seit 08.01.2012 |
2017-03-13 19:44:07 Uhr - Newsbeitrag
Porter Ray veröffentlicht Album "Watercolor"Schau dir jetzt das Video "Past Life" an Pünktlich zu seinem Debüt "Watercolor", das am Freitag auf Sub Pop Records erschienen ist, veröffentlicht Porter Ray sein traumartiges Video zu "Past Life". Gefilmt wurde in Porters Heimatstadt Seattle unter der Regie von Patrick O’Brien-Smith. Auf dem bittersüßen "Past Life" – feat. Cashtro und Black – reflektiert Ray seine bewegte Jugend, den Verlust von Familienmitgliedern und Freunden, Missgeschicke und vieles mehr. Der zurückgelehnte aber dennoch fesselnde Stil des Rappers, die lebhaften lyrischen Schablonen und kraftvollen Geschichten, sind auf Verletzlichkeit und unbeirrbarer Ehrlichkeit gebaut. Schau dir das großartige Video zu "Past Life" jetzt hier an: Porter Ray hat bei Sub Pop unterzeichnet, nachdem Shabazz Palaces Gründer und Label A&R Ishmael Butler auf ihn aufmerksam wurde. Auf seinem Album "Watercolour" sind B-Roc, Dez Anthony und Kmtk vertreten und das Album hat Erik Blood abgemischt. Gesangliche Gastbeiträge steuern Stas von THEESatisfaction, THEE Boss, Nate Jack und Jus Moni bei. Iconic Central District MC, Infinite, of Narkotik und Tribal Productions sowie Black Constellation Urgesteine Palaceer Lazaro und Fly Guy Dai von Shabazz Palaces sind ebenfalls beteiligt. Porter wird nächste Woche ein paar Shows beim SXSW spielen: 15. März- Austin, TX - SXSW - Swan Dive Patio 19. März - Austin, TX - SXSW - Dozen Street - Kosher Dillz Show Porter Ray ist authentisch, ein Naturtalent, und seine Tracks klingen, wie sich East Seattle anfühlt. Aus den selben schimmeligen Wohnblocks entsprungen wie Quincy, Jimi und Ishmael. Sechs Projekte voller Wortspiel, unerschrockener Ehrlichkeit und Verletzlichkeit hat Porter Ray bisher schon über Bandcamp veröffentlicht. Immer mit dem richtigen Maß an Großspurigkeit und Charme ist Porter eine alte Seele, ein Geschichtenerzähler par excellence, ein Griot, der seinem Alter weit voraus ist. "A star in the making." – Uncut Spotify // Facebook // Instagram Porter Ray - "Watercolor" - VÖ 10.03.2017 - Sub Pop / Cargo Records |
Armin Plattentests.de-Chef Postings: 27366 Registriert seit 08.01.2012 |
2017-03-08 21:44:00 Uhr - Newsbeitrag
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Referenzen
Shabazz Palaces; Digable Planets; The Pharcyde; The Physics; Dilated Peoples; Pharoahe Monch; Black Moon; Eric B. & Rakim; Arrested Development; A Tribe Called Quest; Q-Tip; Main Source; The Roots; Reflection Eternal; Souls Of Mischief; Mick Jenkins; Isaiah Rashad; Danny Brown; J Dilla; The Roots; Slum Village; Organized Konfusion; Mos Def; Talib Kweli; Black Star; Talib Kweli & Madlib; Freddie Gibbs; Action Bronson; Pete Rock & C.L. Smooth; Antipop Consortium; Blackalicious; Soulquarians; Bilal; Common; Hieroglyphics; THEESatisfaction; Domo Genesis; Vince Staples; Saba; Earl Sweatshirt; Jay Rock; Lance Skiiwalker; Kendrick Lamar; Loyle Carner; Clipping.; Noname; Rapsody; Gifted Gab; Anomolies; Lauryn Hill
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- Porter Ray - Watercolor (2 Beiträge / Letzter am 13.03.2017 - 19:44 Uhr)