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Ed Sheeran - ÷

Ed Sheeran- ÷

Atlantic / Warner
VÖ: 03.03.2017

Unsere Bewertung: 5/10

Eure Ø-Bewertung: 4/10

Teile und herrsche

Keine Frage: Ed Sheeran befindet sich in seiner imperialen Phase. Ganz 14 Millionen Exemplare verkaufte er von seinem zweiten Album "x", Musikmagazine krönen ihn gar zum neuen "King of Pop", Konzerte sind minutenschnell ausverkauft – die Schweine vom Ticket-Schwarzmarkt können dank horrendem Preisniveau vermutlich vor Lachen kaum noch schlafen. Und als Höhepunkt wurde die Melodie von "Photograph" im Song des Jahres der Plattentests.de-Redaktion verwurstet. (Glaubt Ihr nicht? Vergleicht selbst.) Dem Engländer ist bewusst, dass in seiner Größenordnung weltweit wohl nur Taylor Swift und Adele vor ihm stehen. Mit ersterer verbindet ihn eine Freundschaft, letzterer hat er den kollegialen Wettbewerb angesagt. Mit seinem Drittwerk "÷" (lies: "divide") will er die 20 Millionen Exemplare von "25" knacken. Der 26-Jährige ist hinter seiner verschlurften Oberfläche eben doch ein (Selbst-)Manager, den die Zahlen seines Erfolges interessieren.

Der Vorabsingle-Doppelschlag aus "Shape of you" und "Castle on the hill" machte dabei nicht nur erwartbar die oberen beiden Plätze in den Charts aller Herren Länder klar. Er steckte zudem das Revier von "÷" ab. Letzterer ist ein hymnischer Power-Popsong, dessen stampfender Refrain die gereckten Fäuste der euphorischen Menschenmasse im Stadion direkt vorm inneren Auge erscheinen lässt. Nicht schlecht als Ausrufezeichen. Der Clou ist jedoch das ungleich tiefer in Pop und R'n'B wildernde "Shape of you". Der Beat aus Sheerans Effektpedalkiste und der schlagfertige Wechsel zwischen den Parts ergeben gepaart mit dem ultra-eingängigen Chorus ein raffiniertes Stück Musik. Ein Hit, wie er im Buche steht – absolut zeitgemäß, aber universell genug, um langfristig zu halten. Abgesehen vom stellenweise schrägen Text, der in schlechten Momenten an John Mayers schleimiges "Your body is a wonderland" erinnert.

Das zugehörige Album selbst vergeigt den Einstieg aber zunächst mal auf ganzer Linie. Kollegin Depner schloss in Bezug auf "x" mit den Worten: "Und die albernen Raps lässt er irgendwann hoffentlich auch sein." Sheeran selbst sieht das offenbar ganz gegenteilig, denn mit nichts anderem als einer überwiegend gerappten Nummer beginnt "÷". Und der Flow ist weiterhin, sagen wir mal, ausbaufähig. Bei "Galway girl" wird das immerhin geschickt von der hübschen irischen Folk-Instrumentierung kaschiert. Die Posse um den "New man" eines Ex-Dates kann solch einen Vorteil nicht vorweisen. Zudem erinnert die leicht unvollständige Zeile "You wouldn't be callin' me up tryin' to" an das Versprechen an einen Taxifahrer, nicht auf Platte zu fluchen. Ach, Ed, albern ist das. Lass es doch raus: "...fuck." Ist befreiend, macht locker.

Wäre zudem eine willkommene Abwechslung. Denn trotz allem ist "÷" vor allem eins: getrieben, um zu gefallen. Und zwar möglichst vielen. Mal abgesehen von der durchaus kuriosen Opener-Wahl scheint hier alles nach Maß gefertigt zu sein: der Balladen-Anteil, die stadiontauglichen Refrains, die aufblitzenden Exkursionen Richtung Elektronik. "Dive" scheint gar tatsächlich den direkten Wettbewerb mit Adele zu suchen und erinnert an deren "Don't you remember" mit entsprechendem Drama, aber weniger Überzeugungskraft. "What do I know?" versucht noch mal die "Shape of you"-Masche, sieht aber nur von weitem die Rücklichter. Es ist alles in allem viel Mediokrität auf "÷" auszuhalten, leider.

Ein paar ruhige Stücke geben hingegen das beste Bild ab. "Hearts don't break around here" und "How would you feel (Paean)" überzeugen mit schönen Melodien. Erneut widmet Sheeran außerdem nach "Afire love" auf dem Vorgänger den Abschluss seinen Großeltern. "Supermarket flowers" ist eine reduzierte Pianoballade für die verstorbene Oma, sehr ergreifend und direkt, ohne in sentimentalen Kitsch abzudriften. Und ein seltener Moment, in dem man glaubt, den liebenswerten Schlurfi hinter dem Star wiederzuerkennen. Denn anderweitig verfolgt "÷" zu strikt sein – angesichts der massentauglichen Songs ziemlich realistisches – Erfolgsziel. Alles unterliegt der Kontrolle des Planungsfreaks, dessen bisherige EPs und Alben angeblich Teil eines "15 record plan" sind. Dementsprechend egal, ob seine nächste Platte "-", "%" oder "=" heißt: Mit Ed Sheeran ist weiterhin zu rechnen.

(Felix Heinecker)

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Highlights

  • Shape of you
  • How would you feel (Paean)
  • Supermarket flowers

Tracklist

  1. Eraser
  2. Castle on the hill
  3. Dive
  4. Shape of you
  5. Perfect
  6. Galway girl
  7. Happier
  8. New man
  9. Hearts don't break around here
  10. What do I know?
  11. How would you feel (Paean)
  12. Supermarket flowers

Gesamtspielzeit: 46:20 min.

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Leatherface

Postings: 1491

Registriert seit 13.06.2013

2017-03-25 14:43:53 Uhr
“I wrote both of them for myself,”

Auf der anderen Seite wird er nicht müde zu betonen, dass "Shape Of You" eigentlich für Rihanna geschrieben wurde. Die hatte bestimmt nen guten Lacher als ihr das für "Anti" vorgelegt wurde.
Nachschlag
2017-03-25 13:54:35 Uhr
Das Gute ist, dass uns mit - dann nur noch ein weiteres Album dieser Art bevorsteht. Vielleicht ändert er dann seinen Stil nach den vier Konzeptalben, wobei man hier ja auch nicht wirklich von Konzept sprechen kann.

Kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass er dann ganze so jetzt noch 10 weitere Alben lang durchrotzen will. Irgendwann hat er doch sicherlich auch mal die Fresse voll von diesem Kalkülpop.
Nein ist er nicht
2017-03-25 13:40:49 Uhr
Shape of You schlägt in die gleiche nervige Kerbe wie damals schon Lego House und davor Thinkin Out Loud. Alles ist so unglaublich auf Eingängigkeit, Wiederhohlung, Wohlfühlrhythmus und Wortwahl ausgelegt. Der Song ist wie präzise Chirugie. Steril, kalt, emotionslos. Reiht sich somit nahtlos in die aktuelle Playlist des Formatradios ein.

Stimme aber dennoch zu, dass er als Mensch recht sympathisch rüberkommt.
@Nörz
2017-03-25 11:52:40 Uhr
"Shape of You" ist doch völlig anders als das andere Zeug in den Charts.

nörtz

Postings: 2585

Registriert seit 13.06.2013

2017-03-25 11:02:08 Uhr
Ich kann den Hype nicht verstehen - erst recht nicht, wenn ich die Songs im Radio höre. Shape of You zum Beispiel, hat für mich keinerlei Persönlichkeit. Ich kannte ja Ed Sheeran vorher nicht und dachte, da jault mal wieder einer dieser austauschbaren schmierigen "Chartsänger" daher.
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