Circa Waves - Different creatures

Circa Waves- Different creatures

Vertigo / Universal
VÖ: 10.03.2017

Unsere Bewertung: 6/10

Eure Ø-Bewertung: 6/10

Szenen einer Platte

Was ist das Leben als Musikrezensent nur trist. Abends mit kleinem Lämpchen am Schreibtisch sitzend, alleine Musik hörend, in den eigenen vier Wänden. Ok, ok. Zugegebenermaßen ein vollkommen überzogenes Bild des eigentlich ganz tollen Kritikerdaseins. Nichtsdestotrotz blickt man neidisch auf die doch so viel elegantere Promotion- und Plattenfirmenbranche. Noch größere, vollverglaste Gebäude, besser aussehende Menschen, Starbucks-Latte-Macchiato-Grande statt BackWerk-Filterkaffee, London – und Szenen wie diese:

"Hey Chef, die Circa Waves wollen 'ne neue Platte rausbringen."
"WER?"
"Na hier, die Indie-Rock-Jungs aus Liverpool. Die mit dem Gute-Laune-Album vor zwei Jahren."
"Ach herrje, wie wollen wir das denn an den Mann bringen?"
"Die meinen, sie hätten zwei düstere, nach vorne gehende Rock-Songs geschrieben."
"Großartig. Veröffentliche die als Vorabsingles, auf dem Album erster und zweiter Track, schickes Musikvideo mit Gaststar und dann nix wie raus mit der Platte. Die Leute werden es lieben."
"Aber, aber Cheffe. Willst du die anderen Songs nicht erst hören?"
"..."

Zurück im stillen Kämmerchen, "Different creatures" auf dem Tisch. Der erste Track, "Wake up", ein stroboskopisches Gitarrengewitter, dunkle Stimmung. Es folgt "Fire that burns": melodische Strophe, kraftvoller Refrain irgendwo zwischen "Mountain at my gates" von Foals und poppigen Jimmy-Eat-World-Songs. So weit, so klar. Die Vorabtracks lassen keinen Zweifel daran, dass sich Circa Waves durchaus etwas vorgenommen haben. Jetzt wird's aber spannend. Ist bei "Different creatures" das nicht unbeliebte Konzept "Erst Killer, dann Filler" angewendet worden?

"Goodbye" verspricht zunächst Gegenteiliges. Der Knaller rockt mit seinem röhrenden Bass nahezu amerikanisch und stellt dabei das Eröffnungs-Duo energiemäßig tatsächlich in den Schatten. Der Spannungsaufbau im C-Teil ist groß – und bleibt auch gut 30 Minuten später als der interessanteste Moment in Erinnerung. Denn was nach dem furiosen Auftakt folgt, ist mitnichten schlecht, aber eben auch längst nicht ebenso überzeugend. Die Britpop-Schunkel-Ballade "Out on my own" sticht dabei noch am Meisten heraus. Ansonsten reihen sich druckvolle, aber etwas einfallslose Rocktracks der Marke "Stuck" neben experimentellere Ausflüge wie "A night on the broken tiles". Die zerbrechliche Akustiknummer "Love's run out" beschert dabei besinnliche 2 Minuten 40. Trotz Highlight-armen 70% des Albums mundet der neue Sound der Circa Waves durchaus. "Ein Album für die Nacht" erklärt Sänger Kieran Shudall und liegt damit durchaus richtig, fällt seine Band doch nur vereinzelt wie in "Old friends" in das Gute-Laune-Muster des Debüts zurück. Damit es zu "einem der besten Rockalben" wird, wie Shudall ebenfalls prophezeit, wäre es aber schön, wenn das Richtig-geil-Sein nicht nach drei Songs eingestellt wird. Ha! So einfach sind wir Musikrezensenten im stillen Kämmerchen dann doch nicht zu kriegen.

"Hey Chef, Plattentests.de hat der neuen Circa-Waves-Scheibe eine 6/10 gegeben."
"Die Schweine."
"Nein, das heißt für die eigentlich, dass es ihnen ganz gut gefällt."
"Echt? Was schreiben sie denn?"
"Weiß ich nicht, aber die ersten Songs sind die Highlights."
"Na siehste, hab ich dir doch gesagt, dass wir sie so alle kriegen."

(Till Bärwaldt)

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Highlights

  • Wake up
  • Fire that burns
  • Goodbye

Tracklist

  1. Wake up
  2. Fire that burns
  3. Goodbye
  4. Out on my own
  5. Different creatures
  6. Crying shame
  7. Love's run out
  8. Stuck
  9. A night of the broken tiles
  10. Without you
  11. Old friends

Gesamtspielzeit: 39:58 min.

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Armin

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2017-03-01 20:47:49 Uhr - Newsbeitrag
Frisch rezensiert.

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